— 20—
gehaltenen Körper ſolche ſeien. Er gibt jedoch ſelbſt keine Stoffe an, die er für Elemente halte. Die Wiſſenſchaft war eben noch zu unentwickelt.— Während der Herrſchaft der Phlogiſtontheorie galten folgende Körper für Elemente: Waſſer, Schwefelſäure, Phosphorſäure, die Metallkalke, die Erden, die Alkalien, Phlogiſton, Wärmeſtoff u. ſ. w. Erſt Lavoiſier brachte Klarheit in die Ver⸗ hältniſſe, wie wir ſchon früher geſehen haben..
Sehr ſchwierig iſt es, die elementare Natur eines Stoffes feſtzuſtellen. Es liegt im Begriff Element, als einem Stoffe, der ſich, ſoweit die Erfahrung reicht, nicht mehr in einfachere zerlegen läßt, daß die elementare Natur aller Grundſtoffe lange Zeit ſehr zweifelhaft war. Dies lehrt auch die Geſchichte. Ich erinnere nur an die Elemente der Phlogiſtontheorie. Klaſſiſch und bahnbrechend ſind Blacks Unterſuchungen über den Ätzkalk. Man glaubte, daß Kalk beim Brennen Feuerſtoff aufnähme und dadurch ätzend werde. Der Ätzkalk galt alſo für den zuſammengeſetzteren, der gewöhnliche Kalk für den einfacheren Stoff. Black fand jedoch, daß der Kalk beim Brennen leichter werde. Dies könne nur durch Entweichen eines unſichtbaren Gaſes her⸗ rühren. Durch ſinnreiche Unterſuchungen wies er nach, daß der Kalk beim Brennen genau ſoviel an Gewicht abnimmt, als die entſtandene Kohlenſäure wiegt; daß der gebrannte Kalk ſeine ätzende Eigenſchaften verliert, wenn er wieder die Kohlenſäure aufnimmt. Der AÄtzkalk ſei deshalb der ein⸗ fachere Stoff. Durch genaue Berückſichtigung der quantitativen Verhältniſſe konnte Black die Lehre von der Zuſammenſetzung des Kalks umkehren, genau ſo wie es ſpäter durch Lavoiſier mit den Metallen und deren Aſchen geſchah.— Lavoiſier hielt alle Säuren, alſo auch die Salzſäure für ſauerſtoffhaltig. Das durch Oxydation der Salzſäure entſtandene Chlor faßte er als oxydierte Salz⸗ ſäure auf. Davy und andere konnten jedoch trotz der ſtärkſten Reduktionsmittel keinen Sauerſtoff im Chlor entdecken, ſodaß ſie ſich der Anſicht zuneigten, Chlor ſei ein Element und Salzſäure deſſen Waſſerſtoffverbindung. Erſt jahrelange Unterſuchungen lehrten, daß ſich Chlor nicht zerlegen laſſe, alſo ein Element ſei. Dasſelbe Schickſal hatten die meiſten Elemente durchzumachen.
Die Geſchichte lehrt alſo: Die elementare Natur der Körper kann man nicht durch paar Verſuche beweiſen; am allerwenigſten kann der Begriff Element durch die Veraſchungs⸗ und Verbrennungserſcheinungen wie bei Arendt und Wilbrand von den Schülern gefunden werden. Die Umwandlungen der Stoffe leiteten zum Begriff Element, und die Berückſichtigung der bei dieſen Stoffumwandlungen ſtattfindenden quantitativen Verhältniſſe führte zur Entdeckung der einzelnen Elemente ſelbſt.
Wie muß alſo der Begriff Element im Unterricht eingeführt werden? Der Meſſinggießer erhält durch Zuſammenſchmelzen von 2 kg Kupfer und 1 kg Zink 3 kg Meſſing. Dieſes iſt der zuſammengeſetzte Körper, während die Beſtandteile Kupfer und Zink die einfacheren Stoffe ſind. Sehr ſchwierig iſt es, ſolche zuſammengeſetzten Stoffe in ihre Beſtandteile zu zerlegen. Letztere müſſen einzeln natürlich immer leichter ſein als der zerlegte Körper ſelbſt, aber zuſammen gleiches Gewicht wie dieſer haben. Weitere einfache Beiſpiele jfür zuſammengeſetzte Körper! Schon frühzeitig lernten durch Zufall die Menſchen aus den ihnen in die Augen fallenden metallähnlichen Erzen die Metalle herauszuſchmelzen. Jedes Erz liefert jedoch weniger Metall, als das Gewicht des Erzes beträgt. Die Erze müſſen alſo die zuſammengeſetzteren Körper, die


