Aufsatz 
Ueber die Verwertung des geschichtlichen Elements im chemischen Unterricht / von L. Knöpfel
Entstehung
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in Frankreich. 1792 ſchlug der ausgezeichnete Chemiker Klaproth der berliner Akademie der Wiſſen⸗ ſchaften vor, die Lavoiſierſchen Verſuche über die Verkalkung und Verbrennung einer genauen Reviſion zu unterwerfen. Das Reſultat beſtätigte Lavoiſiers Angaben und die von dieſem gezogenen Schluß⸗ folgerungen. Darauf wurde Klaproth und mit ihm die anderen naturviſſenſchaftliſchen Mitglieder der Akademie Anhänger der neuen Lehre. Sie gaben ein Beiſpiel, dem bald die Mehrzahl der Chemiker in Deutſchland folgte..

Tragiſch iſt das Schickſal Lavoiſiers ſelbſt: Er wurde infolge eines elenden Verdachts, ſein öffentliches Amt mißbraucht zu haben, eigentlich aber der Einziehung ſeines nicht unbeträchtlichen Vermögens wegen, von den wütenden Republikanern in den Kerker geworfen. Er benutzte die Einſamkeit des Gefängniſſes zur weiteren Ausbildung der von ihm in neue Bahnen geleiteten Wiſſen⸗ ſchaft, und um ſeine Schriften zum bevorſtehenden Drucke vorzubereiten. Vor das Revolutionstribunal geführt, bat er nur um die Friſt von einigen Tagen, um noch einige Unterſuchungen zu beenden, deren Reſultate, wie er dem Gerichte ſagte, für das Wohl der geſamten Menſchheit von Wichiißkeit wärcn. Aber der ſtumpfſinnige, brutale Ignorant, den das Schickſal zu jener Zeit auf den Richterſtuhl gehoben hatte, entgegnete ihm:Nous n'avons plus besoin des savants. Lavoiſier wurde ſo am 8. Mai 1794 im 52. Lebensjahre enthauptet.

III. Einige Bemerkungen zu der geſchichtlichen Entwicklung der Verbrennungslehre.

1. Bedeutung des Feuers. Das Feuer iſt die wichtigſte Kraft, die der Menſch von der Natur im Kampf ums Daſein erhalten hat. Es iſt bemerkenswert, daß ſich, dieſer Wichtigkeit ent⸗ ſprechend, der Verbrennungsprozeß wie ein roter Faden durch die ganze Entwicklungsgeſchichte der Chemie bis auf Lavoiſier hindurchzieht. Faſt alle bedeutenden Chemiker beſchäftigten ſich mit der Unterſuchung dieſes Vorgangs.

Wie lernte der Menſch das Feuer kennen? Welche Brennſtoffe benutzte der Menſch der Vorzeit? Zu welchem Zweck diente das Feuer? Geſchichte der Entzündungsmittel! Bedeutung des Feuers für unſere heutige Kultur! Schickſal der Steinkohle!

2. Die Methode der naturwiſſenſchaftlichen Forſchung. Die Alten glaubten auch in den Naturwiſſenſchaften, ähnlich wie in der Philoſophie, Mathematik und Aſtronomie, durch bloße Überlegung mit Vernachläſſigung der Erfahrung zu viſſenſchaftlichen Reſultaten zu kommen. Die Griechen überließen diejenigen Gebiete, wie das Handwerk und Gewerbe, wo chemiſche Kennt⸗ niſſe erworben werden konnten, den ungebildeten Klaſſen und bewegten ſich ſelbſt faſt nur in Ab⸗ ſtraktionen, ohne ihre Ergebniſſe durch Verſuche begründen zu wollen. Die Alten machten nur zufällige Erfahrungen. Der bloße Augenſchein genügte ihnen, um darauf hin eine Erklärung der Verbrennungserſcheinungen zu geben. Die Methode der Alten, die Spekulation, herrſchte auch im ganzen Mittelalter. Erſt im 16. Jahrhundert wurde mit Nachdruck auf die Erfahrung als Grundlage der Naturwiſſenſchaften hingewieſen. Man muß die Natur beobachten und Verſuche anſtellen. Zugleich wurde die induktive Forſchungsmethode ausgebildet.