Aufsatz 
Französische Einflüsse auf das deutsche Realschulwesen / von A. F. Knabe
Entstehung
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unſern Gymnaſien mit Bifurcation in den drei oberſten Klaſſen in ein humaniſtiſches Obergymnaſium und ein Realgymnaſium noch Secundär⸗ und Primär⸗Schulen gegründet. Während jedoch die letzteren ſich nicht der geringſten Fürſorge des Staats zu erfreuen haben, ermutigt die Regierung zur Errichtung von Secundärſchulen durch unentgeltliche Einräumung von geeigneten Gebäuden u. dergl., um hierdurch den ſtädtiſchen Bevölkerungen der Provinzen die erforderliche Jugendbildung zu ermöglichen. Dieſe Anſtalten, Colléges communaux genannt, waren nnn entweder kleinere lateiniſche Schulen oder Realanſtalten, von denen nur ſehr wenige den Unterricht in der lateiniſchen Sprache betrieben; ſie waren ganz dem Belieben und dem Vermögen der Gemeinde überlaſſen und entwickelten ſich deshalb ganz verſchieden je nach dem Bedürfniſſe der Bevölkerung. Aber gemein⸗ ſam war allen eine große Betonung der realiſtiſchen Fächer. Sie gewährten Unterricht in der Religion, franzö⸗ ſiſchen Sprache, Arithmetik, Algebra, ebenen, räumlichen und praktiſchen Geometrie nebſt Trigonometrie, Natur⸗ geſchichte, Chemie, Mechanik, Weltgeſchichte und Geſchichte von Frankreich, Geographie, im Engliſchen oder Deutſchen, Schönſchreiben, in Buchführung, im geometriſchen und Ornamentenzeichnen, Geſang und Turnen⸗ Hierzu trat an manchen Anſtalten in weiteren Jahreskurſen noch Unterweiſung in den übrigen Fächern der Phyſik, in höheren Gebieten der Mathematik, in Franzöſiſch oder Spaniſch, in Geſetzgebung und Verwaltung des Staats und dergl. mehr. Manche von ihnen bereiteten auf einige der Fachſchulen des Staates vor, mit einigen hatte man noch eine Fach⸗Abteilung(für Induſtrie, Handel oder Ackerbau) verbunden; aber ſie ſelbſt waren all⸗ gemeine Bildungsanſtalten für junge Leute, die ſich der Induſtrie, dem Handel, Ackerbau oder den Künſten widmen wollten. Dieſe Realſchulen nahmen in einer Weiſe zu, daß im Jahre 1809 ſchon 273 Colléges communaux mit 18507 Schülern gezählt wurden.(Encyklopädie.)

So war der Realismus in die Schulen ſiegreich eingedrungen. So ſehr auch ſonſt durch Napoleon jede Spur der freien revolutionären Ideen verdrängt wurde, ſo wurde doch auf dem Gebiete des ÜUnter⸗ richtsweſens der neue Geiſt nicht unterdrückt, ſondern abſichtlich befördert. Und dies war ja auch ganz natürlich, War er doch ein Sohn der großen franzöſiſchen Revolution, durch die der einfache Bürger eine größere Bedeu⸗ tung als vorher gewann. Hiermit wurden aber auch größere Anforderungen an ihn geſtellt, und ſo konnte für ſeine Ausbildung das vielfach noch im Argen liegende Volksſchulweſen ebenſo wenig mehr genügen wie das Durch⸗ laufen einiger Klaſſen einer meiſt nur Latein lehrenden höheren Schule. Vielmehr erwieſen ſich nun Unterrichts⸗ anſtalten als dringend nothwendig, in denen eine volkstümliche Bildung mit eingehenderen Kenntniſſen in den Realien und mit der Bekanntſchaft mit mindeſtens einer lebenden fremden Sprache gewährt wurde.

Wie rege damals der bürgerliche Sinn wurde, ſchildert z. B v. Rotteck(Allgemeine Weltgeſchichte, IX. Bd. 7. Kapitel: Die Conſularregierung§ 14.):Es kam in alle Zweige der Adminiſtration ein reges, den Fortſchritten der Staatswiſſenſchaft, zumal den Intereſſen der Nationalwirtſchaft, entſprechendes Leben. Ackerbau, Induſtrie und Handel empfanden die gleich umſichtige als kräftige und unermüdete Fürſorge einer Regierung, welche ihren eignen Gewinn und Ruhm in der Wohlfahrt des Reichs erkannte. Es wurden Straßen angelegt, Kanäle gegraben, Häfen, Dämme, Brücken gebaut, allenthalben die Wege des Verkehrs gebahnt oder erleichtert, der Erfindungsgeiſt durch Ehren und Belohnungen ermuntert, der Unterricht in allen der Staatswirtſchaft dienen⸗ den Künſten und Wiſſenſchaften befördert und ſelbſt das Genie des Auslands dem franzöſiſchen Intereſſe dienſt⸗ bar gemacht. Solche Gründungen und Anſtalten in Frankreich ſelbſt und in deſſelben Vaſallenſtaaten bezeichnen die ganze Periode von Bonapartes Gewalt. Und mit Recht ſagt ein anderer Geſchichtsſchreiber:Die Vorteile, die den Franzoſen aus ihrer blutigen Umwälzung geblieben, kamen auch den Weſtfalen zugnte: Gleichheit der Beſteuerung, Abſchaffung perſönlicher Privilegien, Beſeitigung der Grundlaſten, landſtändiſche Verfaſſung, Ge⸗ werbefreiheit und Rechtsgleichheit aller Staatsbürger. Sie weckten das Selbſtgefühl des Bürgerſtandes und brachten ihm ſeine Beſtimmung, Lenker der Geſchicke der neuen Zeit zu ſein, zum Bewußtſein.(Weber, Lehrbuch der Weltgeſchichte II. S. 513.) Auf dieſem Gebiete lag ja die Notwendigkeit der Realſchulen, da durch den in