Aufsatz 
Das römische Mainz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

27

den beiden germanischen Provinzen. Die Batavi, auf den Inseln des Unterrheins wohnend, längst mit der Herrschaft der Römer unzufrieden, glaubten jetzt, wo so wenige Truppen am Rheine lagen, Gelegenheit zur Befreiung zu finden, und erhoben die Waffen unter Claudius Civilis, der, aus königlichem Geschlecht stammend, thätig und verständiger war, als sonst Barbaren zu sein pflegen. Dieser, einsehend, dass eine offene Empörung nicht glücke, gab vor, er kümpfe gegen Vitellius für Vespasian. Dadurch hielt er sowohl den Hordeonius von einem Angriffe gegen sich ab, als er auch verschiedene Truppen und Führer gewann. Als nun Vitellius von des Vespasianus' Heere zu Cremona besiegt und am 21. December elendiglich in Rom ermordet war, verlangte Hor- deonius, dass die Aufrührer, namentlich auch Civilis, die Waffen niederlegen und dem Vespasianus den Eid der Treue leisten sollten. Aber Civilis verweigerte diess und fiel nun über römische Ab- theilungen her, welche nicht überall den kürzern zogen. Dagegen kam Hordeonius in grösseren Hass, weil man einsah, dass wenn er früher gegen Civilis aufgetreten wäüre, die Sache längst den erwünschten Ausgang genommen hätte. Die Soldaten verlangten Geld, Hordeonius gab es im Namen Vespasians; trunken und berauscht rissen sie nun in der Nacht ihren Commandanten aus dem Bett und ermordeten ihn schmachvoll. Diese Meuterei machte sich Civilis zu nutze. Während er am Unterrhein die römischen Plätze eroberte, rückten seine Verbündeten, die Deutschen jenseits des Rheins, die Usipeten, Mattiaci und Chatten, vor die Stadt Mainz und umlagerten Stadt und Festung 1²2³). Bald aber erschien Dilius Vocula, der unter Hordeonius diente, mit drei Legionen, der I., IIII. und XXII., mit denen er am Unterrhein gestanden hatte, vor Mainz, worauf die Deutschen abzogen, nachdem ihnen noch einiger Verlust durch die Römer beigebracht war.

Der Aufstand des Civilis dauerte am Unterrhein fort; vergebens warnte Vocula, mit wenigen Truppen nach Köln kommend, wo der Herd der Verschwörung war; er hielt eine ein- dringliche Rede an die Empörer, wurde aber gleich darauf ermordet. Die Verschwörer kamen auch nach Mainz, vertrieben den Lagerpræfect und tödteten die widerstrebenden Kriegstribunen. Nun musste Alles auf die Herrschaft Galliens schwören, auch die Mainzer Truppen, die selbst nach der Ermordung ihrer Führer die römische Treue so lange als möglich festhielten. Die Gallier hausten jetzt fürchterlich; sie tödteten die meisten römischen Anführer, verwüsteten alle Lager am ganzen Rhein ausser zwei, Mogontiacum und Vindonissa(Windisch), wahrscheinlich weil die Mauern dieser zu stark waren, oder um Stützpunkte gegen die Angriffe der Römer zu haben. Der Aufstand nahm zuerst in Mainz eine andere Wendung an. Man hatte zwar manche Truppen von hier nach Vetera(Xanten) verlegt, aber Viele von den obengenannten drei Legionen, die zu- rückblieben, bewahrten im Herzen ihre treue Gesinnung für Rom und die picentinische ala 1²4), welche von Bonn nach Mainz kam, tödteten Vocula's Mörder, Aemilius Longinus. Bald wurden von Rom, wo Mucianus im Namen des noch abwesenden Vespasianus die Verwaltung führte, Massregeln ergriffen, um Gallien und den Rhein zu beruhigen; aus Italien kamen die VI., VIII. und XXI., aus England die XIIII. Legion, und als Quintus Petilius Cerialis, ein Verwandter Vespasians, aus Italien heranrückte, fand er Mainz beruhigt, viele der Städte bereit zur Unterwerfung, und nach manchen abwechselnden Kämpfen endete der Krieg und Aufstand der Bataver und Gallier, ohne dass man genau weiss, wie 125).

123) F.. I. S. 472, glaubt, dass eine alte Flurbezeichnung bei Bretzenheim Chattorum locus, Katten-, Katzen- loch, auf jenes Chattenlager hinweise. Auch bei Weisenau gibt's ein Katzenloch, das, weil auf der Höhe gelegen, wohl besser passe, wenn man so alte Beziehungen annehmen will.

124) Dieser ala Picentina gehörte der berühmte Grabstein von Dienheim(. 272), eine der Zierden des Museums an, s. Anm. 92; ein Grabstein in Kastel(Z. 271) ist verloren. Sie fallen in diese Zeit.

125) Diese zwei Jahre haben eine ausführliche Darstellung gefunden in den fünf Geschichtsbüchern des Tacitus; wir haben nur, was sich auf Mainz bezog, daraus hier angemerkt. Hier(hist. IV. 15) kommt auch