Aufsatz 
Ueber den deutschen Unterricht an Realanstalten / von Karl Knabe
Entstehung
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Letzterer hattedie Notlage des deutschen Unterrichts¹ in scharfer Weise beleuchtet. Er hat die Unzulänglichkeit der Stundenzahlen für den deutschen Unterricht namentlich am Gymnasium betont und in der Sexta 6 und in allen übrigen Klassen 5 Wochenstunden verlangt. Für die ganze klassische deutsche Blüteperiode steht in den beiden Primen nur genau so viel Zeit zur Verfügung wie für den einen Hloraz! Und die neuere deutsche Literatur tritt überhaupt nicht in die Erscheinung. Die gewaltige deutsche Geistes- arbeit der letzten fünf Menschenalter, die wiederhergestellte Verbindung mit der deutschen Vergangenheit erlaubt uns, unsere völkischen Ziele so hoch und so weit zu stecken, als es je eine Nation vermochte. Dann wird es Zeit, unsere Bildung auf unsere nationale deutsche Kultur zu begründen. Es ist nicht wahr, daß unsere Kultur nur aus den beiden bedeutenden Zuflüssen: der Antike und dem Christentum, gebildet ist, vielmehr hat unser eigenes Volkstum viel mit dazu beigetragen. Die wertvollen Elemente der beiden großen Ströme haben wir mit dem eigenen Deutschtum verbunden und so eine Bildung erzeugt, die gewiß als Grundlage aller Erziehung dienen kann und muß. Unser deutsches Geistesleben muß stärker als bisher auf völkische Grundlagen gestellt werden. Aus derartigen Erwägungen ist am 29. Mai 1912 durch die Bemühungen Sprengels in Ver- bindung mit Direktor Bojunga und Professor Panzer ein deutscher Germanisten-Verband gegründet worden, der am 29. September in Marburg seine erste Tagung unter dem Vorsitz von Prof. Elster abhalten wird. Ihm sei im Interesse unserer höheren Schulen und unseres ganzen deutschen Vaterlands der beste Erfolg gewünscht!

4. Einige Gedanken über den deutschen Unterricht an Realanstalten.

Wenn im Folgenden über den Unterricht im Deutschen

an Realanstalten gesprochen werden soll, so sind erstens

1) Berlin 1909.