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führlich gegeben werden, ſondern jene Männer auch noch ihrer inneren, beſonders religiös⸗ſittlichen Ent⸗ wicklung, ihrer individuellen Perſönlichkeit, nach den Einflüſſen, unter denen ihre Entwicklung ſich voll⸗ zogen, wie nach denen, die ſie ſelbſt wieder ausgeübt auf ihre Umgebung, ihre ganze Zeit und die weitere Geſtaltung kirchlicher Verhältniſſe betrachten, ſo daß ſie nicht als nur einzelne, in keinem Zuſammenhange mit einander und der Entwicklung ſtehende Erſcheinungen aufgefaßt werden können. Man wird Männern begegnen, deren Einfluß ſich auf eine kürzere Zeit erſtreckt und wiederum ſolchen, die den Anſtoß zu einer Bewegung gegeben haben, die mehr oder weniger durch die ganze kirchengeſchichtliche Entwicklung hindurch zu verſpüren iſt. Im erſteren Falle haben wir gleichſam die Bindeglieder, die zwiſchen den einzelnen maßgebenden Perſönlichkeiten mitten inne liegen. Solche Anregungen, Bewegungen und Entwicklungen bedürfen einer überſichtlichen Charakteriſtik. Verlangten wir eine Betonung des religiös⸗ſittlichen Momentes, ſo geſchah dies, um zeigen zu können, wie das Chriſtentum an dieſen Männern als eine Kraft Gottes ſich erwieſen hat, als eine Kraft, die fähig iſt, das ganze Leben des Menſchen in gottgewollter Weiſe umzuge⸗ ſtalten. Das Chriſtentum iſt als eine ſolche Kraft in das Leben getreten und muß dem Schüler in erſter Linie als eine ſolche zum Bewußtſein kommen. Chriſtus ſelbſt und ſeine Apoſtel haben ihre Predigt mit der Ermahnung zur Buße und zum Glauben begonnen,„damit die Sünden vertilgt werden.“ Marc. 1, 15. Matth. 4, 17; 10, 7.—
Zu dieſen Forderungen geſellen wir auch die, daß man dieſe Männer aus ihren eignen Werken zu den Schülern ſprechen laſſe.“) Man wähle geeignete Stücke aus und bringe ſie zur Verleſung, um zu den Quellen ſelbſt hinzuführen. Auf dieſe Weiſe kann das Intereſſe an dem Unterricht weſentlich erhöht und Anregung zu häuslicher Lektüre gegeben werden. In Betracht kommen Abſchnitte aus den Apologieen und lehrhaften Schriften der alten Zeit, aus den Confeſſionen Auguſtins, einzelnes aus den Schriften der Scholaſtiker, Myſtiker, der Vorreformatoren, beſonders Wielifs und Huß', der Reformatoren, in erſter Linie Luthers(Reformationsprogramm von 1520), Speners und hervorragender Lehrer der neueren Zeit, z. B. Schleiermachers.—
Wichtige geſchichtliche Ereigniſſe und Geſtaltungen pflegen nicht plötzlich hervorzutreten, vielmehr haben ſie ihre näher oder ferner liegenden Urſachen, ihre Vorbereitung und allmähliche Entwicklung, wie das Mönchtum, das Papſttum, die Reformation, die Orthodoxie, der Pietismus und Rationalismus. Derartige Erſcheinungen ſtellen ſich nicht ſowohl als Wirkungen beſtimmter Perſönlichkeiten, die immerhin einen größeren oder geringeren Einfluß auf jene ausgeübt haben können, ſondern als diejenigen allgemeiner Verhältniſſe dar. Hier wird man die Urſachen, die erſten Anſätze jener Erſcheinungen und ihren weiteren Verlauf darlegen und das Verhältnis zwiſchen Urſache und Wirkung erklären. Die Notwendigkeit der Reformation wird nur dann erſichtlich ſein, wenn die Zuſtände auf den einzelnen Gebieten der vorrefor⸗ matoriſchen Kirche klargelegt werden. Den Schülern ſind analage Erſcheinungen auf dem Gebiete der Weltgeſchichte bekannt, mit denen die unſrigen verglichen werden können, wie es ſich denn überhaupt empfiehlt, auf außerkirchliche Verhältniſſe oder Entwicklungen in dem Unterrichte hinzuweiſen.
In ſämtlichen Perioden läßt ſich eine immer weiterſchreitende Entwicklung der einzelnen kirchen⸗ geſchichtlichen Stoffe beobachten, und es liegt nahe, die verſchiedenen Entwicklungsphaſen ein und desſeben Stoffes mit einander zu vergleichen. Die Gelegenheit zu ſolchen Vergleichen iſt hier ungemein reich, man braucht nur an die Verfaſſung, die Lehre, die Ausbreitung, an Leben und Cultus zu denken. Beſonders häufig aber werde die frühere Entwicklung mit unſeren heutigen Verhältniſſen und Zuſtänden verglichen.
Ungemein lohnend ſind die Parallelen zwiſchen großen religiöſen Charakteren, wie zwiſchen Tertullian und Auguſtin, dem letzteren und Gregor dem Großen, Auguſtin und Luther, dieſem und Bernhard von Clairvaux, ſowie Zwingli und Calvin. Dieſelben würden ſich zu erſtrecken haben auf den ganzen Lebens⸗ gang, auf die natürliche Begabung, auf das vorchriſtliche Leben bei den alten Kirchenvätern, die Art und
*) Ein dazu befähigter College würde ſich um den kirchengeſchichtlichen Unterricht ein großes Verdienſt erwerben, wenn er ein Lehrbuch ſchreiben wollte, das neben Darbietung des erforderlichen Wiſſens⸗ ſtoffes überall beſonderen Nachdruck auf das religiös⸗ſittliche Moment legte und an geeigneten Stellen paſſende Abſchnitte aus den Schriften der hervorragenden Mäner der Kirche brächte.


