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Aber wenn wir die Beantwortung der in unserer Mitte diskutierten Schulreformfrage von der in den gewerblichen Kreisen unserer Stadt allenthalben erhobenen Klage über perennieren de Geschäftsstockung auch nicht abhängig machen wollten, indem wir annähmen, dass durch die Gunst äusserer Verhältnisse hierin über kurz oder lang der ersehnte Wandel zum Bessern eintreten könne, so erscheint es, wie wir bereits hervorgehoben haben, schon anlässlich der der Bürger- schule zu gebenden Organisation als notwendig, etliche statistische Daten heranzuziehen, um durch sie eine richtige Beurteilung des Charakters und der Ausdehnung des hiesigen Gewerbebetriebes und des hieraus resultierenden durchschnittlichen Bildungsbedürfnisses unseres Gewerbestandes zu ermöglichen..
Nach der letzten Volkszählung hat Mühlbach etwas mehr als 6000 Einwohner; hieran partizipiert die deutsche Bevölkerung mit 2000 Einwohnern, wogegen die anderen Zweidrittel auf den romänischen Teil der Bevölkerung entfallen. Während die letztere, fast ausschliesslich dem Bauernstande angehörend, zumeist dem Ackerbau ergeben ist, liegt bis noch der Gewerbebetrieb zum weitaus überwiegenden Teile in deutschen Händen. Bei 40 verschiedenen, im Orte gegen- wärtig vertretenen Gewerbekategorien weist der gesamte Gewerbestand— die Kaufleute mitin- begriffen— im Ganzen 200 selbständige Vertreter auf.¹) Doch zeigt die Gegenüberstellung der bezüglichen Zahlen in der Vertretung der einzelnen Gewerbe ein sehr ungleiches Verhältnis. Während auf die Schuhmacher(Tschismenmacher und Schuster) im Ganzen 39(28+ 11), auf die Tischler 23, die Kaufleute und Greisler 20(10+ 10), die Kürschner 18, die Fleischhauer 12, die Fass- binder und Wagner je 10 Vertreter entſallen, sinken die übrigen Gewerbe hinsichtlich der Anzahl ihrer Vertreter zu verhältnismässig minimaler Bedeutung herab. So haben die Schlosser, Kupferschmiede und Bäcker je 4, die Schmiede, Zimmerleute, Drechsler, Spengler, Riemer, Lederer und Lederhändler (letztere zusammen) je 3, die Maurer, Seiler, Buchdrucker, Färber, Sattler und Tapezierer(letztere zusammen) und Barbiere je 2 und die Hutmacher, Rauhhändler, Uhrmacher, Glaser, Siebmacher, Töpfer, Bürstenbinder, Zimmermaler, Lebzelter, Dachdecker und Schornsteinfeger nur je 1 Vertreter. Die je 5 Vertreter der Schneider und Weber gestatten umsoweniger einen günstigen Rückschluss auf das Prosperieren dieser Gewerbe, als die Zahl der ersteren nur vorübergehend eine relativ so grosse ist, indem zumeist nur zwei derselben ständig im Orte sind, während die letzteren ihr Gewerbe wohl im eigenen Hausstande aber zumeist doch nicht selbständig betreiben.
Vollends nicht tief wurzeln im Boden des heimischen Gewerbes die Siebmacher, Dach- decker, Töpfer, Zimmermaler und Bürstenbinder, da sie fast insgesamt für Mühlbach nur eine vorüber- gehende Erscheinung sind.
Aus den angeführten Zahlen ergiebt sich sonach die für die Eigenart der gewerblichen Verhältnisse unserer Stadt charakteristische Thatsache, dass an der Gesamtzahl der selbständigen Gewerbe- und Handelsbeflissenen allein 7 verschiedene Kategorien mit 65 7% partizipieren, während auf die übrigen 33 Gewerbezweige zusammen nur 34·˙3% davon entfallen. Noch bedeutungsvoller, weil für den Grad der Intensität des lokalen Gewerbebetriebes kennzeichnend wird unser Zahlen- bild, wenn wir den hiesigen Lehrlingsstand mit in Berücksichtigung ziehen.²) Nach einem zehn- jährigen Durchschnitt(1883 bis 1893) beziffert sich die Anzahl der hiesigen Lehrlinge jährlich auf 80,) die sich im Ganzen auf 31 verschiedene Gewerbe verteilen, so dass also 9 Gewerbe gar keine Lehrlinge aufweisen, aus welchem Umstande wir wiederum nicht ohne Berechtigung schliessen dürfen, dass diese Gewerbe zumeist auch ohne jedweden Gesellenstand betrieben werden. An dem
¹) Die bezüglichen Daten sind den ämtlichen Steuerkonskriptionstabellen entnommen. 2²) Die bezüglichen Daten sind den Jahresberichten der hiesigen Gewerbeschuldirektion entnommen. ³) Davon entfallen 44% auf die von auswärts kommenden Lehrlinge.
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