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Der Ritter, der ihr Antlitz schaut,
Das goldne Flechten voll umrahmen, Lässt die Geliebte, lässt die Braut:
Es seufzen die verlass'nen Damen.
Wie Huld und Anmut ungewollt Ihr namenlosen Liebreiz leihen,
Ist sie'ne Heilige, wunderhold, Die sich versteht auf Zaubereien.
Die Züge sanft, zum Schalk gemacht, Zart überhaucht von Purpurwellen: Wenn sie sich regt, ist's blühende Pracht, Sobald sie redet, murmeln Quellen.
So, seltsam schön, doch schön gewiss, Französin halb, halb Orientale, Thront Melissind von Tripolis Im lichtdurchflossnen Fürstensaale.
So werden wir im fernen Land
Sie schau'n, wenn nicht die Pilger logen, Die einst im härenen Gewand,
Umklirrt von Muscheln, zu uns zogen!“—
Das lockende Bild, vom Zauber der Poesie verklärt, ent- zündet neue Hoffnnng in allen Herzen. Hin zu ihr! ist die Losung. Hunger und Durst sind vergessen, und in ihrer Zuver- sicht neu gestärkt, greifen alle zu den Rudern— da wird Joffroy Rudel hereingetragen,„entsetzlich abgemagert, nur Haut und Knochen, vom Fieber geschüttelt, flackernde Lichter in den Augen.“ Je furchtbarer sein Aussehen, um so wunderbarer klingt, was er sagt: sein erster Hymnus an die„Prinzess des Ostens mit dem Honignamen“, Melissinde:
„... Wär's möglich, dass ich niemals zu dir schwämme, Dass nie dem Meer enstiege, sieggewiss, Dein Goldstrand, den der Wogen Silberkämme Bespülen, benedeites Tripolis?!“ der dann in den einzigen Wunsch ausklingt: „Könnt' ich sie sterbend sehn und schlafend von ihr träumen!“


