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Darbietung an den jugendlichen Verſtand gemacht werden können? Läuft nicht das ganze Leben eines einzelnen Menſchen mit dem Entwicklungsgang der Menſchheit gewiſſermaßen parallel? Man ſpricht doch von der Kindheit und der kindlichen Anſchauungsweiſe eines Volkes, andererſeits von einem hochentwickelten Volke. Man will hiermit andeuten, daß auch ein Volk ſich entwickelt, daß die Lebens⸗ und Staatsverhältniſſe, die ganze Denkweiſe eines Volkes anfangs einfach und kindlich ſind, mit der Zeit aber verwickelter werden. Liegt hierin nicht der Wert des weltgeſchichtlichen Unterrichts, indem er uns beſonders die einfachen patriarchaliſchen Verhältniſſe der alten Völker vorführt, Verhältniſſe, wie ſie jetzt bei uns nicht mehr zu finden ſind. Wir werden in der natürlichen, geſchichtlichen Entwicklung einer Wiſſenſchaft ein Bild finden, wie die Erkenntnis des einzelnen Menſchen heranreift.
Die Geſchichte der Naturwiſſenſchaften lehrt uns, welche Dinge und Erſcheinungen dem Menſchen zuerſt in die Augen fielen, welche Pfade und Irrwege die Menſchheit einſchlug, um die Erſcheinungen zu erkennen und zu erklären, welche Vorgänge dem Erkenntnisvermögen die geringſten Schwierigkeiten verurſachten, und worin die Schwierigkeiten der Erklärung anderer Erſcheinungen beruhen. Sollten wir dieſer geſchichtlichen Entwicklung keine guten Lehren für den Unterrichtsgang entnehmen können? Zwar kann die geſchichtliche Entwicklung kein photographiſches Bild der methodiſchen Behandlung ſein. Es wird eben Geſchick und Takt erfordern, das Geeignete herauszuſchälen und die geſchichtlich entwickelnde Darſtellung mit der pſychologiſchen paſſend zu verſchmelzen. Ziller behauptet,„daß die pſychologiſche, der menſchlichen Natur entſprechende Entwicklung auf eine eigentümliche zum Teil ſelbſt für den Unterricht vorbildliche Weiſe auch in der Geſchichte der Wiſſenſchaften ausgeprägt iſt.“ Und Dieſterweg drückt ſich ähnlich aus:„Der unterrichtliche Weg der Schule fällt zuſammen mit dem Entwicklungsgang des Menſchen⸗ geſchlechts. In dieſer inneren Übereinſtimmung beider liegt das Geheimnis des erziehenden Wertes und der idealen Macht des naturwiſſenſchaftlichen Unterrichts.“ Mit dieſen Ausführungen berührt ſich auch innig Fricks Forderung in ſeinem bekannten„Didaktiſchen Katechismus“:„Wie kann ich durch planmäßige Auswahl und ſtufenartig aufſteigende Verbindung der Unterrichtsobjekte das Wertvolle in der Forderung mir aneignen und für den Unterricht praktiſch machen, daß die Schüler allmählich durch die Stufen der kulturgeſchichtlichen Entwicklung des Menſchengeſchlechts hindurch geführt werden und dieſelben in gewiſſer Weiſe an ſich mitdurchleben?“
Faſſen wir den Gedankengang kurz zuſammen: Der darzubietende Unterrichtsſtoff muß nicht bloß logiſch, ſondern mit Rückſicht auf das ihn aufnehmende Subjekt auchpſychologiſch entwickelt werden. Dieſe dem menſchlichen Geiſt entſprechende natürliche Entwicklung findet ſich in der geſchichtlichen Ent⸗ wicklung eines Gegenſtandes zum Teil vorbildlich ausgeprägt. Die Methodik der Naturwiſſenſchaften hat aus der geſchichtlichen Entwicklung Nahrung und Förderung zu entnehmen. Die Darſtellung des Lehrſtoffs hat nach Möglichkeit mit den einfachen, naturgemäßen Beobachtungen und Überlegungen anzuheben, die die Menſchheit, insbeſondere die großen Forſcher ſelbſt zur Erkenntnis geführt haben.
Es iſt äußerſt intereſſant, die geſchichtliche Entwicklung der Methodik zu verfolgen. Nach dem Sturz der dogmatiſchen Behandlung des Lehrſtoffs, trat an deren Stelle der logiſche Aufbau.


