Aufsatz 
Das römische Mainz
Entstehung
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Ihm folgte in Obergermanien Curtius Rufus 11³). Da kein Krieg geführt werden durfte, wurden die Soldaten zu Anderem verwendet; so grub man nach Silber im Lande der Mattiaci (Wiesbadener Berge, die älteste Nachricht von Bergwerkbau am Rheine); allein die Ausbeute war gering und die Versuche wurden bald eingestellt.

Sein Nachfolger war Lucius Pomponius Secundus. Er bestand einen harten Kampf mit den Chatten. Diese bedrohten Obergermanien(50). Da rüstete Pomponius, ausser der Reiterei, die Vangionen und Nemetes(Bewohner von Mainz, Worms und Speyer), ohne Zweifel, weil diese durch die Einfälle der Chatten oft viel zu leiden hatten, und theilte die Truppen in drei Theile, von denen der eine links(d. h. durch die Nassauischen Gegenden), der andere rechts(an dem Main und der Wetterau) in's Land der Chatten einfiel, während er selbst den Berg Taunus besezte. Das erste Corps überfiel die Chatten, die, von Beute beladen(also hatten sie die römischen Ge- biete 1¹⁴) geplündert), vom Schlaf überwältigt waren und befreiten, was den Römern besonders Freude machte, Einige, welche seit Varus' Niederlage, d. i. seit 40 Jahren, als Sclaven dienten; der andere Theil wurde mit den Deutschen handgemein, schlug sie und kehrte, nicht ohne viele Beute, an den Taunus zurück. Die Chatten, besiegt von beiden Seiten und im Hintergrunde die Cherusker, mit denen sie beständig in Zwist waren, fürchtend, schickten Gesandte und Geiseln nach Rom, um Frieden zu erbitten. Pomponius erlangte die Ehrenzeichen des Triumphes 11⁵5). Nun herrschte Ruhe am Oberrheine fast bis zum Ende der julischen Familie, und nun mögen zuerst die Künste des Friedens bei uns aufgeblüht sein.

Dies zeigte sich unter Lucius Antestius Vetus, dem nächsten Legaten. Wegen der friedlichen Zustände wurden grosse Bauten vorgenommen. Der Statthalter des Unterrheins, Pompeius Pau- linus vollendete den Rheindamm, den vor 68 Jahren Drusus angefangen hatte(54). Unser Statthalter, Vetus, ging mit einem grossen Gedanken um; er wollte das Mittelmeer mit der Nordsee verbin- den; er begann nämlich zwischen Mosel und Arar(die Saone) einen Graben anzulegen, wodurch Rhone und Rhein, d. i. Mittelmeer und Nordsee, verbunden würden; der Graben war bereits begonnen; als er aber das Gebiet von Belgica berührte, verhinderte die weitere Ausführung der dortige Legat Aelius Gracilis wie man glaubt, aus Neiddamit nicht die Soldaten einer andern Provinz von Obergermanien in Belgica eintreten und jener die Liebe von Gallien sich erwerbe, was für den Kaiser furchtbar sei.So werden, setzt Tacitus bei 116),ehrbare Unternehmungen verhindert.

Der folgende Statthalter war Titus Curtilius Mancia. Da am ganzen Rhein gebaut und nicht gekriegt wurde, verbreitete sich unter den Soldaten die Meinung:es sei den Legaten das Recht Krieg zu führen genommen worden. Am Oberrhein blieb fortwährend Ruhe 1¹⁷). Am Unterrhein

113) Dieser Rufus war von niederer Herkunft; da aber eine Wahrsagerin in Africa ihm weissagte, szer werde diese Provinz als Proconsul verwalten», so ging er nach Rom zurück, und wurde hier durch Talent und durch Unterstützung von Freunden bald zum Prätor vorgeschlagen, wobei der Kaiser Tiberius sagte:«Curtius Rufus scheint mir durch sich geboren zu sein. Später wurde er stolz und anmassend, erhielt die Triumphzeichen, die Verwaltung über Obergermanien und Africa, und starb hier.(Tacit. annal. XI. 21.) Dieser Curtius wird vielfach auch für den Verfasser der Lebensbeschreibung Alexanders des Grossen gehalten.

114) Da Tacit. annal. XII. 27, nichts von einem Rheinübergang der Chatten erzählt, so scheinen sie nur rechts vom Rhein geplündert zu haben. Vgl. Stälin, Wirtenb. Gesch., S. 13.

115) Dieser Pomponius war ein tragischer Dichter, und Plinius hat sein Leben beschrieben; welche Schrift nicht erhalten ist, wie auch des Pomponius Werke nicht auf uns kamen.

116) Annal. XIII. 53.

117) Die Deutschen jenseits hatten sich allmälig vom Rhein zurückgezogen, und wie Tac. sagt(Germ. 29): levissimus Gallorum et inopia audaæ besetzte diese Landstrecke zwischen Main, Rhein und Donau, welche agri decumates genannt wurden. Noch jetzt bezeugen Inschriften daselbst diese Einwanderung der Gallier. Das Land gehörte zu Obergermanien.