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fremde Wort zu lernen, mit welchem er benannt werde.(Schulbericht von 1809/10.) Diejenigen, welche die An⸗ ſtalt abſolvierten, gingen meiſt zum Univerſitätsſtudium über, und zwar beſonders zur Kameraliſtik und zur Me⸗ dicin, und ſo finden wir, daß in den Jahren von 1812 bis 1816, in denen das Inſtitut vollſtändig war, 20 Schüler ſich der Medicin, 34 der Kameralwiſſenſchaft und der Jurisprudenz, ferner 9 der Baukunſt, 8 dem Forſtweſen u. ſ. w. widmen wollten. Berühmte Aerzte, Univerſitäisprofeſſoren und Künſtler, ſowie tüchtige Ju⸗ riſten und Beamte ſind aus dieſer Schule zahlreich hervorgegangen. Wie beſchränkt ſind dagegen heute die Be⸗ rechtigungen der Oberrealſchulen und der Realgymnaſien! Der Religionsunterricht wurde nicht konfeſſionell er⸗ teilt; wir finden folgende Angaben: Die Parabeln Jeſu nach ihrer ſittlichen Seite erklärt, Recht⸗ und Pflichten⸗ lehre in Verbindung mit Naturrecht..
Am 11. Januar 1809 wurden die 2 Klaſſen der Realſchule, Unter⸗ und Oberrealſchulklaſſen benannt, eröffnet und am 1. April zunächſt eine Sammelklaſſe des Realinſtituts. Für phyſikaliſche Apparate, naturwiſſen⸗ ſchaftliche Sammlungen und dergl. wurde vonſeiten des Staats eifrig Sorge getragen, ein botaniſcher Garten war angelegt worden. In allem dieſen wie in der Einrichtung des Religionsunterrichts und auch in der That⸗ ſache, daß ein Schulgeld nicht erhoben wurde, dürfen wir wohl unmittelbare Anklänge und Einflüſſe des dama⸗ ligen franzöſiſchen Schulweſens ſehen.„Wenn in früherer Zeit,“ ſagt Schultheiß(in ſeiner Geſchichte der Schulen in Nürnberg. V. Heft. S. 23),„der Geiſt des Forſchens mehr in der Vergangenheit und in einer ſelbſt geſchaffenen Welt der Phantaſie lebte als in der Gegenwart und in der Welt der unmittelbaren Anſchauung, ſo hat ihn nun eine ernſte Gegenwart aus jener fremden Region zurückgerufen in ſeine Heimat, wo ſie ſeiner mehr bedarf als jemals, und es wäre vergebens geweſen, ihn wieder ausſchließend in jene zurückweiſen zu wollen. Das Zuſammentreffen der äußeren Umſtände und Schickſale waren der Entwicklung dieſer eigentümlichen Anlage beſonders günſtig. Eine ſolche charakteriſtiſche Seite des ganzen geiſtigen Strebens der neueren Zeit durfte länger nicht außer Acht gelaſſen werden.
Es war Zeit, daß auch bei uns, wie bei unſern Nachbarn bereits geſchehen, ſelbſt in der ge⸗ lehrten Jugendbildung darauf Rückſicht genommen wurde, und daß öffentliche Schulen errichtet wurden, worin ſich der Geiſt der Jugend der eigentümlichen Tendenz ſeiner Zeit gemäß und für ſeine Zeit bilden könnte, wie einſt der griechiſche Jüngling für die ſeinige; Schulen, in welchen der Verſuch gemacht würde, endlich einmal den jugendlichen Geiſt unmittelbar, in ſeiner erſten Friſche, ans Werk zu führen.“
Die Anſtalt kam einem Bedürfniſſe entgegen, wurde ſie doch in ihren 6 Klaſſen im Jahre 1812/13 von 185 Schülern beſucht. Wie vortrefflich ſie eingerichtet und wie beliebt ſie war, erſehen wir z. B. auch aus der Lebensbeſchreibung des Erbauers des Hermannsdenkmals, Ernſt von Bandel(von Dr. Hermann Schmidt, S. 19.) Daß im Jahre 1816 mit Begründung der ſogenannten höheren Bürgerſchulen im Realſchulweſen in Bayern ein entſchiedener Rückſchritt geſchah, betonen alle Geſchichtsſchreiber(z. B. Schultheiß, S. 29, Biſchoff S. 5 und Hagen, hiſtoriſch⸗pragmatiſche Entwickelung des realiſtiſchen Schulweſens in Nürnberg S. 27.). Am 24. Auguſt 1816 wurde die Aufhebung des Realinſtituts durch allerhöchſte Entſchließung verfügt, wohl hauptſächlich deshalb, weil die römiſche Geiſtlichkeit an der Forderung feſthielt: Leitung des geſamten Unter⸗ richtsweſens durch die Kirche(Biſchoff, Die Realſtudienanſtalt in Nürnberg. S. 28.). Das Realinſtitut zu Augsburg war nie ſo ſtark beſucht geweſen und hatte durch die Abtretung Vorarlbergs von Bayern an Oſterreich im Jahre 1813 einen guten Teil ſeiner Schüler verloren.
Die Schule zu Ulm wurde 1809 als königliche Studienanſtalt ſo eingerichtet, daß ſie aus 3 Gym⸗ naſialklaſſen, einem Progymnaſium, einer Realſchule, einer Ober⸗ und Unter⸗Primarſchule und einer Elementar⸗ ſchule beſtand. Die Realſchule beſaß nur eine Klaſſe, jedoch in 2 Abteilungen, und bot Unterricht in der Mathe⸗ matik 6, Kosmo⸗ und Phyſiographie 3, Religion jährlich wechſelnd mit Recht⸗ und Pflichtenkenntnis 3, Geo⸗ graphie jährlich nechſelnd mit Geſchichte 4, Deutſche Sprache nebſt übungen in bürgerlichen Aufſätzen und


