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Techneologie 2;0, Geſchichte 1;1, Geographie 1;3, Verſtandsübungen 0;5, Schreiben 6, Zeichnen 2;0, Stunden wöchentlich.(Bolle, Progr. Gymn. Wismar. 1892.)
In demſelben Jahre wurde dem Ratsgymnaſium zu Osnabrück eine neue Schulordnung gegeben, deren Grundgedanken der neue Rektor Franz Arnold Fortlage in ſeinem Programme„Nachricht von der neuen verbeſſerten Einrichtung des evangeliſch⸗lutheriſchen Ratsgymnaſiums der Stadt Osnabrück“ mit folgenden Worten ausſpricht:„Dieſer Unterricht ſoll, ſoviel wie möglich, alles umfaſſen, was nicht nur der künftige Gelehrte zu erlernen hat, ſondern was auch zur Vorbereitung auf jeden bürgerlichen Beruf nötig und nütllich iſt, es mag nun einer den Stand des Kaufmanns oder Künſtlers, oder Handwerkers u. ſ. w. wählen, was mit einem Worte einem jeden nützlich iſt, der auf etwas Bildung Anſpruch machen will, ſo daß unſere Schule nicht blos eine ge⸗ lehrte, ſondern auch eine allgemeine Bürgerſchule ſein ſoll.(Progr. Rats⸗Gymnaſium zu Osnabrück. 1872).
Ob bei den letzteren Veränderungen vielleicht ſchon eine franzöſiſche Einwirkung feſtzuſtellen iſt, mag dahingeſtellt bleiben; die Thatſache iſt jedoch bekannt, daß auch ſchon früher ähyliche Einrichtungen ins Leben ge⸗ treten ſind. So waren z. B. im Jahre 1784 die vierte lateiniſche(die Cantor⸗) Klaſſe zu Huſum in eine höhere Bürgerſchule, in Hannover die unterſten Klaſſen(V. und IV.) im Jahre 1792 in Realklaſſen verwandelt wor⸗ den. Schon 1775 wurde in dem Lyceum zu Clausthal eine„neue Schuleinrichtung“ eingeführt, nach welcher die drei oberen Klaſſen für Studierende, die 4 untern zur Bildung für das bürgerliche Leben beſtimmt waren. Ja in Breslan wurde nach Verbindung des Gymnaſiums zu Maria Magdalena mit einer Realſchule 1765 ſogar der Name„Realgymnaſium“ angenommen, der erſt im Jahre 1810 wieder beſeitigt wurde.(Meiſter, Feſt⸗ ſchrift. 1893.) Aehnliches finden wir im vorigen Jahrhundert noch an vielen anderen Orten, wenn auch hier und da ſich ſchon früher ähnliche Beſtrebungen feſtſtellen laſſen.
Die Caſſeler Stadtſchule hatte z. B ſchon bei ihrer erſten Einrichtung durch Philipp den Großmütigen im Jahre 1539 die Aufgabe, die Kinder der Einwohner im Leſen, Schreiben, Rechnen und in der Religion zu unterrichten und zugleich auch zu einem akademiſchen Studium, insbeſondere zu dem der Theologie, vorzubereiten. Dieſes doppelte Ziel verblieb ihr auch, als ſie 1581 zu einer höheren lateiniſchen Schule erhoben und 1599 weſentlich verbeſſert wurde; und auch nach ihrer 1779 erfolgten Erhebung zum Lyceum wurden ihr durch ihre Statuten „die nötigen und nützlichen Kenntniſſe des künftigen Bürgers als Kauf⸗ oder Handwerksmannes, die Vorbereitung des künftigen Mannes von Geſchäften und der wirklichen Gelehrten“ als Ziel feſtgeſetzt.(Weber, Geſchichte der Gelehrtenſchule zu Caſſel.)
Auch iſt bekannt, daß man ſich beſonders in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts vielfach nach einer Veränderung des Schulweſens ſehnte. So ſpricht ſich ein Entwurf vom Jahre 1771 zur allgemeinen Verbeſſerung der Land⸗ und Stadtſchulen in den Kurf. Mainziſchen Staaten(Beyer. Erfurt, h. Bürgerſch. Programm 1887) ſehr wenig ſchmeichelhaft über die damaligen Schulverhältniſſe aus:„Die jetzigen Schulen, ſowohl die auf dem Lande als die in der Stadt, ſind die ſchlechteſten auf dem Erdboden. Die Schuleinrichtungen ſind Ueberbleibſel jener Barbarei, worin Deutſchland vom 9. Jahrhundert bis ins 16. gelegen hatt...... Ge⸗ dächtnis war der einzige Gegenſtand aller Schulübungen, die lateiniſche Sprache das einzige Ziel— nicht anders, als wenn das Gedächtnis die Vollkommenheit eines Menſchen und die lateiniſche Sprache deſſen Tüchtigkeit zum geſellſchaftlichen Dienſt ausmache.“ Im weiteren dringt dann dieſes Gutachten nicht nur auf Einführung des Schulzwanges und Abſchaffung der Privatſchulen, ſondern auch auf Einrichtung von Leſeſchulen, Realſchulen und Mittelſchulen.
So finden wir im vorigen Jahrhundert nur Realſchulen, die dem reinen Nützlichkeitszwecke dienen, alſo Fachſchulen für die einzelnen Gewerbe, und beſonders gegen Ende deſſelben an vielen Lateinſchulen beſondere Klaſſen für die Zöglinge, die ſich nicht einem gelehrten Berufe widmen wollten. Eine Schule dagegen, die für ſolche Schüler eine allgemeine Bildung erſtrebt, iſt mir im XVIII. Jahrhundert nicht bekannt geworden. Dergleichen


