Aufsatz 
Ueber die Verwertung des geschichtlichen Elements im chemischen Unterricht / von L. Knöpfel
Entstehung
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Metalle die einfacheren ſein. Durch weitere Ausführung dieſes Gedankengangs kommen wir zum Reſultat, daß ſich viele Stoffe in andere umwandeln laſſen, die leichter ſind als ſie ſelbſt. Dieſe leichteren müſſen alſo Beſtandteile der ſchwereren Stoffe ſein. Am bequemſten gelingt die Zerlegung durch den galvaniſchen Strom. Läßt ſich ein Stoff nicht weiter in leichtere umwandeln, d. h. in einfachere Stoffe zerſetzen, ſo nehmen mir ihn als Element an.

Black zerlegte Kalk in gebrannten Kalk und Kohlenſäure, Lavoiſier ſtellte die Zuſammen⸗ ſetzung der Kohlenſäure feſt, und erſt Davy gelang es, mit Hilfe des zu Lavoiſiers Zeiten noch unentwickelten galvaniſchen Stromes den gebrannten Kalk in Calcium und Sauerſtoff zu zerlegen.

3. Die gasförmigen Stoffe dürfen erſt möglichſt ſpät in den Lehrgang eingeführt werden.

Die Schwierigkeit in der Unterſuchung der Verbrennungsurſachen lag faſt ausſchließlich in dem Umſtand, daß man es hier mit gasförmigen Körpern zu thun hatte. Die meiſten Gaſe ver⸗ raten ſich ja nicht einmal durch ihre Farbe und ſind aur durch ihr Gewicht nachweisbar. Und dies iſt noch dabei ſehr gering. Den Atmoſphärendruck erkannte erſt 1643 Toricelli. Die Gaſe bieten der Anſchauung die geringſten Anhaltspunkte, und die Geſchichte lehrt auch, daß ſie der Unterſuchung die größten Schwierigkeiten bereiteten.

Man lernte ſchon früh verſchiedene Gaſe kennen, hielt dieſe jedoch trotz ihrer Verſchiedenheit für Abarten der Luft, die durch Beimengungen unbekannter Stoffe bedingt ſeien. Erſt van Helmont ſchenkte den Gaſen größere Aufmerkſamkeit und nahm nach der Analogie der feſten und flüſſigen Körper als Urſache der Verſchiedenartigkeit der Gaſe auch Verſchiedenartigkeit des Stoffes an. Dieſe Anſicht wurde wenig beachtet und gerieth ganz in Vergeſſenheit, ſodaß Black in der Mitte des vorigen Jahrhunderts die Kenntnis von der Natur der Gaſe von neuem auffriſchen mußte. Jetzt erſt konnte die Chemie einen ungeahnten Aufſchwung nehmen, da vorher alle Vor⸗ gänge, bei denen Gaſe auftraten, falſch beurtheilt werden mußten. Während man ſchon vor Black als Unterſcheidungsmittel der Gaſe die Brennbarkeit, Atembarkeit, das ſpezifiſche Gewicht und die Abſorptionsfähigkeit benutzte, zeigte Black, daß Kohlenſäure, nicht aber gewöhnliche Luft von den ätzenden Alkalien chemiſch aufgenommen werde. Dadurch wies er zuerſt auf das beſtimmteſte die verſchiedene Natur der Kohlenſäure gegenüber der Luft nach, ferner daß ein Gas als chemiſcher Beſtandteil in eine Verbindung eintreten könne. Lavoiſier ſelbſt nennt Black ſeinen Meiſter und Lehrer.

Wie innig die wiſſenſchaftliche Erkenntnis abhängig iſt von den prak⸗ tiſchen Hülfsmitteln der Forſchung, lehrt aufs intereſſanteſte die Geſchichte der Hand⸗ habung der Gaſe. Van Helmont erdachte ſich keine Vorrichtung, um die Gaſe aufzufangen. Erſt Boyle füllte einen Glaskolben vollſtändig mit verdünnter Säure, brachte einige Eiſenſtücke hinzu und tauchte mit geſchloſſener Mündung unter verdünnte Säure. Bald füllte ſich der Kolben mit Luft. Schritt für Schritt mit der Vervollkommnung der Einrichtungen, die Gaſe zu iſolieren, nahm auch die Erkenntnis derſelben zu. Priſtley gab der pneumatiſchen Wanne die Geſtalt, wie wir ſie noch heute haben. Ausſchließlich der anſcheinend kleine Kunſtgriff, Queckſilber ſtatt Waſſer als Sperrflüſſigkeit zu verwenden, ließ ihm die Entdeckung von Ammoniak, Salzſäuregas, ſchwefliger Säure, Stickſtoffdioryd mühelos in den Schoß fallen.