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Lehrer, der Liebe zu seinem Berufe empfindet,— und andere sollte es gar nicht geben— wird nicht in diesen Fehler verfallen, wenn ihm auch einmal in seinem Eifer ein derbes Wort entschlüpfen sollte. Der Schüler muß gezwungen werden, auch Arbeiten sorgfältig zu erledigen, die ihm nicht liegen; nur so kann das ethische Ziel aller Erziehung, die freie Hingabe an die Erfüllung der Pflicht, erreicht werden. Wie Mann und Frau jetzt ihre Schuldig- keit in vollem Maße erfüllen, dient uns zur Freude und Genugtuung. Jeder weiß, was seines Amtes ist, und so darf wohl auch der Hoffnung Raum gegeben werden, daß in Zukunft das zu weit gehende Emanzipationsstreben bei den deutschen Frauen keinerlei Anklang finden wird. Un— sere Aufgabe ist, das zu erreichen, was nach Gustav Frenßsen unser Vaterland groß gemacht hat: Pflichttreue des einzelnen Mannes und hohen Mut. Gelingt es, unserer Jugend beizubringen, daß das höchste Glück des Menschen nicht in dem grôßsten Genusse, sondern in der freien Pflicht-— erfüllung besteht, dann können wir mit dem unlängst in Jena verstorbenen Justizrat Ernst Harmening aus frohem Herzen singen:
Laßst das Banner sich entfalten,
Laßst es hoch im Winde wehn! Deutsches Volk kann nur als Sieger Aus dem Ehrenkampfe gehn.
Wenn dann ewgen Friedens Palme Deutschland in der Rechten hält, Jubelt:„Deutschland über Alles, Über Alles in der Welt!“
Jena, an Kaisers Geburtstag 1915.


