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Dieſer entſpricht jedoch nicht einem geiſtbildenden Unterricht der Jugend. Die Darbietung ſoll auf pſychologiſcher Grundlage ruhen. Hier nun ſoll eingeſetzt werden, indem verſucht wird, die Entwicklung des Lehrſtoffs möglichſt aus der geſchichtlichen Entwicklung der chemiſchen Lehren herauszuſchälen.
V. Verwertung der geſchichtlichen Entwicklung an einzelnen allgemeinen Beiſpielen ausgeführt.
1. Welche Stelle ſoll der Verſuch im Unterrichtsgang einnehmen?
Jahrtauſende lang hat die Menſchheit die Verbrennungserſcheinungen beobachtet. Schon lange vor Lavoiſier waren die Umſtände bekannt, die zur Erklärung der Verbrennung hätten führen können. Bei den phyſikaliſchen Erſcheinungen läßt ſich nicht allzu ſchwierig der ganze Verlauf mit der Beobachtung verfolgen, während bei den chemiſchen Vorgängen in der Regel nur Anfang und Ende unmittelbar nebeneinander, ohne den zwiſchen ihnen liegenden Verlauf erkennbar ſind. Die phyſikaliſchen Erſcheinungen ſind deshalb viel früher erkannt worden. Die Chemie dagegen war Jahrtauſende lang, trotz vieler auf ihre Förderung verwendeten Mühe, nichts als ein Haufwerk von Rezepten und unklaren Zauberformeln und verharrte ſogar neben einer hochentwickelten Phyſik noch Jahrhunderte in einem Zuſtand, der ſie kaum des Namens einer Wiſſenſchaft würdig machte. Beobachtung und Verſuche ſind das Fundament der Erfahrung; dieſe führt jedoch nicht unmittelbar zur Erkenntnis. Man darf das Verbrennen eines Streichholzes tauſendmal beobachten, auch noch ſo genau, nie wird man den inneren Vorgang erkennen. Die Verſuche alſo, die unſere Erkenntnis bereichern ſollen, dürfen nicht im Vordergrund des Unter⸗ richtsganges ſtehen, ſondern müſſen den Endpunkt einer Gedankenreihe bilden, wie es die induktive Forſchungsmethode fordert. Dazu kommt die Erfahrung, die wohl jeder Lehrer der Chemie in ſeiner Praxis gemacht hat, daß gerade durch die glänzenden Verſuche das Intereſſe der Schüler nachher erlahmt, wenn die daran anknüpfende Betrachtung die geiſtige Mitarbeit verlangt. Ein unvermittelter Verſuch als brutale Thatſache trägt zur Erkenntnis gar nichts bei.
2. Einführung des Begriffs Element.
Schon früh regte die Mannigfaltigkeit der Stoffe, noch mehr jedoch ihre Um⸗ wandlung die philoſophiſch angelegten Geiſter zum Nachdenken an und forderte eine Erklärung. Wenn ſich die Erze in Metalle und dieſe in Aſchen umwandeln laſſen, ſo liegt die Annahme nahe, daß es in Wirklichkeit nicht ſoviel Stoffarten gibt, als es den Augenſchein hat, ſondern daß dieſen ſtofflichen Umwandlungen eine beſchränkte Anzahl von Stoffen, Elemente genannt, zu Grunde liege.
Der Begriff Element war jedoch ſehr verſchwommen. So nahm ein Philoſoph Waſſer, der andere Luft, der dritte Feuer als Urſtoff aller Dinge an. Die Ariſtoteliſchen Elemente, Feuer, Waſſer, Luft und Erde, decken ſich nicht mit unſerem heutigen Begriff Element, ſind jedoch ſpäter, beſonders im Mittelalter, als ſolche angeſehen worden.


