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läge ja, wenn wir die Verhältnisse nehmen, wie sie vorliegen, der Haupterfolg auch der Bürger- schule in dieser Richtung, nur mit dem Unterschiede, dass, während diese unseren, übrigens in seiner Existenz mehr durch äussere Verhältnisse gefährdeten, als mit den Mitteln der Schule materiell förderbaren Gewerbestand allein im Auge behielte, das Gymnasium nicht nur die Gesamt- heit unserer städtischen Jugend im Sinne jenes goldenen Letternspruchs, welcher die Stirne unseres Schulgebäudes schmückt, durch Bildung zur Freiheit erziehen will, sondern über die Grenzen dieser Stadt hinaus für den ganzen Bezirk und unser ganzes Volkstum eine unbestreitbare Bedeutung besitzt. Hauptsächlich durch den Bestand des Gymnasiums wird ja Mühlbach zum Range eines Vorortes in unserem 17611 Bekenner ¹) unseres Glaubens zählenden Unterwälder Kirchenbezirke erhoben. Die Beseitigung desselben wäre eine Abdikation an den unserer Stadt geschichtlich gewordenen und bisher willig ausgeübten Beruf, durch sorgsame Pflege seines eine höhere Bildung und Gesittung ausstrahlenden Schulwesens der Zentralpunkt zu sein für die im weiten Umkreise zerstreut liegenden, eines einigenden Bandes bedürſtigen deutsch-evangelischen Gemeinden des Unter- waldes. Diesen Beruf aber vermöchte es durch das Mittel einer Bürgerschule umsoweniger zu erfüllen, als die wenige Meilen entfernt liegenden Gemeinden Broos und Reussmarkt im Besitze wohlorganisierter Hauptvolksschulen sind und somit ein besonderes Interesse an dem Bestande der hiesigen Bürgerschule nicht hätten. Selbst wenn wir zugeben, dass jene an der Peripherie unseres Kirchenbezirkes gelegenen Gemeinden einen unmittelbaren Vorteil von unserem Gymnasium nicht haben, indem nur zeitweilig aus ihrer Mitte ein durch Talent und Neigung zu höherem Studium berufenes Dorfskind unsere Schülerzahl vermehrt, so muss doch schon das allgemeine Bewusstsein, einer Gemeinschaft eingegliedert zu sein, worin jene Bildungsideale, die uns mit der grossen Kulturwelt in innigem Zusammenhange erhalten, eifrige Pflege finden, eine auch auf sie sich erstreckende, die Geister allenthalben aufrichtende und einigende Wirkung hervorrufen. Kommt noch dazu, was wir nach dem Zeugnisse der Geschichte unseres Gymnasiums nicht selten erfüllt sahen, dass an der Spitze der Anstalt ein hervorragender Mann unseres Volkes steht, dem es gegeben ist, die Bedeutung der Anstalt auch dadurch zu heben, dass er, angeregt und unterstützt durch die höheren Bedürfnisse gleichgesinnter Kollegen, in idealer Auffassung seines Berufes das weite Reich der Wissenschaft durchforschend aus ihren Tiefen solche Wissensschätze zu Tage fördert, die sich zu den höheren Bedürfnissen unseres Volkes in lebendige Beziehung setzen lassen, so kann es nicht ausbleiben, dass Lehre und Beispiel eines solchen Mannes nicht nur ganze Schülergenerationen zur Höhe wahrer Menschenbildung emporhebt, sondern es muss hieraus zuletzt ein geistiger Gewinn für jede unserer, zu einem kleinen Ganzen organisch verbundenen Bezirks- gemeinden erwachsen, da ja der Geist die Geister weckt, sie untereinander in Zusammenhang bringt und sie ihrer selbst sich bewusst werden lässt. Und darum muss namentlich unsere Kirche, aus deren Mitteln das Gymnasium fast ausschliesslich erhalten wird, ein besonderes Interesse an dem Fortbestande dieser Schule haben. Wie sie selbst als Volkskirche allen Regungen der Volks- seele, allen Bedürfnissen der Gemeinschaft, die sie umfasst, die ihnen gebührende Beachtung, Förderung und Unterstützung zu teil werden lässt, so muss sie wiederum bei allen ihren Gliedern und Bekennern ein offenes Verständnis voraussetzen für jene Bedingungen, wodurch solches möglich ist und deren eine gewiss in dem Bestande einer Bildungsanstalt gelegen ist, welche, indem an ihr jene Geistesfäden emsig gesponnen werden, wodurch wir mit der grossen protestantischen Glaubens- und Geisteswelt uns innig verbunden fühlen, unsere Kirche selbst wiederum vor Isolierung und Verkümmerung zu bewahren berufen und geeignet ist. Dass auch eine Bürgerschule in diesem
¹) Statistisches Jahrbuch der evangelischen Landeskirche A. B. in Siebenbürgen. Herausgegeben vom Landes- konsistorium. Siebenter Jahrgang. 1891. S. 63.
Mühlbächer Gymnasial-Programm. 3


