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sein dieser Anstalt auch unbemittelten Bürgersöhnen unserer Stadt die Möglichkeit des Studierens umsomehr geboten ist, als der Besuch und die Absolvierung des Obergymnasiums durch eine Reihe hochherziger, gerade auch für Mühlbach bestimmter Stiftungen der sächsischen Nations- universität erleichtert und begünstigt wird. Die Auflösung des Gymnasiums hätte aber nicht nur den Verlust dieser Studienstipendien zur Folge, mit deren Hilfe so manches Mühlbächer Stadt- kind ehrenvolle Amter und mit diesen verbundenen Rang und Verdienst erklommen hat, sondern es würden hiedurch auch die von der Nationsuniversität zur Erhaltung unseres Gymnasiums urkundlich gestifteten Dotationen in Frage gestellt sein, da nach dem Tenor der diesbezüglichen Verhandlungen in der letzten Landeskirchenversammlung zu schliessen es mehr als unwahrscheinlich ist, dass diese an den Bestand des Gymnasiums geknüpſten Unterstützungen auch für die Zwecke der Bürger- schule würden bewilligt werden. Nicht unerwähnt dürfen wir endlich gerade mit Rücksicht auf die so oft betonte und beklagte Geschäfts- und Verkehrsstärkung in unserer Stadt den Umstand lassen, dass im Falle des Aufhörens des durch die Anziehungskraft des Gymnasiums bedingten grösseren Zuflusses fremder Schüler von nah und ferne so manche unserer Familien in ihrem materiellen Einkommen sich empfindlich würden geschädigt sehen.
Wir glauben über unsere lokalen Verhältnisse unterrichtet genug zu sein, um zu wissen, dass der denkende Teil unseres Publikums, soferne er die Umwandlung des Gymnasiums in eine Bürgerschule befürworten sollte, dies lediglich in der guten Absicht thäte, unserem Bürger- namentlich aber Gewerbestand damit zu nützen; wir wissen aber zugleich, dass auch der Unverstand und die Agitationslust an der geplanten Schulreform ihren Anteil hat und wenn wir persönlicher Umtriebe an dieser Stelle gedenken, so thun wir es ausschliesslich deshalb, um den bereits gemachten Versuch, die in der forcierten Empfehlung der Bürgerschule liegende Unterschätzung des Gymnasiums gleichsam wissenschaftlich damit zu begründen, dass auf die in Deutschland von hervorragenden Gelehrten erstrebte und befürwortete Einschränkung und Beseitigung des altsprachlichen Unterrichts aus den Gymnasien hingewiesen wird, in das rechte Licht zu stellen. Thatsache ist es, dass deutsche Gelehrte, den geistigen Entwikelungsgang ihres Volkes während der letzten 300 Jahre von der Höhe umfassender Bildung überblickend, bei vollster Würdigung des hohen Gewinnes, der ihm aus der Erforschung des Kulturlebens der beiden klassischen Völker des Altertums, ins- besondere aber aus seiner kongenialen Vertiefung und Versenkung in die vollendeten Kunst- schöpfungen des hellenischen Volkes geworden ist, die Zeit für gekommen erachten, dass, nachdem so lange aus den Quellen antiker Kultur geschöpft worden, man sich nunmehr des eigenen, reichen Besitzes bewusst werde und den altsprachlichen Unterricht an den Gymnasien zu Gunsten der deutschen Sprache und Litteratur einschränke und zuletzt beseitige.¹) Es kann ja nur als eine Frage der Zeit betrachtet werden, dass ein von so ernstem Streben beseltes Volk, wie es das deutsche ist, das seinem Denken immer neue Probleme vorlegt, über kurz oder lang auch diese, eine förmliche„Achsenverschiebung“ seines bisherigen Kulturlebens bewirkende Umgestaltung seines mittleren und höheren Unterrichtswesens glücklich zu Ende führen wird. Sicher aber ist, dass jene eine so folgenschwere Reform befürwortenden Vorschläge hervorragender Männer der Schule und Wissenschaft bis noch nur innerhalb der Grenzen theoretischer Erörterungen sich bewegen und wir in ihnen die ersten leisen Ansätze eines erst beginnenden und gewiss nur all- mählich zum Durchbruche gelangenden Werdeprozesses zu erblicken haben. Für uns aber, die wir bisher alle Ursache hatten, dessen froh zu sein, dass. wir in der Entwickelung unseres Schulwesens nicht gar zu weit hinter Deutschland, dessen Schulen einen Weltruf haben, zurückblieben, kann es, wie wir meinen, sich wenig geziemen, durch voreiliges Zerschlagen einer bewährten Bildungs-
¹) Geschichte des gelehrten Unterrichts, von Dr. Friedrich Paulsen. S. 755 ff. 3*


