—- 7—
legung, indem der die Verbrennung bedingende Beſtandteil unter Feuerentwicklung entweicht, während der unverbrennliche Beſtandteil, die Aſche zurückbleibt. Alle brennbaren Körper ſtimmen alſo darin überein, daß ſie einen gemeinſamen Stoff, ein Verbrennungsprinzip enthalten. Als Typus eines brennbaren Körpers galt der Schwefel, ſodaß man vielfach annahm, daß beim Verbrennen ſchweflige Beſtandteile entweichen. Vielleicht kam man auch auf dieſe Idee durch die Erfahrung, daß viele den Metallen ähnliche Erze beim Erhitzen unter Schwefelgeruch ſich in Aſche verwandeln.
Auch viele Metalle, z. B. Eiſen beim Schmieden, ſind brennbar, andere wie Kupfer ver⸗ wandeln ſich beim Erhitzen ohne Flamme in unanſehnliche Pulver, denen man wegen der Ahnlichkeit mit der Holzaſche den Namen Aſche und wegen der Ähnlichkeit mit gebranntem Kalk den Namen Kalke beilegte.
Auch bei gewöhnlicher Temperatur erleiden viele Metalle eine ähnliche Veränderung wie beim Erhitzen. Wir brauchen nur an das Roſten von Eiſen und an das Mattwerden vieler Metalle zu denken.
Da der Verbrennungsprozeß der Unterſuchung viel größere Schwierigkeiten entgegenſetzt als die Veraſchung, ſo war es ein ungeheuerer Fortſchritt, daß man ſchon im Altertum die Ahnlichkeit beider Vorgänge erkannte. Denn was man für die Veraſchung fand, konnte auf die Verbrennung übertragen werden.
Die Anſicht der Alten über die Verbrennung blieb während des ganzen Mittelalters, ja bis ins 17. Jahrhundert beſtehen, dank dem blinden Autoritätsglauben an Ariſtoteles.
Zwei Umſtände waren es, die zu Grundpfeilern für die Erklärung der Verbrennung werden ſollten. Es ſind dies die Thatſachen, daß die Körper beim Verkalken und Verbrennen ſchwerer werden, ferner daß die Luft bei dieſen Vorgängen eine weſentliche Rolle ſpielt.
Die Notwendigkeit der Luft bei der Verbrennung iſt eine ſo auffallende Erſcheinung, daß ſie ſchon in den früheſten Zeiten nicht unbemerkt geblieben ſein konnte. Man gab ſich jedoch keine Rechenſchaft darüber.
Ob man die Gewichtszunahme der Körper beim Verkalken im Mittelalter ſchon erkannte, iſt unbeſtimmt. Im 17. Jahrhundert iſt dieſe Thatſache bekannt. So ſchreibt ein Apotheker Brun an Rey, er habe nach längerem Erhitzen von Zinn eine Gewichtszunahme gefunden; dieſe Erſcheinung ſei den ihm bekannten Gelehrten unerklärlich. Er bitte um Erklärung. Rey nimmt nun ddieſe Er⸗ ſcheinung zum Ausgangspunkt einer vorzüglichen Unterſuchung über das Gewicht der Gaſe und des Feuers. Er leitet(im Jahre 1630) die Gewichtszunahme vom Zutritt der Luft an den Metallkalk ab, nicht an das Metall ſelbſt, ſondern„ähnlich wie Sand ſchwerer wird, wenn Waſſer daran hängt.“
Über die Rolle, die die Luft beim Verbrennen ſpielt, konnte man erſt Klarheit erlangen, als man die Körper ſtatt in freier Luft in einem abgeſchloſſenen Luftraum verbrennen ließ. Auf dieſe glückliche Idee ſcheint zuerſt van Helmont im Anfang des 17. Jahrhunderts gekommen zu ſein. Er erkennt, daß, wenn in einem mit Waſſer abgeſperrten Gefäß ein Licht brennt, das Waſſer in das Gefäß hineindringt, und daß in der zuletzt noch vorhandenen Luft die Flamme erliſcht.
Toricelli wirft die Frage auf, warum beim Verbrennen immer nur ein Teil, nicht die ganze Luftmenge verſchwinde.


