Aufsatz 
Französische Einflüsse auf das deutsche Realschulwesen / von A. F. Knabe
Entstehung
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Recitieren einiger Oden und Lieder von Gellert, Herder, Utz und Hagedorn 6, Franzöſiſch 4, Zeichnen 4 und Schreiben 2 Std. wöchentlich. Die in Innsbruck, Botzen, Meran und Feldkirch gegründeten Realſchulen wurden ſofort nach dem Rückfalle dieſer Städte an Oſterreich beſeitigt.

Im nachmaligen Königreiche Sachſen waren höhere Bürgerſchulen bekanntlich ſchon etwas früher ins Leben getreten. In Dresden war im Jahre 1785 eine große Real⸗ und Armenſchule in der Friedrichſtadt ge⸗ gründet worden, wobei Real⸗ ungefähr daſſelbe wie Arbeitsſchule bedeutete, und im Jahre 1803 wurde die alte la⸗ teiniſche Schule der Neuſtadt in eine höhere Bürgerſchule verwandelt. In Leipzig folgte der 1792 errichteten Ratsfreiſchule am 2. Januar 1804 eine neue Bürgerſchule unter dem Direktor L. J. G. E. Gedicke, der im Oktober 1803 eineNachricht von der neuen Bürgerſchule erſcheinen ließ. Sie gewährte Unterricht in der Phyſik, der durch eine Sammlung von Inſtrumenten unterſtützt wurde, in der Technologie, in der Arithmetik, Plani⸗ und Trigonometrie und in der mathematiſchen Geographie; ferner lehrte ſie einfache Maſchinen, einiges aus der Baukunſt, vom Waſſerbau u. ſ. w. In den oberen Klaſſen wurden fakultativ auch die Anfangsgründe der lateiniſchen Sprache und in allen vier Knabenklaſſen auch die franzöſiſche Sprache unterrichtet, während die Mäd⸗ chen hierin nurin den Zeiten der Fremdherrſchaft unterwieſen wurden.(Schulſchriften von Gedicke und Vogel.)

Noch weniger unmittelbar von Frankreich beeinflußt waren Schöpfungen ähnlicher Anſtalten in der da⸗ maligen Zeit im Königreiche Preußen, wenn auch hier wohl die neuen Anſchauungen, welche das franzöſiſche Volk auf ſeinem Siegeszuge verbreitete, mit den Fortſchritten der Naturwiſſenſchaften, ſowie des Handels und Verkehrs ſich verbündeten. Schön ſetzt Rethwiſch(Deutſchlands höheres Schulweſen im XIX. J. S. 45 ff.) die Gründe auseinander, welche die Erhöhung des Bildungsſtandes auf neuzeitlicher Grundlage in Deutſchland zu ein em dringenden Erforderniſſe machten, nur haben dieſelben ſchon vor den zwanziger Jahren dieſes Jahrhunderts an einzelnen Orten zur Umgeſtaltung von Schulen geführt. Der Städteordnung, die am 19. November 1808 zu Königsberg erlaſſen worden war, und den durch ſie hervorgerufenen Schuldeputationen verdankt auch das ſtädtiſche Schulweſen ſeinen ſtaunenerregenden Aufſchwung.(Wiecke, Progr. Realſchule zu Frankfurt a. d. O. 1843). Im Jahre 1810 wurde beſtimmt, daß die Anzahl der höheren Bürgerſchulen bedeutend vermehrt werden ſollte, indem man teils viele lateiniſche Schulen in ſolche verwandelte, teils neue Anſtalten ins Leben rief.(Nagel, Progr. Petriſchule zu Danzig. 1833.) Wie wir ſehen, vermied man den Namen Realſchule, weil man nicht mehr auf die praktiſche Ausbildung der Schüler hin wirkte, ſondernder Jugend, welche ſich dem höheren bürgerlichen Leben widmete, eine rein menſchliche Bildung und zugleich eine zweckmäßige Vorbereitung für ihren künftigen Beruf geben wollte. So wurden in den Jahren 1810 bis 12 drei alte lateiniſche Schulen in Königsberg in Realſchulen umgewandelt, ſo wurde am 27. April 1813 in Frankfurt a. d. Oder eine höhere Bürgerſchule eröffnet, die das Deutſche als Hauptunterrichtsgegenſtand aufſtellte.(Heinen. S. 18.) In Potsdam wurde im Herbſt 1811 eine ſtädtiſche höhere Bürgerſchule gegründet, und aus der alten lateiniſchen Schule zu Memel iſt in den erſten Jahren des 19. Jahrhunderts eine höhere Bürgerſchule hervorgegangen. (Wieſe J.). Und ſchon früher finden wir in Preußen realiſtiſche Anſtalten, indem nach einer Inſtruktion vom 30. December 1804 für die altpreußiſchen Teile der Provinz Pommern drei Gymnaſien und vier Real⸗Lyceen (nämlich in Stargard, Stolp, Anklam und Kolberg) dem Bedürfniſſe zu genügen ſchienen.

Wie das Kaiſertum Oſterreich ſich gegen die überkommenen neuen Schularten ablehnend verhielt, haben wir(S. 28) ſchon geſehen, und doch ſind auch in dieſem Lande Realſchulen im Jahre 1809 entſtanden. Die oben erwähnte Real⸗Handlungs⸗Akademie zu Wien wurde in eine Realſchule umgewandelt, die beſtimmt war für Kameral⸗ und Finanzbeamte, Gutsbeſitzer und Pächter, Privat⸗, Wirtſchafts⸗ und Rechnungsbeamte, an⸗ gehende Militärs, Künſtler und Kunſtliebhaber, Kapitaliſten und alle nicht in Ämtern ſtehenden vermöglichen Bürger, welche für das häusliche und geſellſchaftliche Leben einer mehr als gemeinen Bildung bedürfen. Nach threm Muſter entſtand im Jahre 1811 ein ähnliches Inſtitut in Brünn, und 1815 erlangte die Freihandels⸗