Aufsatz 
Der kirchengeschichtliche Unterricht im Gymnasium / von E. Kölsch
Entstehung
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dem geiſtigen Stande der Schüler und der in größerem oder geringerem Maße zugemeſſenen Zeit. Man will ihn bald auf die Obertertia beſchränkt und in der kürzeſten Weiſe behandelt haben, dann aber in der Oberprima eine zuſammenfaſſende und vertiefende Ueberſicht folgen laſſen. Gewiß eine unſachgemäße Anordnung, wenn man die zwiſchen beiden Claſſen liegende Zeit, wie auch die Verteilung des Stoffes auf zwei nach dem geiſtigen Stande der Schüler ſo ganz verſchiedene Altersſtufen in Betracht zieht. Andere wollen ihn an das Ende des religiöſen Unterrichtes überhaupt verlegt und auf ein Semeſter beſchränkt wiſſen. Wiederum nimmt man für ihn ein volles Jahr, etwa für Oberſecunda oder Prima in Anſpruch, ſo daß dieſe Zeit nur ſeinem Betriebe gemidmet ſein ſoll, oder man verteilt ihn auf die beiden Sekunden und Primen. Da und dort wagt ſich das Urteil hervor, daß der Gewinn des kirchengeſchichtlichen Unter⸗ richtes nicht groß ſein könne.

Mit der zweiten und dieſer letzten Anſchauung iſt im Grunde genommen nicht ernſtlich zu rechnen Von einem eigentlichen kirchengeſchichtlichen Unterrichte wird in der Tertia bei der Menge des ſonſt zu. bewältigenden religiöſen Lehrſtoffes bis zu dieſer Claſſe nicht wohl die Rede ſein können, aber wir wünſchen ebenſowenig, daß kirchengeſchichtliche Betrachtungen und Beſprechungen aus dieſer Claſſe ganz ausgeſchloſſen bleiben. Doch haben ſich dieſe nur gelegentlich an die für die IIIa beſtimmten ſonſtigen Penſen anzu⸗ ſchließen und ſind nicht etwa im Zuſammenhange den Schülern mitzuteilen. An die Lektüre der Apoſtel⸗ geſchichte mögen ſich Angaben über die weitere Verbreitung des Chriſtentums, an ihre Berichte von Steinigungen und Verfolgungen ſolche aus der Geſchichte der Märtyrer, der evangeliſchen Salzburger, über den Guſtav⸗Adolf⸗Verein, an den Katechismus ſolche über die wichtigſten Ereigniſſe aus dem privaten und öffentlichen Leben Luthers, einiges aus dem Leben anderer großen religiöſen Charaktere anſchließen. Es erſcheint ſogar ratſam, derartiges ſchon in der Untertertia, ſowie dafür geeignete Vorgänge und Be⸗ gebenheiten, desgleichen kleinere Notizen in der Quarta mitzuteilen. Jedenfalls bekommt dadurch der Unter⸗ richt mehr Farbe, wird lebendiger und anziehender, und ich habe gefunden, daß die Schüler in dieſen Claſſen für derartige Mitteilungen beſonders dankbar ſind. Zugleich gewinnt man damit eine Art Vor⸗ bereitung auf den eigentlichen kirchengeſchichtlichen Unterricht.

Iſt es aber wohlgethan, dieſen Unterricht auf ein Jahr zu beſchränken, und ihm in dieſem Falle die ganze für den Religionsunterricht vorgeſehene Zeit zu widmen? Es hat ja wohl etwas für ſich, das kirchengeſchichtliche Penſum in ſolcher Weiſe erledigen zu können, und man brauchte eine etwaige Ermüdung, die durch ununterbrochene Behandlung kirchengeſchichtlicher Stoffe hervorgerufen werden könnte, nicht zu ſürchten. Aber die dafür aufgewandte Zeit von etwa achtzig Lehrſtunden iſt ohne Zweifel nicht ausreichend, wenn man nicht ſehr wichtige Partieen bei Seite laſſen und die Gründlichkeit der Behandlung und des Wiſſens gefährden will. Wir wöchten nicht ein Nacheinander in ſtofflicher Beziehung, ſondern durch den ganzen Religionsunterricht der Seknnden und Primen hindurch ein Nebeneinander. Lektüre mit Exegeſe, Be⸗ ſprechung der chriſtlichen Lehren und Kirchengeſchichte müſſen in dieſen Claſſen nebeneinanderſtehen, um ſtets die unmittelbarere, lebendige Beziehung des einen Gegenſtandes auf den anderen feſthalten zu können. Es iſt außer allem Zweifel, daß dadurch der Unterricht anſprechender wird, beſonders wenn der Lehrer die Beziehungen der verſchiedenen Stoffe zu einander die Schüler ſelbſt finden läßt. Eine ſolche Beziehung iſt ja freilich bei der Verlegung des kirchengeſchichtlichen Unterrichts auf ein Jahr nicht ausgeſchloſſen, aber es mangelt ihr an der rechten Lebendigkeit, es bedarf von Seiten des Lehrers öfters der Nachhilfe, Vergeſſenes muß in das Gedächnis zurückgerufen werden, was nicht ohne Zeitverluſt geſchehen kann. Wird dagegen der Stoff auf mehrere Jahreskurſe mit der nötigen Zeit verteilt, ſo iſt dem Schüler Zeit gegeben, ſich allmählich in denſelben hineinzuleben, die erforderlichen Repetitionen können gründlich betrieben werden und, wenn nötig, öfter wiederkehren, die Beſchäftigung mit der heiligen Schrift bleibt nicht liegen, und auch der Vorteil iſt nicht gering anzuſchlagen, daß der kirchengeſchichtliche Unterricht auf den univerſalgeſchichtlichen Rückſicht nehmen kann.

Durch den amtlichen Lehrplan für den evangeliſchen Religionsunterricht in den Gymnaſien des Großherzogtums Heſſen iſt unſer Unterricht auf II und I, alſo auf einen Zeitraum von vier Jahren der⸗ art verteilt, daß analog unſerer oben dargelegten Anſchauung ſämtliche religiöſen Lehrſtoffe nebeneinander