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Da die Gaſe der Anſchauung ſo ſchwer zugänglich ſind, ſo habe ich in meinem Leitfaden der Chemie die Vereinigung der Metalle mit Schwefel andie Spitze geſtellt und an den mit dieſen feſten Körpern hervorgebrachten chemiſchen Vorgängen die ſie begleitenden Umſtände erläutert. Dann wird das ſichtbare Chlor und hierauf erſt die unſichtbare Luft unterſucht.
Arendt macht das Geſetz der multiplen Proportionen an der Verbrennung von Kohlenſtoff zu Kohlenoxyd und Kohlendioxyd klar. Ich verfahre folgendermaßen. Ich gebe einem Schüler in einer Reibſchale Queckſilber und Jod im Gewichtsverhältnis von 200: 127, einem anderen dieſelben Elemente im Verhältnis von 200:2 127. Die zwei Schüler reiben kurze Zeit, und die Klaſſe ſieht zur großen Verwunderung, daß der erſte Schüler ein ſchmutziggrünes, der andere ein rotes Pulver erhält.— Sehr intereſſant läßt ſich dieſer Verſuch diskutieren. Durch Zuſatz von Äther wird die Vereinigung beider Elemente beſchleunigt. Der Ather löſt Jod und vermindert dadurch die Kohäſion der Jodteilchen, eine Beſtätigung für die Annahme, daß bei chemiſchen Vorgängen die kleinſten Teilchen ſich verbinden.— Fügt man dem erſten Schüler zu ſeinem grünen Pulver noch die entſprechende Menge Jod hinzu, dem zweiten Schüler zu dem roten Pulver die entſprechende Menge Queckſilber, ſo wechſeln die Farben der Pulver beim Reiben. Das grüne Queckſilberjodür geht in rotes Queckſilberjodid über. Am raſcheſten erfolgt die Vereinignng der beiden Elemente, wenn man ſie in einem Reagensgläschen erhitzt. Hierbei erhält man immer nur rotes Jodid. Im gasförmigen Jod beſitzen die kleinſten Teilchen die größte Bewegungsfreiheit.
Im Arendtſchen Lehrgang erſcheint bei den Veraſchungserſcheinungen zum Beweis, daß die Metalle nur in der Luft veraſchen, der Waſſerſtoff gleichſam als deus ex machina. Man fragt ſich unwillkürlich, wer iſt dieſer Waſſerſtoff, wie kommt dieſer überraſchende Körper hierher? Iſt es dafür nicht beſſer, ein Stück des im Unterrichtsgang ſchon beſprochenen Natriums unter Steinöl zu zerſchneiden und ſo die glänzende Schnittfläche zu zeigen, die, ſobald man die Stücke aus dem Petroleum an die Luft bringt, anlaufen? Warum einen großartigen Apparat in Thätigkeit ſetzen, wozu einfachſte Mittel hinreichen!
4. Der Unterrichtsgang darf nicht mit den Veraſchungs⸗ und Verbrennungsvor⸗ gängen wie bei Arendt und Wilbrand begonnen werden.
Nach den preußiſchen Lehrplänen ſoll der Schüler an einem einfachen Stoff und durch einfache, leicht durchſichtige Verſuche in das Verſtändnis der induktiven Methode eingeführt werden. Und dies ſoll durch die Unterſuchung der Luft geſchehen, einem Gegenſtande, deſſen Erforſchung den größten Denkern faſt unüberwindliche Schwierigkeiten bereitet hat?


