Aufsatz 
Gymnasium oder Bürgerschule. Eine lokale Schulfrage
Entstehung
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basierenden, selbständigen Bürgerschule in Osterreich und im Königreiche Sachsen gefunden haben und wir könnten uns jener Bedenken, welche hervorragende Schulmänner gegen eine derartige Verquickung verschiedener Anstalten von jeher erhoben haben, auch nicht ganz entschlagen; aber selbst wenn wir namentlich in dem Umstande, dass die Elementarschule den Bedürfnissen des gymnasialen Unterrichts zu lieb ein besonderes Gewicht auf grammatische Exerzitien legt und legen muss, auch keine erhebliche Gefährdung des Unterrichtserfolges in den an sie an- schliessenden Klassen der eigentlichen Bürgerschule erblickten, da ja die letztere des gramma- tikalischen Wissens schon um der magyarischen Sprache willen nicht ganz entraten kann, die Kenntnis der lateinischen termini aber schon mit Rücksicht auf das bessere Verständnis der ihnen im Leben gewordenen, uübertragenen Bedeutung(Subjekt, Prädikat, Objekt, Attribut, subjektiv, objektiv u. s. w.) auch vom Standpunkte einer Bürgerschule keineswegs als unnötiger Wissensballast angesehen werden kann, so wäre doch zu befürchten, dass diese Kombination von Bürgerschule und Gymnasium schon deshalb sich nicht bewähren würde, weil angesichts unseres verhältnismässig geringen Schülerstandes die eine Anstalt der anderen im Wege stünde. Unsere Prima zeigt auf Grund einer zehnjährigen Durchschnittsberechnung(18801800) einen jährlichen Schülerstand¹) von 38 Knaben, unter denen 31%, das sind 12 Schüler fremdnationale sind. Da nun ein Teil der aus der Elementarschule, beziehungsweise der vierten Bürgerschulklasse hervor- gehenden Schüler die fremdnationalen voraussichtlich alle nach wie vor für den Eintritt ins Gymnasium bestimmt sein wird, ein anderer Teil aber deshalb den Eintritt in die fünſte, beziehungsweise erste Klasse der Bürgerschule scheuen wird, weil manche Eltern die Entscheidung über die Berufswahl ihrer Kinder über das vierte Schuljahr hinausgeschoben wissen wollen und aus. diesem Grunde oder vielleicht auch deshalb, weil sie der Tradition Gehör leihend im Gym- nasium die vollwertigere Anstalt erblicken, ihre Kinder lieber in die Prima des Gymnasiums werden eintreten lassen, so wird ähnlich wie es in mehreren unserer Schwesterstädte der Fall gewesen, die Bürgerschule schon in der ersten, beziehungsweise fünften, hauptsächlich aber in ihren höheren Klassen einen bedeutend geringeren Schülerstand aufweisen als jene des Gymnasiums. Nehmen wir aber den umgekehrten Fall an, dass die überwiegende Mehrzahl unserer Schüler die Bürgerschule frequentiere, so wird der an das Gymnasium sich knüpfende Erfolg in keinem Ver- hältnis stehen zu den materiellen Kosten, welche seine Erhaltung erheischt. Es kann ferner als selbstverständlich bezeichnet werden, dass die angedeuteten UÜbelstände auch dadurch nicht beseitigt würden, wenn, was schon aus finanziellen Gründen sich als unmöglich erweist, neben das bestehende Gymnasium eine selbständige, von diesem vollständig losgetrennte Bürgerschule hingestellt würde.

So erscheint denn in der That die Errichtung einer Bürgerschule in unserer Stadt von der vollständigen Auflösung des bestehenden Gymnasiums abhängig und wir träten somit vor die Alternative, uns entweder damit zufrieden zu geben, dass unsere für den Gewerbestand bestimmten Stadtkinder nach wie vor mit jener Schulbildung ins Leben übergehen, welche sie zumeist aus den beiden untersten Klassen des Gymnasiums sich holen, oder durch Beseitigung des Gymnasiums uns in direkten Widerspruch zu setzen zu einer beinahe fünfzigjährigen Tradition dieser Anstalt und jener während dieser Zeitperiode von ihr erstrebten und durch sie bewirkten, von den materiellen Bedürfnissen des Alltagslebens zunächst freilich unabhängigen Bildung. Eine Reihe ernster Be- denken wäre doch zu überwinden, wollten wir eine Schule beseitigen, welche, wenn sie auch nicht jedem alles zu bieten vermag, doch in eminenter Weise dazu befähigt ist, ihren Zöglingen bei möglichst potenzierter Ausbildung und Schärfung des Intellektes eine auf religiös-sittlicher Grund- lage beruhende, zuletzt für jeden Lebensberuf gleich wichtige Charakterbildung zu bieten. Vielleicht

¹) Die Daten sind den statistischen Ausweisen in den Jahresprogrammen des Gymnasiums entnommen.