Aufsatz 
Lehren des Weltkrieges für die höheren Lehranstalten / von Karl Knabe
Entstehung
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Ein anderes Erfordernis ergibt sich für uns in größerer Selbstachtung. Seit alter Zeit sind wir gewöhnt, alles Ferne, Fremde hôher zu achten als das Eigne, Einheimische. Der ist nicht weit her, das Wort drückt so recht unsere Gesinnung aus, die alles von außen an uns herangebrachte Wesen als ein höheres, besseres anstaunte. Es entspringt dieses aus einem edlen Grundzuge unseres Charakters, der das Gute nimmt, wo er es findet, der gegen das unge wohnte, auswärtige Gebilde gerecht sein will.Aber sei nicht allzu gerecht, hat schon Klopstock den Deutschen zugerufen,sie merken nicht, wie schön dein Fehler ist. Das Ausland hält es für Schwäche, für Sklavensinn, wenn man das Fremde dem Heimischen vorzieht. Wie haben wir die Feinheit und Ritterlichkeit der Franzosen gelobt, wie waren wir entzückt von der Wahrheitsliebe und dem edlen Freiheitssinn der Engländer! von den Russen, Japanern, Serben, Montenegrinern usw. usw. brauchen wir hier nicht zu sprechen und was haben uns die letzten Monate gezeigt? Einen tiefen Abgrund von moralischer Versunkenheit, hoch getürmte Berge von Heuchelei, Lüge und Gemeinheit, von denen wir uns schaudernd abwenden. Nein, das deutsche Volk hat es nicht nõtig, staunend und anbetend vor anderen Völkern auf den Knien zu liegen. Mõge England und Frankreich in mancher Beziehung an äußerer Zivilisation uns auch vielleicht überragen, an innerer Kultur steht Deutschland turmhoch über ihnen. Diese größere Selbstachtung muß sich auch in einer besseren Reinhaltung unserer Sprache äußern, worin uns Klopstock ebenfalls schon als Mahner dienen kann. Größe, Wahr haftigkeit und Ursprünglichkeit, so führte Rudolf Eucken in einem geistvollen Vortrage aus, sind die Hauptzüge des deutschen Lebens, sie zusammen haben einen ganz eigen- tümlichen ldealismus deutscher Art ausgebildet. Mit gutem Grunde hat vor hundert Jahren Fichte uns das Volk des Gemüts genannt. Er wollte damit sagen, daß die Inner-