1. Geschichtlicher Rückblick auf den deutschen Unterricht.
Nach Einhards Bericht¹) hat Karl der Große die alten deutschen Heldenlieder gesammelt, eine deutsche Grammatik beginnen, eine UÜbersetzung des Vaterunsers und der Evan- gelien in Angriff nehmen lassen, den Monaten und Winden deutsche Benennungen gegeben und im Jahre 813 auf dem Konzil zu Tours den Geistlichen gebieten lassen, deutsch zu predigen und zu unterrichten. Daraus ist schon zu schließen, daß von einem deutschen Unterricht vor und zu seiner Zeit nicht die Rede war. Aus den furchtbaren Um- wälzungen, welche die Vôlkerwanderung bewirkt hatte, waren zwar die Germanen als Sieger hervorgegangen, da sie überall auf dem Gebiete des weltbeherrschenden römischen Kaiserreichs neue Staaten aufgebaut hatten. Aber auf geistigem Gebiete blieben die Unterworfenen Sieger. Die Kultur der Römer und die Lehre des Christentums wurden von den unverdorbenen empfänglichen germanischen Vôlkern in und mit der römischen Sprache übernommen. So konnte auch Karls des Großen Anregung nicht Wurzel fassen, und mit seinem Tode ging jedes Bestreben nach nationaler Bildung unter. Romanischer Geist und lateinische Sprache be- herrschten Unterricht und Bildung vollständig während des ganzen Mittelalters.„Die deutsche Sprache aus dem Kreise der Schule und der Gelehrsamkeit ganz auszuschließen, war der offen ausgesprochene Zweck der damaligen Schulmänner. Latein sollte die einzig gestattete Sprache in der Schule sein, womöglich gleich von der untersten Klasse an.R¹²)
1) Leben Karls des Großen. Kap. XXIX. 2) R. v. Raumer, Geschichte der Pädagogik III’, S. 106.


