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die Gymnasien ausgeschlossen, weil bei der Schwierigkeit des Fachs an diesen Anstalten eine größere praktische Erfahrung, als dem Verfasser zu Gebote steht, erforderlich erscheint. Ferner ist zu betonen, daß in erster Linie die Oberrealschulen, die sich ja in der günstigsten Lage be- finden, berücksichtigt sind, daß aber die meisten Aus— führungen auf die Reform-Realgymnasien, die sich immer mehr vermehren, in entsprechender Weise zutreffen. Diese Anstalten zählen in Ol bis UIIl einschl. je 3, in IV: 4, in V: 3, in VI: 4, zusammen 29 deutsche Stunden.
Als Grundsatz hat nun zu gelten, daß das Deutsche in Verbindung mit den anderen ethischen Fächern, der Religion und der Geschichte, an diesen Anstalten den Mittelpunkt des gesamten Unterrichts bilden muß. An diesen schließen sich auf der einen Seite die fremdsprach- lichen und auf der anderen Seite die mathematisch-natur- wissenschaftlichen Lehrfächer an. Schon Alex. Wernicke hat mehrfach diese Forderung für die Oberrealschule auf-— gestellt: Deutsch ist das Mittelstück, die fremden Sprachen sind das eine, Mathematik und Naturwissenschaften das andere Flügelstück. Nun wird gewöhnlich von allen deutschen Lehranstalten behauptet, daß das Deutsche im Mittelpunkte des Unterrichts stehen soll, indem ja jede einzelne Stunde eines jeden Fachs zugleich eine deutsche Stunde sein soll. Aber dies ist nicht zutreffend, vielmehr ist häufig genug sogar das Gegenteil der Fall, daß nämlich die deutschen Stunden vielfach anderen Fächern dienstbar gemacht werden. Wir meinen deshalb, daß das Deutsche an Unterrichtszeit und an Fülle des Lehrstoffs so reich ausgestattet werden muß, daß es das wirkliche Kernstück der Erziehung und Unterweisung bildet. Dann ist die Aufgabe der Realanstalten, eine nationale und humane Bildung zu erzielen, erfüllbar. In diesem Fache muß namentlich auch, wie der ausgeführte Lehrplan unserer Schule verlangt, dem Gemüte der Schüler Nahrung zuge- führt werden. Ferner hat der deutsche Unterricht auf die


