ein anderer wird er im Bierbrauen und Branntweinbrennen, bei dem Glasmachen, Ziegelbrennen, Kalkbrennen, dem Töpferhandwerk, bei Gold⸗ und Silberarbeiten, bei Stahl⸗ und Meſſingmachen, bei der Färberei und mehr andern Profeſſionen fortkommen und in Ausübung ſeiner Kunſt andere Profeſſioniſten übertreffen!
Ein Unterricht in der Kunſt des Bergbaues iſt zwar nicht für viele Lehrlinge: doch iſt er in der Real⸗ ſchule eines Landes wie Heſſen, welches ſelbſt Bergwerke hat, von unentbehrlichem Nutzen.
Künftige Kaufleute werden, außer den oben angeführten allgemeinen Kenntniſſen, in allen Geheimniſſen der Rechenkunſt unterwieſen und mit den geometriſchen Wahrheiten bekannt gemacht, welche in die Handlungs⸗ wiſſenſchaft einen nahen oder entfernten Einfluß haben. Ferner würde ihnen durch einen dazu geſchickten und in dieſen Sachen erfahrnen Mann(denn von einem Profeſſor kann man dieſen Unterricht nicht fordern) Anleitung zu der unter Kauflenten vorkommenden und gebräuchlichen Correſpondenz, zum Buchhalten und zu Wechſelge⸗ ſchäften gegeben. Sie erhielten einen Unterricht in der Geographie überhaupt, beſonders aber von den Handels⸗ plätzen, von den Wohnſitzen der rohen Materialien und von Oertern und Umſtänden einer jeden Manufactur. Endlich müßten ſie Gelegenheit haben, nach Maaßgebung ihrer künftigen Beſtimmung, franzöſiſch, engliſch oder andere auswärtige Sprachen zu lernen. Da in Hamburg durch Herrn Profeſſor Büſch eine Handlungs⸗Akademie oder Schule mit großem Nutzen errichtet iſt, ſo könnte man deren Einrichtung zum Muſter nehmen und allenfalls nach hieſigen Localumſtänden abändern.
Künftige Landleute erhielten eine theoretiſche Anweiſung zur Oekonomie, ſie müßten aber zugleich die Wirthſchaftskräuter und Pflanzen kennen lernen und eine praktiſche Anleitung zu den Handgriffen des Acker⸗ baues erhalten. Beſonders müßte man alle Ackermaſchinen haben und in ihrer Gegenwart Experimente damit machen. Sie würden dadurch mit dem Wert und Unwert derſelben ohne eigene anzuſtellende koſtbare Verſuche bekannt werden, ehe ſie die Hand an den wirklich ausübenden Feldbau legten.“
Freilich ſuchten im vorigen Jahrhundert doch nicht nur ſolche Arten von Schulen eine Unterweiſung zu ver⸗ mitteln, wie ſie der höhere Bürgerſtand erforderte, ſondern es wurden auch hier und da mit den lateiniſchen Schulen Re⸗ alklaſſen verbunden, die ohne Latein eine allgemeine Bildung vermitteln ſollten. Vielfach gingen dieſelben auf die Anregungen zurück, die durch Francke und ſeine Nachfolger in Halle gegeben waren, wie z. B. die durch den Rektor Dr. Konrad Mel im Anfang des vorigen Jahrhunderts am Gymnaſium zu Hersfeld getroffenen Einrich⸗ tungen. Beſonders intereſſieren dürfte in dieſer Richtung ein Schriftchen des Direktors Fiſcher vom Dom⸗Gymna⸗ ſium zu Halberſtadt(1788 bis 1800):„Die Halberſtädtiſchen Schulen im Jahre 2440, ein Traum,“ in dem er nur die Domſchule als gelehrte Schule fortbeſtehen, an die Stelle der Martini⸗ und Johannis⸗Schule jedoch eine gute Bürger⸗ und Stadtſchule treten laſſen will. Dieſe geſunde Idee, die ſich ſchon jetzt Bahn gebrochen hat, entſtammte ebenfalls den pädagogiſchen Beſtrebungen in Halle, denn Fiſcher hatte bei Semler ſtudiert und hatte in Halle zuerſt an der Knabenſchule, ſeit 1767 an der lateiniſchen Hauptſchule und ſeit 1769 am Pädagogium der Francke'ſchen Stiftungen unterrichtet und war 1775 durch Gleim nach Halberſtadt gezogen. Von ſeinem Nachfolger J. C. C. Nachtigal wurde dann am 3. September 1801 eine Erweiterung des Unterrichtsziels der Anſtalt dahin aufgenommen, daß ſie nicht nur zu den akademiſchen Studien vorbereiten, ſondern auch die allge⸗ meine Bildung für diejenigen höheren Stände mitteilen ſollte, für die es der Fakultätsſtudien nicht bedurfte. In ſeinem Berichte an den preußiſchen Civilgouverneur ſagt er ſpäter noch deutlicher:„Das Gymnaſium umfaßt 5 Klaſſen und verfolgt das Ziel: 1.) für die Akademie vorzubereiten, 2.) die allgemeine Bildung denen zu geben, die ohne akademiſche Studien in die höheren bürgerlichen Verhältniſſe übergehen wollen.“(Richter, Progr. Domgymnaſium zu Halberſtadt 1876.) In Wismar formte der Rektor Prof. Groth im Jahre 1798, da er einſah, daß eine reine Lateinſchule unter den damaligen Verhältniſſen nicht haltbar war, die 2 untern Klaſſen der Schule zu Bürgerklaſſen ohne alte Sprachen um, während er die oberen Lateinklaſſen bleiben ließ. Jene beiden hatten fol⸗ genden Lehrplan: Deutſch 2;2, Franzöſiſch 4;4, Religion 2, Rechnen 4;2, Mathematik 1;0, Naturgeſchichte 1;1,
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