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Zweiter Aufzug.
Je tiefer sich das Elend an Bord von Joffroys Schiff dem Schauenden eingeprägt hat, um so lieber werden die Gedanken dem enteilenden Kahn nach Tripolis folgen. Und wahrlich, kaum lässt sich ein grösserer Gegensatz denken, als der zwischen dem Schauplatz, den Bertrand verlassen, und dem, den er auf- zusuchen im Begriff steht. Hören wir, wie sich Rostands Dichterphantasie die Szene ausmalt:
„Prächtiger Saal eines halb romanischen, halb orientalischen Palastes. Die mächtigen bunten Scheiben des Fensters im Hinter- grund blicken auf Terrassen hinaus und dahinter auf das Meer, das mit dem Himmel zusammenfliesst. Von der Mittelbühne rechts gestattet eine grosse offene Tür Einblick in eine von schlanken Säulen getragene Halle. Springbrunnen plätschern darin; sie verliert sich in der Ferne.— Links führen Porphyr- stufen von einem prächtigen Goldportal herab. Die blendenden Marmorfliesen und alle Stufen sind mit frischgepflückten Lilien bestreut. Eine Art Divan mit vielen Polstern. An der Wand, nächst der Türe, hängt eine riesige Streitaxt, deren Stiel mit ungeschliffenen grossen grünen Edelsteinen besetzt ist.“
Und als könnt' es nicht anders sein, harren in diesem wunderbaren Saal Pilger der Prinzessin, Pilger in muschel- besetzten Kutten, den Pilgerstab und einen grossen grünen Palm- zweig in der Hand. Geblendet von der märchenhaften Pracht, flüstern sie sich halblaut ihre Wahrnehmungen zu. Einige Male werden sie unterbrochen. Die Hünengestalt eines Ritters in grüner Rüstung erscheint, von dem ein Pilger zu berichten weiss, dass er der Lehnsmann und Stellvertreter des griechisch-byzan- tinischen Kaisers Manuel ist. Diesem habe sich die Herrin von Tripolis verlobt, ohne zu ahnen, wie viel sie von ihrer Freiheit damit aufgebe Denn der„grüne Ritter“ sei ein gar ge- strenger Wächter.— Dass er auf solche Hindernisse stosse, meint ein anderer Pilger, ahne der junge Ritter wohl nicht, der vorhin am Strand aus dem Nachen gesprungen sei und so un- gestüm nach der Prinzess verlangt habe. Noch ein Glück, dass er den schlauen genuesischen Kaufmann Squarciafico ge- funden, der gewiss alles tun werde, was in seinen Kraften stehe, um den verhassten Griechen ein Schnippchen zu schlagen.


