Aufsatz 
Französische Einflüsse auf das deutsche Realschulwesen / von A. F. Knabe
Entstehung
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Anſtalten entſtanden jedoch recht zahlreich im 19. Jahrhundert und zwar ganz beſonders in der pädagogiſch ſo bewegten Zeit in den 30er und 40er Jahren. Aus den Jahren 1821 bis 1848 rühren auch die wichtigſten und folgenreichſten Erörterungen über die höhere Bürgerſchule oder die Realſchule her, wie z. B. diejenigen von A. G. Spilleke, Chriſtian Hrch. Nagel, K. W. Mager, C. G. Scheibert u. a. Aber es finden ſich auch viele allgemein bildende Realanſtalten beſonders in den ſüdlichen und weſtlichen Teilen Deutſchlands, die weder durch dieſe Schriften, noch durch das durch die Befreiungskriege weſentlich gehobene Selbſtbewußtſein des Bürger⸗ tums, noch auch durch die Abſicht der Regierenden, eine neue Belebung des Volkes von innen heraus zu erſtreben, veranlaßt ſein können; in der That rühren viele von dieſen aus den unſeligen Rheinbundsjahren her, und zwar gingen ſie nicht hervor aus dem Gefühle der Not und der Erniedrigung, denn ſie entſtanden in Zeiten und in Staaten, wo dies Gefühl nicht vorhanden war. Dergleichen Gründungen von Schulen, die alſo eine allgemeine Bildung für den höheren Bürgerſtand vermitteln ſollten, müſſen demnach eine andere Urſache gehabt haben, und es liegt zeitlich und örtlich nahe, dabei an eine unmittelbare franzöſiſche Beeinfluſſung zu denken.

Bekannt iſt ja ſchon, daß in der Zeit der Knechtſchaft Deutſchlands viele Veränderungen im Schulweſen durch die fremden Machthaber vorgenommen worden ſind.

Zur Zeit der franzöſiſchen Vorherrſchaft ſind z. B. an Univerſitäten aufgehoben: Bonn 1797, Köln 1798, Altorf 1801, Bamberg 1803, Duisburg 1804, Rinteln und Helmſtädt 1809, Salzburg 1810, die hohe Landesſchule in Hanau 1812 und wohl noch manches akademiſches Gymnaſium und dergl.

Nicht nur jeder Kurfürſt des heiligen römiſchen Reiches wollte mindeſtens eine hohe Schule in ſeinem Lande haben, ſondern auch viele kleinere Fürſten und freien Reichsſtädte hatten, wenn nicht eine vollſtändige Univerſität, ſo doch zum mindeſten ein akademiſches Gymnaſium oder ähnlichen Fakultätsunterricht eingerichtet. Viele von dieſen waren jedoch kaum lebensfähig. Die Profeſſoren, zum Teil ohne Beſoldung, ſchmachteten in der bitterſten Armut und verſtanden ſich zu unwürdiger Nachſicht, auch wohl zur Teilnahme an den ſtudentiſchen Ausſchweifungen. Nicht ſelten iſt behauptet worden, es ſeien die Univerſitäten zu betrachten als die eigentlichen Urheber der Neubelebung des Wiſſens zur Zeit der Humaniſten,..., als Freiſtätten für die Entwickelung der neuen Ideen von Aufklärung und Denkfreiheit, von Kirche und Staat, als Schutzſtätten endlich des Natur⸗ wiſſens, das uns vom Aberglauben und von der Autorität veralteter Anſchauungen befreite und ohne Beſchädi⸗ gung des reinen Bekenntnistriebes zur Verwertung für das ſociale Wohl ſich darbot. Solch eine Stellung und Wirkſamkeit kann man wie Jürgen Bona Mexyer evident nachgewieſen hat den Univerſitäten des 16., 17. und 18. Jahrhunderts nicht nachrühmen. Im ſechzehnten Jahrhundert ſträubten ſie ſich der Regel nach gegen den Einzug der klaſſiſchen Studien, namentlich der griechiſchen, als gegen eine unberechtigte Neuerung. Die bahn⸗ brechenden Apoſtel des Humanismus waren zwar auf Univerſitäten gebildet, aber gehörten ihnen nicht an und pochten oft lange Zeit vergebens an ihre ehrwürdigen Pforten. Und ähnlich war es im 17. und 18. Jahr⸗ hundert. Die Univerſitäten, die eigentlichen Freiſtätten des Geiſtes, ſtimmten auf ihre Weiſe in das pietiſtiſche Jammerlied ein und verketzerten jeden, der nicht ihre monopoliſierte und privilegierte Weisheit für heilig hielt. Man braucht nur an die Kämpfe zu denken, die das erſte Auftreten eines Thomaſius und eines A. H. Fraucke bei den Profeſſoren hervorrief, um deren Stellung zu kennzeichnen.(K. Schmidt, Geſchichte der Pädagogik. IV. Auflage von Dr. W. Lange III. S. 206.)

Man kann deshalb nicht ſagen, daß nur etwa eine barbariſche Zerſtörungswut oder unerſättliche Gier nach den Fonds dieſe Vernichtungen diktiert habe; denn vielfach kamen dieſe Mittel den anderen Hochſchulen zu Gute, und häufig finden wir praktiſchere und dauerhaftere Neugründungen und Verbeſſerungen. Wohl aber läßt ſich die Zeit mit einem reinigenden Gewitter vergleichen, durch das wohl dies oder jenes morſche Gebände vom Blitzſtrahle getroffen in Flammen aufging, dafür aber für die andern eine reinere, geſundere Luft geſchaffen wurde, in der ſie gut weiter gedeihen konnten.

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