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Sinne wirken könne, ist wohl nicht zu bestreiten, dass sie aber nicht in dem Masse die geistigen Bedürfnisse von Stadt und Bezirk wird beherrschen und befriedigen können, wie das Gymnasium, folgt ja aus der ihr zukommenden Aufgabe, wornach sie aus dem reichen Schatze menschlichen Wissens nicht nur dasjenige für ihre Zwecke ausscheidet, was an und für sich im Leben als brauchbar und nützlich gilt, sondern zufolge ihrer Anlehnung an lokale Verhältnisse bei fort- gesetzter Eklektik jedesmal dasjenige herauszugreifen und dem Lehrplane als Lehrstoff einzuver- leiben hat, was zu den Ortsbedürfnissen in naher und nächster Beziehung steht. Damit stellt sie sich selbst um eine Stufe niedriger als das Gymnasium.
Die Beseitigung des Gymnasiums wäre übrigens vom Standpunkte jener geistigen Gesamt- interessen, welche zu fördern Beruf und Aufgabe der Orts- und Bezirkskirche ist, umso beklagens- werter, als wir dadurch, dass wir an die Stelle des Gymnasiums eine Bürgerschule setzten, nur einseitig und äusserlich unser Schulwesen jenem Entwickelungsprozesse unterzögen, der in Deutschland und Osterreich seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts stattgefunden und zur Schaffung der Bürgerschule hingeführt hat. In diesen Kulturländern hatte die Erkämpfung der Bürgerschule nur eine Differenzierung des Schulwesens zur Folge, welche so wenig einer UÜberflügelung des durch die Gymnasien repräsen- tierten Bildungsprinzipes gleich kam, dass die letzteren vielmehr— in Deutschland seit dem Beginne, in Osterreich seit der Mitte dieses Jahrhunderts— einen ruhmvollen Aufschwung erfahren haben. Ja wir glauben nicht zu irren, wenn wir behaupten, dass, wenn in jenen Ländern zufolge des in die Schule aufgenommenen Prinzipes des Utilitarismus— Gegner der Bürgerschule nennen es Amerika- nismus— die Volksbildung aus der Bahn gesunder Entwickelung nicht herausgedrängt worden ist, dies hauptsächlich dem Umstande zu verdanken ist, dass das deutsche Volk in seinen zahlreichen Gymnasien und Universitäten, seinen mannigfachen höheren Humanitäts-, Kunst- und Kulturanstalten das nötige Gegengewicht gegen die zerstörenden Einflüsse einer materialistischen Lebens- und Weltauffassung besitzt. Was aber für den geistigen Haushalt eines grossen Kulturvolkes wichtig und notwendig ist, kann auch für kleinere Gemeinschaften nicht nebensächlich und überflüssig sein und somit dürfte die Befürchtung immerhin begründet sein, dass die geplante Bürgerschule uns dasjenige nicht werde ersetzen können, was wir durch die Auflösung des Gymnasiums preisgeben würden.
Bedenken wir ferner, dass unser Gymnasium von jeher eine über das Mass unserer eigenen Bedürfnisse hinausgehende Bedeutung dadurch erlangt hat, dass es zu einer geschätzten und gerne besuchten Bildungsanstalt für die uns unmittelbar umgebenden fremdkonfessionellen und fremd- nationalen Volkselemente geworden ist, so müssten wir seine Auflösung nicht nur vom Gesichts- punkte der hieraus erwachsenden Schädigung eines allgemeinen Kulturinteresses beklagen, es läge hierin zugleich eine bedauerliche Einschränkung der Möglichkeit, jene Gegensätze und Interessen- kämpfe, welche das Leben zwischen uns und ihnen hervorruft, mit den Mitteln der Bildung und Gesittung zu mildern und zu beseitigen. In der Thatsache insbesondere, dass von der Gesamt- heit der seit der Begründung unseres Gymnasiums in dasselbe aufgenommenen Schüler 31% dem romänischen Volke angehörten, liegt nicht nur eine Handhabe zur Beurteilung des Wissensdranges und Bildungsbedürfnisses dieses von der Vorsehung uns zur Seite gestellten Volkes, sondern zugleich eine Bürgschaft dafür, dass jene Bildung, die uns von jeher am Herzen liegt, ihre sittigende und ausgleichende Macht auch autf jene ausübt, von denen wir durch Sprache und Glaubensbe- kenntnis uns getrennt sehen.
Fassen wir zuletzt die Bedeutung unseres Gymnasiums auch von der materiellen Seite ins Auge, so muss, wenn wir den Wert desselben auch nicht nach dem Gewinne bemessen wollen, den Einzelnen aus ihm ziehen, es doch als erfreulich bezeichnet werden, dass durch das Vorhanden-


