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ein selbstverständliches Verlangen, daß jeder Gebildete mit den wichtigsten grammatischen Gesetzen seiner Mutter- sprache vertraut ist. Dazu muß der Grund in der Unter— stufe gelegt werden. Aber es liegt hier die Gefahr sehr nahe, daß die deutsche Grammatik nur als Knecht der fremden Sprachen benutzt wird, wenn, wie es die Lehr— pläne wünschen, Deutsch und Französisch oder Lateinisch in einer Hand liegen. Häufig genug wird dadurch die deutsche Stunde zu einer fremdsprachigen, indem Erschei- nungen gelehrt werden, die im Deutschen gar keine Rolle spielen, ja der deutschen Sprachlehre an sich widersprechen. Aber auch im Interesse einer richtig verstandenen formalen Bildung ist es, einen Einblick in den geregelten Aufbau der Muttersprache zu gewinnen.
Eine fernere besondere Aufgabe des deutschen Unter-— richts an Realanstalten ist die, den geschichtlichen Sinn zu wecken und zu pflegen. In den Oberrealschulen werden vielfach Lehrfächer getrieben, die sich fast ausschließlich auf die Gegenwart beziehen. Das ist ganz besonders in der Mathematik und den Naturwissenschaften, die hier und am Realgymnasium eine beachtenswerte Stellung ein— nehmen, der Fall, wenn es natürlich auch hier an histo— rischen Notizen nicht ganz fehlt. In den neuen fremden Sprachen wird ja auch die ältere Literatur etwas gepflegt, aber je mehr auf das Sprechen der Sprachen und auf die Erkenntnis von Land und Leuten Wert gelegt wird, desto mehr tritt auch hier der Gegenwartskultus hervor. So ist es denn erklärlich, daß sich eine ziemliche Unkenntnis und daraus entspringende Mißachtung der Vergangenheit ent— wickelt, die einer vollen Durchbildung widerspricht. Der Geschichtsunterricht allein ist natürlich nicht imstande, eine geschichtliche Bildung zu erzeugen, vielmehr kann hier das Deutsche mit eintreten. Zunächst muß durch den deutschen Unterricht eine genaue Kenntnis der Antike ver-— mittelt werden. In einer lateinlosen Quarta und Ober- sekunda schwebt der Geschichtsunterricht völlig in der


