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muß geſtehen, auf recht geſchickte Weiſe, ſoweit nur die qualitativen, nicht aber die quantitativen Verhältniſſe in Betracht kamen. Wie hätte denn auch ſonſt dieſe Theorie ſo allgemein Anklang finden können! Die Luft iſt zum Verbrennen nötig, um das entweichende Phlogiſton aufzunehmen. Da die nach der Verbrennung zurückgebliebene Luft mit Phlogiſton geſättigt iſt, ſo kann ſie auch kein Phlogiſton mehr aufnehmen, iſt alſo zum Verbrennen untauglich geworden.— Auch die Reduktionserſcheinungen ließen ſich bequem in den Rahmen der Theorie faſſen. Wenn ein Metall in Aſche übergeht, ſo verliert es Phlogiſton. Um alſo aus der Aſche das Metall wiederzugewinnen, muß es Phlogiſton aufnehmen, was beim Erhitzen der Aſche und vieler Erze mit der phlogiſtonreichen Kohle geſchieht.— Recht unbequem kam jedoch den Phlogiſtikern die Gewichtszunahme. Viele ſprachen ſich überhaupt nicht darüber aus oder verwieſen dieſe Erſcheinung ins Gebiet der Phyſiker; andere führten ſie, wie ſchon Boyle gethan, auf Aufnahme von Feuerſtoff zurück, trotzdem Boerhave 1732 durch Verſuche nachgewieſen hatte, daß Silber beim Glühen nicht ſchwerer wird. Manche Anhänger der Phlogiſtontheorie nahmen ihre Zufklucht zu der Anſicht, das Phlogiſton ſei ein negativ ſchwerer Körper, ähnlich wie Kork unter Waſſer, ſodaß der Phlogiſton abgebende Körper ſchwerer werden müſſe.
Die Phlogiſtontheorie iſt, trotzdem ſie falſch war, eine bedeutende Errungenſchaft geweſen. Durch ſie wurden viele Erſcheinungen einheitlich erklärt. Dieſe Einfachheit der Erklärung blendete den Begründer der Theorie, Stahl ſelbſt, ſowie die ihm folgende Generation derart, daß ſie alle die ſchroffen Widerſprüche von Thatſachen mit dieſer Theorie nicht bemerkten. Außerdem war man von der Ariſtoteliſchen Verbrennungslehre ſo feſt überzeugt, daß man nicht vorurteilsfrei die That⸗ ſachen betrachtete. Dieſe mußten ſich, wenn auch mit Gewalt, der einmal für wahr angenommenen Theorie fügen. So erklärt es ſich denn auch, daß man merkwürdiger Weiſe gar nicht auf den Gedanken kam, das wunderbare Phlogiſton ſelbſt darzuſtellen. Man ſteckte eben noch in den An⸗ ſchauungen der Alten, wonach ungreifbare Prinzipien, nicht aber wirkliche, darſtellbare Stoffe die Erſcheinungen veranlaſſen ſollten.
Die Phlogiſtontheorie mußte mancherlei Widerſprüche unaufgeklärt laſſen. Vor allem war das Phlogiſton ſelbſt ein ganz rätſelhaftes, unfaßbares Ding. Die Frage nach der Gewichts⸗ zunahme blieb offen; man konnte ferner nicht erklären, warum die Luft beim Verbrennen in einem abgeſperrten Raum abnimmt. Den härteſten Stoß erlitt die Theorie, als man fand, daß Queckſilber⸗ aſche ohne Zufuhr von Phlogiſton, durch bloßes Erwärmen zu Metall reduziert werden konnte.
Über 100 Jahre beherrſchte die Phlogiſtontheorie alle Geiſter. Niemand zweifelte an ihrer Richtigkeit. Da erſtand ihr in Lavoiſierein Gegner, dem es vorbehalten blieb, die ſo gefeierte Theorie, allerdings nach langem Kampfe, über den Haufen zu werfen.
1772 überreichte Lavoiſier der Akademie der Wiſſenſchaften zu Paris eine geſchloſſene Note, deren Reſultat erſt im folgenden Jahre bekannt wurde. Er teilte mit, daß nicht bloß die Metalle beim Verkalken, ſondern auch Schwefel und Phosphor beim Verbrennen an Gewicht zu⸗ nähmen. Die Urſache ſcheine ihm für beide Erſcheinungen auf Abſorption von Luft zu beruhen. In der That habe ſich bei der Reduktion von Bleiglätte mittelſt Kohle viel Luft entwickelt.— Über die Vorgänge ſelbſtwar Lavoiſier noch ganz im unklaren. Er ſpricht nicht genau aus, welche Rolle die Luft ſpielt, und für abſorbierte Luft ſcheint er diejenige zu halten, die


