Aufsatz 
Ueber die Verwertung des geschichtlichen Elements im chemischen Unterricht / von L. Knöpfel
Entstehung
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Mayow, der ſich auf die Lehre von Hooke ſtützte, macht darauf aufmerkſam, daß ein Körper nicht bloß in der Luft, ſondern auch mit Hilfe von Salpeter verbrennen könne. Dieſer müſſe alſo denſelben Beſtandteil enthalten wie die Luft. Er nennt ihn spiritus nitro-aereus. Die Verbrennung beruhe auf der Aufnahme dieſes Stoffes. Das Erlöſchen eines Lichtes im geſchloſſenen Raum träte nicht deshalb ein, weil, nach der Anſicht von Hooke, die vorhandene Luft mit Dämpfen aus dem verbrennenden Körper geſättigt werde, ſondern weil der die Verbrennung bedingende Beſtand⸗ teil der Luft, der spiritus nitro-aereus, allmählich verbraucht werde. Verkalken ſei ein dem Verbrennen ganz ähnlicher Vorgang, daher die Gewichtszunahme. Mayow unterſtützte ſeine Lehre nicht hinlänglich durch Verſuche, ſodaß ſeine vernünftigen Anſichten leider ohne Einfluß auf die Entwicklung der Verbrennungslehre blieben.

Boyle, Ende des 17. Jahrhunderts, der Entdecker des bekannten Boylleſchen Geſetzes, ein vorzüglicher Experimentator und der eigentliche Begründer der wiſſenſchaftlichen Chemie, beſchäftigte ſich eingehend mit der Unterſuchung der Luft. Beſonders bemerkenswert iſt ſein Verſuch, bei dem er Zinn längere Zeit in einem zugeſchmolzenen Glaskolben erhitzte. Als er dieſen darauf öffnete, ſtrömte Luft ein, für ihn ein Beweis, daß der Kolben luftdicht verſchloſſen war. Er wog den Kolben vor dem Erhitzen und nach dem Offnen und fand eine Gewichtszunahme. Dieſe erklärte er durch Aufnahme von Feuerſtoff, der alſo imſtande ſei, durch Glas hindurchzudringen. Die Luftverminderung beim Verbrennen ſah Boyle für unweſentlich an. Der eben angeführte Verſuch ſollte 100 Jahre ſpäter zur richtigen Erklärung der Verbrennung führen.

Boyle, ja teilweiſe ſchon van Helmont, kannte alle Unſtände, die für die Erklärung der Verbrennung nötig ſind. Er wußte, daß beim Verbrennen ein Teil der Luft verbraucht wird, daß in der zurückgebliebenen Luft ein Körper nicht brennen kann, er be⸗ obachtetete, daß ein brennbarer Körper im luftleeren Raum nicht entzündet werden kann; er kannte ferner die Gewichtszunahme beim Verkalken. Trotzdem machte dieſer geiſtreiche Forſcher keinen Verſuch, die Erſcheinungen zu erklären. Nachdem jedoch ſo allmählich die die Verbrennung und Verkalkung begleitenden Umſtände thatſächlich klargeſtellt waren, drängten die Verhältniſſe zu einer Erklärung.

Unbeſtritten blieb die uralte Anſicht, die Verbrennung ſei eine Zer⸗ ſtörung, alſo eine Zerlegung. Der brennbare Körper hat eben die Fähigkeit, unter Feuerabgabe zu Aſche zu verbrennen. Er muß aber in ſich die Urſache der Verbrennlichkeit beſitzen. Da die Aſche nun unbrennbar iſt, ſo muß ſie auch den die Verbrennung verurſachenden Stoff verloren haben.

Becher, 1669, griff dieſe alte Ariſtoteliſche Lehre wieder auf, und Stahl vervoll⸗ ſtändigte ſie gegen Ende des 17. Jahrhunderts zu der ſogenannten Phlogiſtontheorie. Nach dieſer beſtehen alle brennbaren Körper aus einem unbrennbaren Stoff, der Aſche oder dem Kalke, und aus dem die Verbrennung bedingenden Beſtandteile, den Stahl Phlogiſton nannte. Verbrennt oder veraſcht ein Körper, ſo entweicht das Verbrennungsprinzip, das Phlogiſton, während die Aſche zurück⸗ bleibt. Der brennbare Körper iſt der zuſammengeſetztere, die Aſche der einfachere Stoff. Ruß iſt ziemlich reines Phlogiſton.

Wie brachte man mit dieſer Theorie die thatſächlichen Umſtände der Verbrennung und Ver⸗ kalkung, beſonders die Notwendigkeit der Luft und die Gewichtszunahme ins Einvernehmen? Man