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bei der Reduktion von Bleiglätte entſteht, alſo Kohlenſäure. Er ſtand demnach im Jahr 1772 unge⸗ fähr auf demſelben Standpunkt wie Rey 1630.
1774 wiederholt Lavoiſier den früher angegebenen Boyleſchen Verſuch. Er brachte in einen Glaskolben eine genau abgewogene Menge Zinn, ſchmolz denſelben zu und wog dann den ganzen Glaskolben genau ab. Nach längerem Erhitzen wurde wieder gewogen und das urſprüngliche Gewicht gefunden, ein Beweis daß kein Feuerſtoff aufgenommen worden ſei. Offnete er nun den Kolben, ſo ſtrömte Luft ein, und die jetzt eingetretene Gewichtszunahme ſtimmte mit der Gewichts⸗ zunahme der Zinnaſche überein. Das Zinn konnte alſo beim Verkalken nur durch Aufnahme von Luft ſchwerer geworden ſein.— Boyle, von dem dieſer Verſuch herrührt, hatte überſehen, den Glaskolben vor dem Offnen zu wiegen; daher ſeine ſo überaus falſche Folgerung. Es bleibt dahingeſtellt, ob nicht durch dieſes Verſehen die Chemie in ihrer Entwicklung 100 Jahre aufgehalten wurde.
Während Lavoiſier die Verbrennung eifrig ſtudierte, da entdeckte 1774 Priſtley den Sauerſtoff aus Queckſilberaſche und teilt ſeine Entdeckung Lavoiſier mit. Dieſer erwähnt das allerdings nicht und gibt ſich den Anſchein, als ob er den Sauerſtoff ſelbſtändig entdeckt habe. Priſtley erkennt, daß im Sauerſtoff die Verbrennung lebhafter als in jedem anderen Gaſe vor ſich geht; er nimmt auch an, daß die atmoſphäriſche Luft die Eigenſchaft, die Verbrennung zu unterhalten, dem von ihm entdeckten Gaſe verdanke. Aber was ſchließt er daraus, wie erklärt er dieſe Erſcheinungen? Beim Verbrennen müſſe das Phlogiſton entweichen. Zu dieſem Zweck müſſe es aber einen Körper vorfinden, der es aufnähme. Da nun die Körper im Sauerſtoff ſehr lebhaft verbrennen, ſo könne dieſer viel Phlogiſton aufnehmen, er ſei phlogiſtonfreie Luft. Die gewöhnliche Luft ſei dagegen ſchon zum Teil mit Phlogiſton erfüllt, während die beim Verbrennen übriggebliebene Luft mit Phlogiſton geſättigt ſei.
Scheele iſt das Ideal aller rein experimentellen Chemiker, der Entdecker unzähliger Körper, ein Mann, der mit den geringſten Mitteln die ſchwierigſten Unterſuchungen ausführte, der die Gabe des Beobachtens in hohem Maße beſaß, ſodaß man ihm bei ſeiner großen Anzahl von Arbeiten kaum einen Fehler nachweiſen kann. Er beſchäftigte ſich eingehend mit der Unterſuchung der Luft und entdeckte gleichzeitig mit Priſtley 1774 ſelbſtändig den Sauerſtoff. Scheele war natürlich mit den thatſächlichen Verhältniſſen der Verbrennungserſcheinungen bekannt, ſuchte jedoch die Reſultate mit der Phlogiſtontheorie in Einklang zu bringen. Zur Erklärung der Verbrennung hat dieſer große Entdecker gar nichts beigetragen.
Jetzt erſt nach der Entdeckung des Sauerſtoffes war Lavoiſier der Schlüſſel zu ſeinen Unterſuchungen gegeben. Er ſtellte ſolche in den folgenden Jahren noch zahlreich an. Beſonders überzeugend war folgender Verſuch: Er nahm eine Glasglocke, ſtülpte ſie auf Queckſilber und ließ in den abgeſperrten Luftraum den gebogenen Hals einer Retorte gehen, nachdem er in dieſe 4 Unzen reines Queckſilber gebracht hatte. Die geſamte Luftmenge, welche der Apparat enthielt, betrug bei 10⁰ und 28 Zoll Barometerſtand 50 Kubikzoll. Lavoiſier erhitzte dann das Queckſilber in der Retorte 12 Tage lang bei einer ſeinem Siedepunkt nahen Temperatur. In den erſten paar Stunden fand keine merkbare Veränderung ſtatt, aber dann zeigten ſich rote Flecken und Schuppen auf dem Queckſilber, deren Menge allmählich zunahm. Nachdem keine weitere Zunahme bemerklich war, wurde das Feuer entfernt und der Apparat erkalten laſſen.


