Aufsatz 
Gymnasium oder Bürgerschule. Eine lokale Schulfrage
Entstehung
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gesamten Lehrlingsstande partizipieren(ebenfalls nach einer zehnjährigen Durchschnittsberechnung) 3 verschiedene Gewerbe: die Schuhmacher, Kürschner und Tischler jährlich mit 43 Lehrlingen, das sind 53·7% ihrer Gesamtheit, wogegen auf den Kaufmannsstand 9, auf alle übrigen 36 Gewerbe zusammen nur 28 Lehrlinge oder 35% des gesamten Lehrlingsstandes entfallen. Demnach wird das Schuhmacher-, Tischler- und Kürschnergewerbe hierorts am intensivsten betrieben und es bilden die diesen Gewerbezweigen angehörenden Vertreter den Grundstock des hiesigen Gewerbe- standes. Lässt schon das grosse Missverhältnis, welches uns aus den angeführten Daten hinsichtlich der numerischen Vertretung der einzelnen Gewerbearten entgegentritt, auf die ebenso beklagens- werte, wie durch die Ungunst der äusseren Verhältnisse erklärbare, beinahe vollständige Isoliertheit des Geschäftsbetriebes unserer Stadt schliessen, der ohne jedwede Beziehungen zu entfernteren Absatzgebieten höchstens durch gelegentlichen Jahrmarktsbesuch eine leise Anregung zu exten- siver Entwickelung erfährt, so tritt andererseits hauptsächlich aus dem Umstande, dass gerade das Schuhmacher- und Kürschnergewerbe am stärksten vertreten ist, die vollständige Abhängigkeit unserer Gewerbe von der unmittelbaren Umgebung Mühlbachs und dem Populationscharakter derselben klar zu Tage. Denn den eigentlichen Nährboden des Mühlbächer Gewerbes bildet die grosse Masse des in seiner überwiegenden Mehrzahl dem romänischen Volke angehörenden Bauern- standes der nächsten Umgebung unserer Stadt. Die simplen Bedürfnisse des kleinen in ärmlichen Verhältnissen lebenden und kämpfenden, zumeist romänischen Dorfbauers sind fast der einzige Regulator unseres städtischen Gewerbe- und Geschäftsbetriebes und es erscheint nur natürlich, dass, indem unser Gewerbestand den bestehenden Verhältnissen sich akkommodieren muss, auch die technische Entwickelung und Leistungsfähigkeit unserer Gewerbe zu dem relativ niedrigen Bildungsgrad und den durch Armut eingeschränkten Bedürfnissen dieses seines Kundenkreises in geradem Verhältnis steht. Dies gilt übrigens nicht nur von dem Gewerbe der Tschismenmacher und Kürschner, auf deren innige Beziehung zu den Bedürfnissen des Bauernstandes schon der Name ihrer Gewerbe hindeutet, es gilt zumeist auch von den im Orte stark vertretenen Tischlern, indem auch diese hauptsächlich mit den Bedürfnissen des Bauers rechnen müssen. Gerade für unser Tischlergewerbe ist es ja charakteristisch, dass einige seiner Vertreter, nachdem sie durch jahrelanges Verweilen in den Werkstätten und Fabriken Osterreichs und Deutschlands zu höherem Können sich ausgebildet hatten, nach kurzem aber misslungenem Versuche, den Betrieb ihres Geschäftes den Forderungen einer höheren Geschmacksrichtung anzupassen, durch die Verhältnisse gezwungen ihre Zuflucht immer wieder zur Erzeugung einfacher Bauernware nehmen mussten. Im Banne solch primitiver Lebensansprüche und Lebensbedürfnisse stehend, wie sie der Hauptmasse der uns umgebenden Bevölkerung in und ausserhalb Mühlbachs zumeist eigen sind, hat unser städtisches Gewerbe einen um so schwereren Daseinskampf zu bestehen, als die meisten der im Umkreise der Stadt gelegenen Ortschaften mit Dorfshandwerkern überfüllt sind, welche, wenn sie in ihrem Metier es auch nur zu halber Meisterschaft gebracht haben, bei einfachen Lebensansprüchen und geringer Besteuerung um billiges Geld vielerlei Bedürfnisse des Bauers zu befriedigen vermögen und dadurch für den städtischen Gewerbsmann zu einer empfindlichen Kalamität geworden sind.

Solchen Verhältnissen gegenüber glauben wir zunächst zu der Behauptung berechtigt zu sein, dass in Mühlbach der Boden zur Errichtung einer höheren Bürgerschule, wie solche in Preussen besteht oder wie sie unser Staatsgesetz empfiehlt, keinesfalls vorhanden ist. Der durch sie gestellten Forderung eines bis zum 17. Lebensjahre auszudehnenden Schulbesuchs widerspricht nicht nur die Thatsache, dass die überwiegende Mehrzahl unserer fürs Handwerk bestimmten Knaben schon im 13. und 14. Lebensjahre der Schule den Rücken kehrt, sondern wir meinen, dass angesichts des Charakters und der Betriebsart unserer Gewerbe wir bei den meisten unserer Gewerbsleute das