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Wenn es auch immerhin wahr iſt, daß Napoleon die Wiſſenſchaft nicht um ihrer ſelbſt willen geſchätzt und gefördert hat, ſo iſt doch gewiß, daß er und ſeine Geſchöpfe, teils um der Wiſſenſchaft und ihren Vertretern zu ſchmeicheln, teils um der bedeutenden praktiſchen Vorteile willen, manches für hohe und höhere Schulen geleiſtet haben, während ſie die Bildung des Volks ſelbſt vernachläſſigten und vielleicht fürchteten. Thatſächlich haben es die Regierungen dieſer franzöſiſchen Staaten für das Recht und die Pflicht des Staates erklärt, den Unterricht aller derer in die Hand zu nehmen, die dereinſt mit irgend einem öffentlichen Charakter bekleidet ſein würden und zwar nicht als eigentliche Beamte, während ſie für die Volksſchulen ſelbſt recht wenig Intereſſe zeigten.
In welcher Richtung aber für die höheren Schulen geſorgt wurde, das wird uns viel einleuchtender, wenn wir erſt mit einigen kurzen Strichen das franzöſiſche Schulweſen der damaligen Zeit vorführen.
Schon in dem Talleyrand'ſchen Entwurfe vom Jahre 1791 finden wir in den höheren Schulen (écoles de district) einige realiſtiſche Spuren, wenn auch der gymnaſiale Charakter ihnen völlig gewahrt blieb. In dem Condorcet'ſchen Erziehungsplane vom 20. April 1792 ſind jedoch ſchon vollſtändige lateinloſe Real⸗ ſchulen(6coles secondaires) vorgeſehen, in denen die Grundbegriffe der Mathematik, Naturgeſchichte, Chemie, ſoweit ſie zur Betreibung der Kunſtgewerbe nötig ſind, gelehrt und eine ausgedehntere Entwicklung der Grund⸗ ſätze der Moral, des geſellſchaftlichen Wiſſens und der Grundbegriffe des Handels gegeben werden ſoll. Mit ihnen war eine Bibliothek, eine Sammlung von meteorologiſchen Inſtrumenten, von Modellen, Maſchinen, Werk⸗ zeugen und Naturkörpern zu verbinden. Auch in den andern höheren Schulen(instituts) tritt ein ſehr realiſti⸗ ſcher Zug in die Erſcheinung. Latein ſoll nur ſo weit getrieben werden, daß die Schüler die Schriftſteller verſtehen, das Griechiſche wird vom Lehrplane ganz ausgeſchloſſen; die Hauptrolle ſpielen Mathematik und Na⸗ turwiſſenſchaften. Dieſe Anſtalten ſollten im Gegenſatze zu der praktiſchen Tendenz der vorigen dazu dienen, die Grundlage der Bildung für die verſchiedenen Stände zu geben; und ihre mathemathiſch⸗ naturpiſſenſchaftliche Richtung verſchaffte ſich gegenüber der früheren philologiſch⸗hiſtoriſchen immer mehr Geltung. Ja das Studium der alten Sprachen wurde ſpäterhin eher für ſchädlich als für nützlich erklärt, und ſo hat z. B. der Dichter Béranger, der in dieſen Zeiten aufwuchs und ſeine Bildung in einer Schule erhielt, die nach den Vorſchriften des Convents eingerichtet war, nie Latein gelernt.(Encyklopädie 1. Auflage, Bd. V, S. 5.)
Alle dieſe Pläne und manche andere gelangten freilich nicht zur Durchführung, ja die meiſten Mitglieder des Nationalconvents wollten bei ihrem Streben, die Egalité auch in der Bildung der Bürger zu verwirklichen, von der höheren Schule gar nichts wiſſen. Aber bald ſah man doch ein, daß es ohne dieſelbe nicht geht, und ſo fing man damit an, eine Schule ins Leben zu rufen, in welcher zunächſt Lehrer für die höheren Schulen herangebildet werden ſollten. In dieſelbe, die im Jahre 1794 gegründet wurde, ſollen Leute, die das Alter von mindeſtens 21 Jahren erreicht haben und ſchon in allen nützlichen Kenntniſſen unterrichtet ſind, zu dem Zwecke aufgenommen werden, das Unterrichten kennen zu lernen. Der Curſus dauert wenigſtens 4 Monate. Die Diſtriktsverwaltungen des Landes haben von 20000 Bewohnern je einen jungen Mann zu demſelben nach Paris zu ſenden. Die in dieſer Normalſchule ausgebildeten Lehrer eröffnen dann in den 3 Hauptorten ihres Kreiſes wiederum Normalſchulen, um fernere Lehrer auszubilden. Um dieſelbe Zeit werden auch Militärſchulen und Fachanſtalten zur Ausbildung von Ingenieuren, Aerzten und Seeleuten u. dergl. errichtet. Endlich verfügt ein Geſetz vom 25. Februar 1795(7 ventôse an 3) auf je 300000 Einwohner eine Centralſchule, d. i. eine Art von Realgymnaſium, mit der eine Bibliothek, ein botaniſcher Garten, ein naturhiſtoriſches und phyſikaliſches Cabinet, eine Sammlung von Maſchinen und Modellen aus dem Gebiete der Künſte und Hand⸗ werke zu verbinden iſt. Man weiſt dieſen Anſtalten frühere Collegien, Klöſter, Schlöſſer u. dergl. als Schulge⸗ bäude zu und ſorgt beſonders eifrig für die Anlegung von botaniſchen Gärten.(Progr. Gymnaſium u. Real⸗ ſchule zu Plauen i. V. 1876.) Aber erſt durch Napoleon wurde dem Erziehungsweſen eine feſte Organiſation gegeben. Durch ein Geſetz vom 1. Mai 1802 wurden neben Lycees, die in der Unterrichtserteilung ungefähr


