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ſtadt Brody auf Betreiben der Judenſchaft, 1817 auch Lemberg eine Realſchule. Von Paris aus genehmigte Kaiſer Franz die Gründung eines polytechniſchen Inſtituts zu Wien, mit dem die Realſchule verbunden wurde, ebenſo wie zu Trieſt die Realſchule als Vorbereitungskurſus der nautiſchen Akademie beibehalten worden war. (Encyklopädie. V. S. 480.)
Der eigentliche Aufſchwung der Realanſtalten auf deutſchem Boden beginnt allerdings erſt in den zwan⸗ ziger und ganz beſonders den dreißiger und vierziger Jahren unſeres Säkulums; aber ſchon im erſten und zweiten Jahrzente deſſelben finden wir eine ziemlich große Zahl derartiger Schulen, die ſich ebenſo weit von dem Nütz⸗ lichkeitsprincipe der früheren Realſchulen wie von den Uuterrichtsmitteln der Gymnaſien fern halten. Eine ganze Reihe von dieſen verdankt ganz unmittelbar der franzöſiſchen oder einer von Frankreich eingeſetzten Regierung ihre Entſtehung, bei andern ſind die Ähnlichkeiten mit den franzöſiſchen Schuleinrichtungen ſo in die Augen ſpringend, daß wir uns genötigt ſehen einen Zuſammenhang anzunehmen, bei vielen aber mag nur die Umwäl⸗ zung der ſocialen Ordnung, die von Frankreich ausging, die Veranlaſſung zur Gründung gegeben haben, ſei es um unmittelbar Frankreich gleichzukommen, ſei es um ſeinem übergewichte erfolgreich entgegen treten zu können; denn auch im letzteren Falle bedurfte es einer höheren Bildung des Bürgertums.
Von den Gründen, die zur Auflöſung vieler dieſer Anſtalten geführt haben, ſind ſchon manche erwähnt worden. In vielen deutſchen Staaten trat die Reaktion ein, und ihr entſprach es, daß man für den Bürger keine höhere Allgemeinbildung mehr wünſchte. So ſehen wir denn manche Staaten in den Utilitarismus zurück⸗ fallen, wie das Herzogtum Naſſau durch das Edikt vom 24. März 1817, Kurheſſen durch die Gründung von Realklaſſen in dem Jahre 1836 und den folgenden und abermals 1853. In Oſterreich blühten nur die Realſchulen zu Wien und Trieſt, die den praktiſchen Zweck hatten auf die techniſchen Akademien vorzubereiten u. ſ. w.
Eine Urſache des Verfalls dieſer Realſchulen liegt jedoch noch darin vor, daß dieſe Anſtalten zugleich einfache Bürgerſchulen ſein ſollten. So beſtand z. B. in Hanau außer dem Gymnaſium, der Realſchule und einigen Armenſchulklaſſen keine einzige öffentliche Bürgerſchule. Ferner finden wir in Caſſel ebenfalls bis zum Jahre 1836 außer dem Gymnaſium, der höheren Gewerbeſchule und der Realanſtalt nur noch 11 Freiſchul⸗ klaſſen, 2 Waiſenhäuſer, eine katholiſche und eine israelitiſche Schule. Ähnlich wird es auch an andern Orten geweſen ſein. Als indeſſen für das Volksſchulweſen geſorgt war, da konnte man an die Neugründung von höheren Bürgerſchulen ernſthaft herangehen, und ſicher ſind dabei vielfach die Erfahrungen mit vielem Segen be⸗ nutzt worden, die zu Anfang dieſes Jahrhunderts gemacht worden ſind. Von Nürnberg und Caſſel ſteht dies z. B. feſt.


