Aufsatz 
Das römische Mainz
Entstehung
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22. Nach Mainz kam(70) die legio XIIII, welche nun zum Beinamen gemina noch Martia victrix setzte, zurück, und während Cerialis am Unterrhein kriegte, war dahier Annius Gallus, von dessen Statthalterschaft weiter nichts bekannt ist. Cerialis scheint in Untergermanien geblieben zu sein.

Bald darauf, noch vor dem Jahre 74, wird Cneius Pinarius Cornelius Clemens 1²6) Legat über beide Germanien. Wegen eines Sieges in Germanien hat er die Triumphalzeichen erhalten(im erwähnten Jahre zwischen Februar und 21. Mai).

Von nun an wissen wir weniger von den Legaten Obergermaniens, ja, die Namen derselben fehlen oft, indem die Geschichtschreiber nur selten und gelegentlich ihrer gedenken. So wissen wir sogleich nicht, wie lange Pinarius am Rhein war, oder wer ihm gefolgt ist.

Lucius Antonius Saturninus war Legat in Mainz, als Kaiser Domitianus einen Feldzug gegen Germanien(84) unternehmen wollte; es sollte den Chatten gelten, woraus hervorgeht, dass Domi- tianus in Mainz seine Rüstungen machte. Er fiel mit den Truppen in Deutschland ein, lieferte den Chatten einige Treffen, scheint aber keine Gefangene gemacht zu haben, sondern nahm zu seinem Triumph erkaufte Leute, auf deutsche Art gekleidet; er soll den Grenzwall im südwestlichen Deutschland begonnen haben. Vier Jahre darauf empörte sich Antonius 1²⁷) und gewann hiezu ausser seinen Legionen die jenseitigen deutschen Stämme, namentlich die Chatten. Sogleich schickte der Kaiser den Lucius Appius Maximus nach Germanien; da rief Antonius die Deutschen heran; sie wollten auch über den zugefrornen Rhein kommen; aber gerade als sie an das Ufer kamen, löste sich das Eis 12s), und so wurde Antonius von Maximus in einer Schlacht besiegt und getödtet. Dem Sieger gereichte es zum Lobe, dass Niemand weiter in Schaden kam. Am Oberrhein scheint Maxi- mus als Statthalter geblieben zu sein 125).

M. Ulpius Traianus, der nachmalige Kaiser, kam(95) unter Domitian nach Germanien 130), wahrscheinlich nach Obergermauien. Thätig und kriegerisch liess er es an einem Angriff gegen die Deutschen nicht fehlen; dass er siegte 131¹), ist gewiss, diess geschah noch unter Kaiser Nerva, welcher dieses Sieges wegen den Beinamen Germanicus annahm. Dadurch scheint der Kaiser auch bestimmt worden zu sein, den Traianus, den er fast nicht kannte, zu seinem Nachfolger zu ernennen. Von nun scheint Traianus auch die Verwaltung des Niederrheins überkommen zu haben(97), denn als Nerva starb(25. Januar 98), war er in Köln. Um diese Zeit scheint Traians Schwager, Lucius Servilius Aelius Servianus, am Oberrhein commandirt zu haben. Traian blieb noch ein ganzes Jahr am Rhein, und von seiner Verwaltung zeugen sowohl am Nieder- als Oberrhein manche Nachrichten und Ueberreste. Am Unterrhein hat Xanten nach ihm auch den Namen colonia Traiana; im decumatischen Land heisst Baden-Baden civitas Ulpia u. a. m. Berühmt ist

zum erstenmale in den alten Schriftstellern der Name NMogontiacum vor; doch was wir bisher über Mainz erzählten, hat sich sicher hier zugetragen.

126) Er war im J. 65 Legat in Africa und etwa im J. 67 consul suffectus. Vgl. Aschbach in Bonn. Jahrb XX. S. 43.

127) Die Empörung war im Winter 88 89; vergl. Lichhorst in Neue Jahrb. 1869, S. 354 ff.

128) Also war bei Mainz keine steinerne Brücke, wie Fuchs u. Andere annahmen. Mich wundert, dass Fuchs, der(I. 500) erzählt, wie der Eisgang die Deutschen zurückgehalten habe, eine Seite vorher meint, Domitianus sei über die Brücke ins Chattenland gesetzt.

129) Er heisst in einer Inschrift in Rom(Gr. 359. 5) confector belli germanici. Unrichtig meint Fuchs. II. S. 225, dass Appius 14 Jahre, bis 102, in Mainz Statthalter gewesen.

130) Früher scheint schon Traianus in Mainz gewesen zu sein, denn er war legatus der XXII. Legion, die in Mainz stand.

131) Dies zeigt eine Münze dieses Jahres mit der Aufschrift VICTOR. GERM Auch kann man aus Tacit. Germ. 37, folgern, dass im zweiten Consulate des Traianus, d. i. im J. 98, Deutschland besiegt wurde. Ueber das munim. Traiani s. Frank im Hess. Archiv XII, S. 38.