Aufsatz 
Der kirchengeschichtliche Unterricht im Gymnasium / von E. Kölsch
Entstehung
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Liebe und Geduld, die auch nachzuſehen weiß, und doch wieder mit der erforderlichen Kraft der Be⸗ herrſchnng des jugendlichen Geiſtes ausgerüſtet iſt, um eine Bürgſchaft für das glückliche Gelingen ſeiner Aufgabe zu beſitzen. Er ſoll die Schüler erfüllen mit heiliger Liebe zur Sache des Evangeliums und der Perſon Jeſu, den reiferen Schüler hinführen auf die Höhepunkte des chriſtlichen Denkens und Glaubens, ihn den Triumph des chriſtlichen Glaubens, wie ihn ein Paulus ſo ſchön und groß ausgeſprochen hat in Röm. 8 und 1. Cor. 15, 5457, nachfühlen laſſen, zeigen die Seligkeit und den inneren Frieden wahr⸗ haft chriſtlich frommer Menſchen, aber dazu gehört, daß er ſelbſt etwas gefühlt und geahnt habe von ſolchen Höhen, von ſolchem Glauben und Glücke.

Es iſt nicht ausgeſchloſſen, während des Vortrages zuweilen über ſolche in ihm berührte Gegenſtände, die dem Schüler bereits bekannt ſind, oder überhaupt hier und da Fragen zu ſtellen, um die Aufmerk⸗ ſamkeit der Schüler zu controlieren und ſie zur Mitarbeit zu nötigen. Auch empfiehlt es ſich ſehr, am Schluſſe des Vortrages die bemerkenswerteſten Thatſachen, um die ſich das Uebrige gruppiert, der Ueber⸗ ſichtlichkeit wegen nochmals zuſammenzufaſſen.

Dem Vortrage lege man ein Handbuch zu Grunde, welches das Wichtigſte in kurzer Darſtellung, nicht aber in unzuſammenhängenden Notizen mitteilt. Dasſelbe bleibt während des Vortrags geſchloſſen. Zu Hauſe haben die Schüler den Vortrag unter Benutzung der etwaigen Notizen, die ſie zu machen auf⸗ gefordert worden ſind, derart zu wiederholen, daß ſie imſtande ſind, ſeinen Inhalt in zuſammen⸗ hängender Rede wiederzugeben. Indeſſen laſſe man den ganzen Stoff niemals von einem, ſondern mehreren Schülern wiederholen. Schwierigere Materien wird der Lehrer am beſten abfragen. Da und dort bei der Wiederholung geſtellte Fragen ſollen das Verſtändnis befeſtigen. So wenig die eingehende ſtünd⸗ liche Repetition zu verſäumen iſt, ebenſowenig die zeitweiſe gedrängte Wiederholung größerer Partieen. Es iſt nicht ratſam, erſt nach Erledigung des ganzen Jahrespenſums dieſelbe eintreten zu laſſen. Drei bis vier größere Repetitionen in jedem Jahreskurſus werden ſich als ſehr erſprießlich erweiſen. Auch werde das Penſum des vorausgegangenen Jahres in überſichtlicher Weiſe, und, iſt die erforderliche Zeit vorhanden, der ganze bereits beſprochene kirchengeſchichtliche Stoff in der knuappſten Form nochmals durchgenommen. Weiß der Lehrer durch ſeine ganze Stoffeinteilung und Stoffbehandlung die erforderliche Zeit zu erübrigen, um möglichſt oft auf das bereits Beſprochene zurückzugreifen und durch Fragen den Schülern wieder nahe zu bringen, ſo wird ſein Unterricht von gutem Erfolge begleitet ſein.

Hie und da habe ich den Verſuch gemacht, anſtatt mehrere Schüler zum Vortrage aufzufordern, beſſere Schüler die anderen den Stoff abfragen zu laſſen. Es ſetzt dies allerdings einen gewiſſen Grad von Gewandtheit und Sicherheit voraus, aber zumeiſt iſt es gut gegangen. Selbſtverſtändlich bleibt die Leitung in der Hand des Lehrers.

Jahreszahlen können nicht entbehrt werden. So ſind die wichtigſten aus dem Leben Luthers und der übrigen Reformatoren, wie aus der Reformationsgeſchichte überhaupt, aus den Zeiten der Chriſtenver⸗ folgungen, Geburts⸗ und Todesjahr der hervorragenden Kirchenväter, die Jahreszahlen der wichtigen Concilien der alten Kirche, aus dem Leben bedeutender Männer der mittelalterlichen Kirche, z. B. einzelner Scholaſtiker, Myſtiker und der Vorreformatoren, ebenſo manche aus der neueſten Kirchengeſchichte einzu⸗ prägen.

II.

Wir kommen zum zweiten Teil unſerer Ausführungen, der die Fragen beantworten ſoll, welche Zeit iſt auf den kirchengeſchichtlichen Unterricht zu verwenden, und in welchen Claſſen iſt derſelbe zu er⸗ teilen? Zugleich erledigt ſich damit die Forderung der Rückſichtnahme anf die Befähignng der Schüler. Die Urteile darüber, ſowie über Wert und Bedeutung dieſes Unterrichts gehen weit auseinander. Die ſubjectiven Anſichten ſind hier von der mannigfaltigſten Art. Wohl iſt ja die Verteilung des Stoffes nicht die wichtigſte Seite der Frage und doch wiederum nicht ohne beſondere Bedeutung, denn je nach der Verteilung auf dieſe oder jene Claſſen wird auch ſeine Behandlung verſchieden ſein müſſen, abhängig von . 2