Aufsatz 
Rostands Princesse Lointaine als Schullektüre
Entstehung
Einzelbild herunterladen

21

Die weissen, kalten Lilien sind verbannt!. Das Fenster ist doch fort, verhängt von meiner Hand!! Es wich die Träumerblume, bleich und fahl,

Der rosenroten Lieb... So lächle doch einmal! Wir wissen nichts was sollten wir auch wissen? Wir fragen niemand! Was ist wirklich, sprich?

Dass ich Dich hab' und halte und Du mich! Wovor uns fürchten? Vor Gewissensbissen?

Was soll das Schiff? Wer ist Rudel? Ein Traum! Hinter dem Fenster? Goldner Ufersaum,

Ein blauer Golf so blaul Kein Schiff, kein Nachen! Und wenn ich einst hinweg den Vorhang schiebe, Wie werden wir der Furcht, der dummen, lachen! Denn nichts ist da, auch gar nichts, uns zu kränken! Das mit dem schwarzen Wimpel? Possen!

Ein Märchen, Freund! Das Fenster ist geschlossen! Nichts denken, Heissgeliebter, gar nichts denken! Warum soll Schlimmes nur dahinter sein?

Harmlos genug schaut doch das Fenster drein;

Es lacht sogar, wenn sich die Strahlen brechen....

Bertrand hat nur den dumpfen Vorwurf zur Antwort:

Könnt Ihr mir nur von diesem Fenster sprechen? So ist es das Fenster, das, was dahinter auf dem Meer lauert, es drängt sich unaufhörlich und unaufhaltsam zwischen sie. Und als sie es fast vergessen wollen, da reisst ein Windstoss die Fensterflügel auf. Zwar nähert sich Melissinde dem Fenster mit abgewandtem Blick, aber im Augenblick, wo sie es erreicht, zaudert sie, wagt nicht, es zu schliessen, weicht, immer an der Wand entlang, langsam zurück und sinkt endlich neben Bertrand auf den Divan:

Gut, bleiben wir! Hier sieht man nichts! Begraben

Wir uns in unsre Liebe, glücklich, froh,

Wie alle alle Glücklichen auf Erden! Bertrand fährt auf:

Was sagst Du da? Und Melissinde erwidert:Ich sage, alle haben

Das offne Fenster hinter sich und werden