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zu gewinnen, dem Volke geistige Klarheit zu bringen. Und dann besaß endlich im Jahre 1687 Thomasius die unerhorte Kühnheit, der deutschen Sprache in der gelehrten Welt die Bahn frei zu machen und damit den Grund dazu zu legen, daß sie auch in den hôheren Schulen zur Unterrichts— sprache wurde.
Jetzt begannen sich auch andere Schularten neben den Lateinschulen zu entwickeln, die dem deutschen Unterricht ein mehr oder weniger bescheidenes Plätzchen einräumten: Die Ritterakademien und die Realschulen.
So war der Grund zum deutschen Unterricht gelegt, auf dem sich die Großtaten des achtzehnten Jahrhunderts aufbauen konnten. Klopstock lehrte, daß die deutsche Sprache des erhabensten Ausdrucks fähig war, und Wieland zeigte, daß sie auch elegant und lieblich sich äußern konnte. Während dann Lessing sie als Mittel zu scharfem Denken und strengem Aufbau benutzte, hat Herder den poetischen Zauber der Natursprache aufgezeigt. Schiller und Goethe aber haben dann durch ihre Werke unsere Sprache in der Wertschätzung neben die Antike gestellt und mit ihnen ein wertvolles Gefäß herrlichsten Inhalts geschaffen, das allen Bewunderung und Achtung einflößte¹).
Dazu kam, daß die gewaltigen Taten Friedrichs des Großen das nationale Empfinden lebhaft anregten, sodaß es vielfach in deutscher Sprache zum Ausdruck kam. Aber noch vielmehr wurde das nationale deutsche Empfinden unter dem Drucke der franzõsischen Fremdherrschaft ver- tieft. Die Romantik hatte den Sinn für das deutsche Mittelalter geweckt und zugleich den Sinn für das Volks- tümliche gestärkt. Auf ihrem Boden erwuchs dann nun endlich die deutsche Philologie, die Germanistik. Die historische Sprachforschung verband sich mit dem Studium der deutschen Literatur, des deutschen Rechts und der deutschen Mythologie. So hat sich zu Anfang des neun—
2) A. Matthias a. a. O. S. 199.


