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Aber auf anderen Gebieten muß doch schon im Nittel- alter ein deutscher Unterricht bestanden haben, sonst wäre der Minnesang und der Meistergesang, die Anwendung der deutschen Sprache in dem alten Lübischen Recht aus dem Jahre 1158, in dem Magdeburger Recht vom Jahre 1188, im Sachsen- und Schwabenspiegel aus den Jahren 1215 und 1275 und in zahlreichen, im 14. Jahrhundert immer mehr anwachsenden Stadtrechten und Kaiserurkunden nicht zu erklären. Adolf Matthias¹) weist besonders noch auf die schönen deutschen Prosadenkmäler der Mystiker und die deutschen„Rhetoriken“ hin.
Wieder griff eine mächtige Persönlichkeit ein, von deren Wirken ein völliger Umschwung zugunsten des deutschen Unterrichts zu erwarten war: Luther schuf durch seine Bibelübersetzung in der deutschen Sprache das beste nationale Bildungsmittel, er legte auch durch sein deutsches Kirchenlied, durch seine Sprüche und Fabeln den Grund zu einer volkstümlichen Literatur. Aber durch den Bund der Reformation mit dem Humanismus wurde jede der-— artige Hoffnung vereitelt. Die größten Rektoren wie Valentin Trotzendorf und Johann Sturm haben in ihren berühmt ge- wordenen Schulen zu Goldberg in Schlesien und zu Straß- burg im Elsaß den Gebrauch der deutschen Sprache voll- ständig verboten. Erst spät drang Luthers Sprache in die Kreise der Gebildeten ein. Dann wirkten die Sprach- gesellschaften und die pädagogischen großen Reformer Ratke und Comenius für die Muttersprache. Aber ihrer An- regung stellte sich der dreißigjährige Krieg und das An— sehen, das Frankreich und seine Sprache in Deutschland gewann, hemmend entgegen. Erst dem Pietismus und der deutschen Aufklärung gelang es, wie Wegener²) schön dar- legt, der Muttersprache eine größere Geltung zu verschaffen, ersterem aus religiösen Gründen, letzterer, um ein Mittel
1) Geschichte des deutschen Unterrichts. S. 10. 2) Zur Geschichte des deutschen Unterrichts. Greifswalder Programm 1906, S. 3 ff.


