Aufsatz 
Französische Einflüsse auf das deutsche Realschulwesen / von A. F. Knabe
Entstehung
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Noch weniger aber wird man andere Einrichtungen, die von den Regierungen ſolcher fremden Herrſcher ausgingen, tadeln können, nämlich die Zuſammenfaſſung konfeſſionell getrennter, gleichartiger Anſtalten an demſelben Orte. Schon im weiteren Verlaufe des oben angeführten Planes zur Verbeſſerung der Erziehungsanſtalten in Heſſen ſchlägt Curtius eine Vereinigung ſolcher lutheriſchen und reformierten Bildungsanſtalten in Schmalkalden, Hersfeld und Rinteln vor, und in demſelben Bande von Münſchers Magazin finden wir ähnliche Gedanken inbezug auf Hanau von Suabediſſen angeregt. Durchgeführt wurde dieſer Vorſchlag im Großherzogtum Frankfurt, wo in einem Organiſationsplane des Unterrichtsweſens vom 1. Februar 1812 im§ 11 Abſchnitt I. ausgeführt wird, daß in dem Hauptorte eines jeden der vier Departements unter Auflöſung der übrigen nur ein Großherzogliches, keiner der verſchiedenen Glaubensgemeinden beſonders zuſtändiges Gymnaſium beſtehen ſollte. Dieſe Beſtimmung iſt auch alsbald in Frankfurt und in Hanau zur Ausführung gebracht worden. Solche Zuſammenlegungen waren beſonders für die damalige Zeit, wo ſo ungeheure Geldanforderungen für Heereszwecke u a. geſtellt wurden, äußerſt ſegensreich, und ſo dürfen wir uns nicht wundern, daß wir dieſelben auch weiter⸗ hin vorfinden oder doch an manchen Orten wie z. B. in Osnabrück einen ähnlichen Plan entdecken. Auch in Halle war durch ein Königl. Weſtfäliſches Dekret vom 17. Juli 1808 das reformierte und das lutheriſche Gymnaſium mit der lateiniſchen Schule des Waiſenhauſes zu einer Anſtalt unter dem Namenlateiniſche Haupt⸗ ſchule des Waiſenhauſes verſchmolzen worden.

Auch poſitive Eingriffe in das höhere Schulweſen finden wir zu den Zeiten der Fremdherrſchaft. Na⸗ turgemäß ſorgten die fremden Gewaltherrſcher zunächſt für die Ausbildung junger Leute für die Praxis und beſonders für diejenige in militäriſcher Hinſicht, und ſo finden wir z. B. im Königreiche Weſtfalen zunächſt die Gründung von Kriegs⸗, Artillerie⸗ und Genie⸗Schulen, ferner auch von Forſtanſtalten. So war z. B. das Collegium Carolinum in Braunſchweig in eine Militärſchule umgewandelt worden, ferner wurde in Caſſel am 1. Januar 1811 eine Artillerie⸗ und Genieſchule eröffnet und ebenda eine Forſtanſtalt errichtet.

Aber auch für rein wiſſenſchaftliche Zwecke wurde mancherlei geleiſtet; ſo finden wir viele Aufwendungen für die Univerſität Göttingen, namentlich für die Bibliothek und den Bau der Sternwarte. Auch wurde dort ein botaniſcher Garten mit einem Gewächshauſe angelegt, in Marburg im Jahre 1811 ein philologiſches Semi⸗ nar errichtet, und auch in Halle wurde der Hochſchule wie den Francke'ſchen Stiftungen viel Intereſſe zuge⸗ wandt. Im Großherzogtum Berg beabſichtigte die Regierung Joachim Murats gleich nach ihrer Be⸗ gründung in Düſſeldorf eine Univerſität zu errichten, was jedoch durch die Kriege vereitelt wurde. Als durch die Erwerbung von Münſter im Jahre 1807 ein Teil einer Hochſchule vorgefunden wurde, plante man den Ausbau derſelben in großartigſter Weiſe, indem dortſelbſt 90 Lehrſtühle errichtet werden ſollten. Vorläufig be⸗ gnügte man ſich freilich mit 19 Profeſſuren, die indeſſen auch nicht alle beſetzt wurden. Als endlich Münſter in Frankreich einverleibt worden war, ſollte nach einem Dekret Napoleons vom 17. Dezember 1811 in Düſſeldorf eine Univerſität mit 5 Fakultäten, mit 14 Profeſſoren und einem Etat von 114000 Fres. ins Leben treten. Jedoch zogen ſich die Verhandlungen ſo lange hin, bis das neue Staatengebilde zuſammenbrach. Unterdeſſen hatten die Franzoſen beſſer als die ehemaligen Herren des Landes für die Ausbildung der Eleven des Militär⸗ hospitals, der Wundärzte, Apotheker und Förſter geſorgt, dadurch daß ſie dem neuen Direktor des botaniſchen Gartens 1808 zur Pflicht gemacht hatten, unentgeltlich Vorleſungen über Pflanzenkunde zu halten.(Tönnies, Pr. h. Bürgerſchule zu Düſſeldorf 1884).

In dem 1810 gebildeten Großherzogtume Frankfurt wurde durch eine höchſte Verordnung vom 1. Februar 1812 in Aſchaffenburg eine Univerſität gegründet, welche jedoch wegen des Beſtehens mancher nütz⸗ lichen Anſtalten in den vier Departements des Staates in mehrere nach Orten geſonderte Spezialſchulen nach dem Vorbilde Frankreichs zerfiel, nämlich in eine theologiſche in Fulda, eine juriſtiſche in Wetzlar, eine mediziniſche in Frankfurt.(Knabe, Üüberſicht über die Entwickelung des Realſchulweſens in der Provinz Heſſen⸗Naſſau.)