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an die Seite, die in ihren Einrichtungen ſicher manchen Anklang an die franzöſiſchen Schulgründungen aufweiſen. Daß ſie auch im Lehrplane dieſen ähnlich waren, erſehen wir aus einem dem Präfekten am 8. Auguſt 1804 ein⸗ gereichten Berichte über die franzöſiſche Sekundärſchule zu Bonn:„1) Die Unterrichtsgegenſtände ſind: Moral, Religion, Latein, Franzöſiſch, Deutſch, Geſchichte, Geographie, Phyſik, Naturgeſchichte, Archäologie, Pſychologie und Mythologie. 2) Die für den Kaufmannsſtand beſtimmten Zöglinge, welche nicht am lateiniſchen Unterrichte theilnehmen ſollen, werden im kaufmänniſchen Rechnen und in der doppelten Buchführung unterrichtet.“(Pro⸗ gramm. Gymnaſium zu Bonn. 1893.) Faſt dieſelben Unterrichtsgegenſtände finden wir in den in Weſtfalen und Frankfurt gegründeten Realſchulen, nur fehlt ihnen allen das Latein, weil ſie an Orten ins Leben traten, die außerdem Lyceen oder Gymnaſien mit lateiniſchem Unterrichte beſaßen.
Ferner wurde in Frankfurt durch den Großherzog Karl(Dalberg) im Herbſt 1812 ein Lyceum Carolinum, namentlich für die Realien und für höhere Mathematik beſtimmt und dem Großherzogl. Gym⸗ naſium übergeordnet, eröffnet, ſtatt deſſen 1814 am Gymnaſium einige Parallelklaſſen für höhere Realfächer eingerichtet wurden, die indeſſen nur bis 1818 Beſtand hatten. Sicher würden ſich noch mancherlei Gründungen und Einrichtungen in realiſtiſcher Hinſicht in den Staaten franzöſiſcher Gründung, die von der Regierung aus⸗ gingen oder doch unterſtützt wurden, aufführen laſſen, wenn nicht in den Stürmen der Zeit ſo viele aktenmäßige Belege verloren gegangen wären. Unbedingt werden ſich jedoch auch noch manche Nachweiſe der Errichtungen von Real⸗ anſtalten in dieſen Reichen, z. B. auch im Großherzogtum Berg auffinden laſſen und hoffentlich bald veröffent⸗ licht werden; uns ſind weitere unmittelbar fremdherrliche Gründungen dieſer Art bisher nicht bekannt geworden. In die⸗ ſen Ländern entſtand ja ſofort ein regeres Verkehrsleben, und ſo zeigte ſich recht bald die realiſtiſche Bildung des praktiſchen Nutzens wegen nötig, da die jungen Leute hierdurch zum verſtändigen Erfaſſen vieler praktiſcher Be⸗ rufe befähigt wurden. Darum ſind Realanſtalten vielfach als Vorbereitungsſchulen zu Fach⸗Akademieen ins Le⸗ ben gerufen worden. Als z. B. nach dem Wiener Frieden im Jahre 1809 der Staat der ſieben illyriſchen Provinzen als ein franzöſiſches Gouvernement von Napoleon gebildet worden war, wurde in Trieſt— wohl auch von der Regierung— eine Realſchule als Vorbereitungskurs der nautiſchen Akademie daſelbſt eingerichtet.(Encyklopädie.)
Ja, an allen Orten, wo der franzöſiſche Einfluß beſonders bemerkbar war, ſehen wir um die nämliche Zeit, alſo noch mehrere Jahre vor dem Beginne der Befreiungskriege, Bürger⸗ oder Realſchulen ins Leben treten. Wenn auch eine unmittelbare franzöſiſche Einwirkung— in manchen Fällen wohl für jetzt noch— nicht nach⸗ gewieſen werden kann, ſo iſt die Thatſache doch beachtenswert, daß man weder vorher noch gleichzeitig in Gegenden, welche noch nicht in Berührung mit Frankreich gekommen waren, ähnliche Anſtalten vorfindet. So ſtammt die Realſchule zu St. Johann in Danzig ebenfalls aus dem Jahre 1809, in welchem die lateiniſche Kirchſchule in eine Bürgerſchule umgewandelt wurde. Bekanntlich bildete dieſe Stadt mit ihrem Gebiete von 1807 bis 1813 einen von Napoleon eingerichteten Freiſtaat. Bei Gründung des Herzogtums Warſchau im Jahre 1807 wurde unter andern die frühere Jeſuiten⸗Schule zu Frauſtadt in eine Kreisſchule(Bürgerſchule), das Marien⸗Gym⸗ naſium in Poſen dagegen in eine Departementsſchule umgewandelt(Wieſe, I), woraus man doch ſicher auch auf ein franzöſiſches Vorbild ſchließen darf.
Auch in denjenigen Staaten, die als ſelbſtändige deutſche Reiche in nähere Beziehungen zu Frankreich getreten ſind, ſo z. B. in den Rheinbundſtaaten finden wir ſchon in der damaligen Zeit Realanſtalten von einer ſolchen Art, wie ſie dann erſt wieder in den 30er Jahren ins Leben traten. So leſen wir z. B. von der alten Reichs⸗ ſtadt Überlingen, die im Jahre 1803 an Baden fiel, daß das dort eingerichtete Gymnaſium nur bis 1810 Beſtand gehabt hat.„Von da an ſprechen die Nachrichten nur noch bald von„Realſchülern“, bald von einer „lateiniſchen Lehranſtalt“,— vom ehemaligen Gymnaſium iſt nichts mehr vorhanden, als zwei Lateinkurſe, die in Verbindung mit der Normalſchule als eine Art Fortbildungsſchule fortbeſtanden.“.


