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herigen lateiniſchen Schulen, ja teilweiſe volle Realſchulen waren.(L. Wieſe, Das höhere Schulweſen in Preußen II.) 3
Es dürfte angemeſſen ſein, uns die Einrichtungen einer ſolchen Anſtalt etwas genauer anzuſehen. Unter dem 19. Mai 1808 erließ Napoleon I. ein Dekret, welches der Gemeinde Eupen die Wohnräume des ehe⸗ maligen Kapuzinerkloſters zur Gründung einer école secondaire communale in Gemäßheit des Erlaſſes der franzöſiſchen Regierung vom 12. Oktober 1803 überwies. Die vorgeſchriebene Schulkommiſſion: der Unterprä⸗ fekt von Malmedy als Vorſitzender, der Bürgermeiſter von Eupen, der Friedensrichter und zwei vom Präſidenten ernannte Stadtverordnete ſchlugen für die drei Lehrerſtellen je 2 Perſonen vor, von denen der Miniſter des In⸗ nern die an erſter Stelle in Vorſchlag gebrachten Lehrer ernannte. Am 6. November 1809 wurde die Schule, welche unter dem Rektor der Akademie zu Lüttich ſtand, feierlich eröffnet. Der Unterricht erſtreckte ſich auf die lateiniſche, franzöſiſche, deutſche und italieniſche Sprache, auf Geographie, Geſchichte, Rechnen und Mathematik, Naturgeſchichte, Phyſik, endlich anf Mythologie und Religionsweſen der verſchiedenen Kulturvölker. Die Anſtalt diente einerſeits den Intereſſen des Bürger⸗ und Kaufmannsſtandes, andrerſeits galt ihr Beſuch als Vorbereitung für den Eintritt in ein ſtaatliches Lyceum. Die Koſten hatte bei einem Staatszuſchuſſe die Gemeinde zu tragen. Zur Zeit der preußiſchen Beſitzergreifung erhielt die Schulkommiſſion den Auftrag, über die„innere Einrichtung des Kollegiums als Bildungsſtätte für den Handelsſtand“ Vorſchläge zu machen, und unter verſchiedenen Namen und mit manchen Umwandlungen iſt doch der Charakter der Schule derſelbe geblieben.(Progr. Eupen. 1890.)
Daß die meiſten dieſer Anſtalten nach der Vertreibung der Fremdherrſchaft wieder in Gymnaſien ver⸗ wandelt wurden, hat verſchiedene Gründe. Zunächſt waren ſie der fortwährenden Kriege und des Geldmangels wegen arg zerrüttet, und man glaubte nun leicht, daß dies wenigſtens zum Teil an ihrer Organiſation lag; dann war ſicher von den Franzoſen der gymnaſiale Unterricht zu gering geſchätzt worden, und dann hat wohl auch der Haß gegen die Gewaltherrſchaft zur Vernichtung ihrer Einrichtungen erheblich beigetragen. Endlich iſt auch nicht zu vergeſſen, daß der Aufſchwung in Handel und Verkehr und damit die Hebung des Bürgerſtands unmittelbar nach den Befreiungskriegen vielfach wieder arg zurückging und eine Rückkehr in alte, bedrückende Ver⸗ hältniſſe eintrat, aus denen man ſich erſt ſpäter allmählich wieder erhob. Ferner entſtanden in derſelben Zeit an vielen Orten ſogenannte höhere Bürgerſchulen, wie in Dortmund, Eſſen, Harburg(1806), Goslar (1804), eine Realklaſſe in Nordhauſen(1813). Handelsſchulen traten z. B. am 1. November 1799 in Hagen und 1806 in Elberfeld ins Leben. Aber auch unmittelbar von den Regierungen der Fremdherrſcher in Deutſchland gegründete reine Real⸗ anſtalten finden ſich mehrfach vor. In Halle a. S. hatte der Rektor des lutheriſchen Gymnaſiums M. Ben⸗ jamin Fr. Schmieder im Jahre 1795 neben dieſer Anſtalt eine Bürgerſchule in drei Klaſſen errichtet, von der die dritte mit der Fundamentalklaſſe der lateiniſchen Schule vereinigt war; die Schüler der erſten Klaſſe waren nach Verhältnis ihrer Fortſchritte z. B. im Franzöſiſchen z. T. mit Prima und Secunda, z. T. mit Tertia und Quarta kombiniert. Bei der auf S. 12 erwähnten Zuſammenfaſſung der lateiniſchen Schulen„erkannte man unſere Bürgerſchule für würdig, unter dem Titel einer Realſchule nach einem erweiterten Plane fortzubeſtehen,“ und ſo nennt ſich C. C. Schmieder in ſeinem zu Oſtern 1809 erſchienenen Buche(„Ueber d. Einrichtg. h. Bürgerſchulen“) Oberlehrer an der vereinigten Realſchule zu Halle. Dieſe Klaſſen wurden am 7. Mai 1810 mit der neuen Bürgerſchule verbunden, die urſprünglich von ihrem Schulhauſe, der Mittelwache, den Namen führte, im Jahre 1797 aber ſchon in die Franckeſchen Stiftungen verlegt worden war, und ſo hat dieſe Real⸗ ſchule beſtanden, bis ſie ſich Oſtern 1835 von ſelbſt auflöſte, dann aber ſofort durch eine neue fünfſtufige Real⸗ ſchule erſetzt wurde.(Feſtſchrift der Franckeſchen Stiftungen vom Jahre 1863.) Wenn man nun anch wohl dieſe Gründung im Jahre 1808 auf den Einfluß des damaligen Direktors der Franckeſchen Stiftungen, des be⸗ kannten Pädagogen und Urenkels A. H. Franckes, A. H. Niemeyers, zurückzuführen geneigt ſein wird, der


