Aufsatz 
Ueber den deutschen Unterricht an Realanstalten / von Karl Knabe
Entstehung
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schlossen sind, daß mehrere Arten höherer Schulen zu einem gleichen Ziele führen, so ist es' doch wohl aus geschlossen, die Eigenart in einer Annäherung an den Zu stand vor 100 Jahren zu finden. Denn eine jede Art von höherer Lehranstalt muß natürlich mit der Zeit und der Wissenschaft fortschreiten. So wird man auch hier wie überall im Leben nur zu einem Kompromisse gelangen können.

Ganz besondere Schwierigkeiten liegen heute auf dem Gebiete des deutschen Unterrichts vor. Die Ansprüche an diesen sind in den letzten hundert Jahren ganz erheblich gewachsen. Hier haben sich vor allem die Aufgaben ge häuft, hier harren die Probleme der Lôsung, drängen die ldeale zur Erfüllung. Unsere hervorragende Literatur auf künstlerischem und wissenschaftlichem Gebiete, die sich stets steigernden Ergebnisse der germanistischen und Literatur-Wissenschaft, die Forschungen zur Volkskunde, die Notwendigkeit eines guten mündlichen Gebrauchs der deutschen Sprache, der Ausbau unserer philosophischen Weltanschauung und anderes verlangen gebieterisch eine ge- wisse Berücksichtigung im höheren Jugendunterricht. Dazu kommt, daß den Schülern auf den Gymnasien ein Einblick in die englische Literatur, namentlich Shakespeare, auf den Realanstalten aber eine Einführung in die griechischen und bezw. in die römischen Geistesschätze gewährt werden muß.

So liegt denn die Frage nahe, ob die höheren Schulen imstande sind, allen diesen Aufgaben nur einigermaßen gerecht zu werden. Dem deutschen Unterricht stehen nach

den neuesten Lehrplänen von 1901 zur Verfügung:

in OI, UI, OII, UII, OIII, UIII, IV, V, VI, zusammen: am Gymnasium 3 3 3 3 2 2 3 2 3 24 Std. am Realgymnasium 3 3 3 3 3 3 3 2 3 26 an der Oberrealschule 4 4 4 3 3 3 4 3 4 32

wozu in VI und V noch je 2 Stunden Geschichtserzählungen hinzutreten. In den methodischen Bemerkungen heißt es dann:Der Unterricht im Deutschen ist neben dem Unter- richt in der Religion und in der Geschichte der erziehlich