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Aber ich mõchte glauben, daß es ihm auf die Dauer nicht möglich sein wird, zwei alte Sprachen in der bisherigen Ausführlichkeit zu betreiben. lIch muß gestehen, daß mir die Ausführungen des Gymnasialdirektors Neubauer in seinem schon oben angezogenen Schriftchen„Die Zukunft des Gymnasiums“ durchaus richtig erscheinen, wenn ich auch mit ihm die starke Zurückdrängung der griechischen Sprache bedauere. Aber sie wird erforderlich werden, da nach dem Kriege der Ruf nach dem„englischen Gym— nasium“ noch viel lauter und dringlicher erschallen wird als bisner. Wir erwarten und hoffen sicher, daß es unseren unvergleichlichen Truppen gelingen wird, unsere Haupt- gegner, die Engländer, zu besiegen. So manches glänzendes Vorspiel haben unsere Schiffe zu und unter Wasser und in der Luft schon dargeboten. Aber wir müssen sie auch in den Künsten des Friedens niederzwingen, wir müssen ihnen die Alleinherrschaft im Welthandel, den sie sich durch diesen frevelhaft heraufbeschworenen Krieg für alle Zeit zu sichern hofften, endgültig entreißen. Dazu ist eine ein-— gehende Kenntnis ihrer Sprache notwendig, eine solche Beherrschung, daß man nicht nur ihre Zeilen, sondern— was bei ihnen besonders wichtig ist— auch zwischen den Zeilen zu lesen imstande ist. Ahnliches gilt auch von der franzõôsischen Sprache, die nicht nur in Frankreich und den von ihm beeinflußten Ländern, sondern von alter Zeit her in allen gebildeten Kreisen des Ostens herrscht. Ferner tritt mit immer größerem Nachdruck auch die Kenntnis der russischen Sprache als Erfordernis auf, die in einer Anzahl von östlichen höheren Schulen aus dem eben an-— gegebenen Grunde an die Stelle der englischen treten muß. Dabei darf der Neusprachler ja nicht den hohen erziehlichen Wert, der auch den neueren Kultursprachen und ihren Literaturen inne wohnt, vernachlässigen, wenn auch mit der neueren Methode das Sprechen dieser Sprachen be— sonders zu betonen ist. Natürlich muß auf Gymnasien


