Aufsatz 
Rostands Princesse Lointaine als Schullektüre
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1

Rudel, der kränker wird von Tag zu Tag, den selbst nur die Hoffnung und seine holde Kunst noch aufrecht erhalten? Der Schiffspatron und der Beichtvater des Prinzen, Bruder Trophime, denen Sturm, Hunger und Ungemach nicht weniger mitgespiclt haben als der Mannschaft, wünschen nichts sehnlicher; der weitherzige fromme Bruder erfleht es als höchste Gnade vom Himmel; aber der skeptische Leibarzt des Prinzen, der Schwarzberockte Medikus, derSüsswasserdoktor(wie ihn die Matrosen kichernd nennen), Meister Erasmus, der glaubt an kein gutes Ende. Wozu nur die unsinnige Reise?

Ei ja, wie kommt nur dieser Reimer Dazu, auf solche Fahrt sich zu begeben? Der sanfte Prinz, der Träumer aller Träumer?! Ruhig wollt' ich unter seinem Dache leben; Am Land, nicht auf der See, dacht' ich den Ritter Zu pflegen Diese Fahrt enttäuscht mich bitter!

Sein ganzer Zorn gilt aber denen, die das Unheil ange- richtet:

Bei Gott, sie sollten in der Hölle braten Am Spiess für alles Unheil, das sie taten, Die Pilger aus Antiochien, die verfluchten, Die eines Abends unser Schloss besuchten....

Man sass gesellig beim Mahl da ... redeten sie nur von Melissinde, Des grossen Raimund und Hodiernens Kinde, VonAsiens Blume schwärmten sie verzückt Und rasten, bis den Prinzen sie berückt, Der, trugumgaukelt, sich mit einem Male Erhebt und stürmisch vor dem ganzen Saale Zur Dame seines Herzens sie erklärt! Fortan ist sie's, für die allein er dichtet, Von der er träumt, die er allein verehrt. So ganz auf sie ist Herz und Sinn gerichtet Zwei lange Jahre, dass der Krankheit Zahn Stets tiefer frisst. Er fühlt sein Ende nah'n Und unternimmt die Fahrt nach diesen Landen, Zu schaun das Antlitz seiner Unbekannten!