Aufsatz 
Das römische Mainz
Entstehung
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des Nero, nun alt, der Esssucht übermässig ergeben, daher sehr dick und abscheulich von Gestalt; doch, von geheimer Herrschsucht getrieben, wusste er sich die Soldaten zu gewinnen, indem er vielen, die Galba entlassen hatte, ihre Stellen wieder gab, manche Erleichterungen schaffte, an- deres billig entschied u. s. w. Inzwischen verbreitete sich unter den Soldaten der Wunsch, einen andern Kaiser sich zu wählen; sie dachten an Rufus, Hordeonius, Vitellius. Auch die benachbar- ten Stämme Galliens theilten jenen Wunsch. Die Lingonen(um Langres) schickten Gesandte nach Mainz, und indem sie den Soldaten Hände(silberne, bronzene) als Zeichen der Einigkeit schickten, erfüllten sie die Strassen des Lagers mit Klagen, dass Hordeonius ihnen wegzugehen befahl. Das erregte neuen Lärm und festeres Aneinanderschliessen der Unzufriedenen.

21. Als am 1. Januar(69) die Soldaten des Niederrheins dem Kaiser Galba den Eid erneuern sollten, zögerte man zwar und manche Soldaten der leg. I. und V. warfen mit Steinen auf Galba's Bild, die XV. und XVI. murrten laut, aber es kam nicht zum Ausbruch. Dagegen in Mainz, wo die IIII. und XXII. Legion im Winterquartiere lagen, entstand offene Empörung, eifriger durch die IIII., langsamer durch die XXII.; sie zerrissen Galba's Bilder, leisteten den Eid dem römischen Senate und Volke(was längst abgekommen war). Der Legat Hordeonius sah zu und that nichts; da vier Hauptleute der leg. XXII, Nonius Receptus, Donatius Valens, Romilius Marcellus und Calpurnius Repentinus, des Galba's Bildniss beschützen wollten, wurden sie von den Soldaten ergriffen und in Banden gelegt. Und sofort eilte in derselben Nacht der Adlerträger der IIII. Legion nach Köln ¹²⁰), um dem Vitellius anzuzeigen, dass das Heer nach Verwerfung des Galba den Eid dem römischen Volke und Senate geleistet habe. Letzteres gefiel Vitellius nicht; er liess seinen Legio- nen sagen:man müsse entweder gegen die Aufrührer kämpfen, oder selbst, um Ruhe herzustellen, einen Kaiser wählen. Da rückte am andern Tag Fabius Valens, Legat der I. Legion, in Köln ein und begrüsste Vitellius als Kaiser. Bereits am 3. Januar trat das obere Heer bei 1²¹), sowie bald viele Völker Galliens, wie die Treveri(Trier), die Lingonen, welche reichliche Opfer für den neuen Kaiser brachten, Belgier u. s. w. Die oben erwähnten vier Hauptleute in Mainz wurden nun hingerichtet ¹²22). Während Vitellius, sich der Schwelgerei hingebend, an einen Zug nach Italien, um den Kaiser Galba zu besiegen, kaum dachte, wird dieser zu Rom am 15. Januar wegen seines Geizes und auf Anstiften Otho's ermordet, der sogleich zum Kaiser ausgerufen wurde. Nun musste zwischen diesem und Vitellius der Kampf entscheiden; beide zögerten, der Eine wollte in Rom bleiben, der Andere Mainz nicht verlassen. Endlich rückte Vitellius nach dem Süden, wäh- rend Hordeonius auch das Obercommando über den Niederrhein überkam; es fanden einige Tref- fen zwischen be den Heeren statt, bis Otho, bei Bedriacum(unweit Mantua) besiegt, sich selbst tödtete(16. April). Die Ruhe kehrte nicht zurück, auch nicht am Rheine. Während Vitellius sich der Schwelgerei in Rom hingab, riefen die römischen Truppen, welche Jerusalem belagerten, ihren Führer Flavius Vespasianus zum Kaiser aus, und da dieser als mässiger und gerechter Mann bekannt war, so fand er bald auch anderwärts Anklang, so in Gallien, noch nicht zwar in

120) Da die Entfernung von Mainz und Cöln(35 Stunden) diese schnelle Hin- und Herreise etwas unwahr- scheinlich macht, so will Ritter(Bonn. Jahrb. XXXIX, S. 45 ff.) das Lager der IIII. und XXII. Legion an die Nette Neuwied gegenüber verlegen. Allein die Winterlager und die Residenz des Statthalters waren in Mainz, und bei den schnellen Eilboten der Alten war die Reise nicht ganz unmöglich. Auch wollte Tacitas, dem jene Entfernung nicht ganz klar sein mochte, nur zeigen, wie schnell sich Ober- und Untergermanien vereinigte.

12¹1) Fuchs, I. S. 222 und 454 bezieht zwei Inschriften-Fragmente, von denen nicht einmal bekannt ist, dass sie an einem Orte dahier gefunden wurden, auf Calpurnius Repentinus, einen jener vier Centurionen, irrt aber von vorn herein darin, dass er das Blatt, welches eine Interpunotion bedeutet, als Ceuturionenzeichen ansieht.

122) Damnatos Jidei erimine gravissimo inter desciscentes, verurtheilt Regon ihrer Treue mit dem schwersten Vergehen bei einem Abfall, sagt Tuc. hist. I, 59.