Aufsatz 
Das römische Mainz
Entstehung
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ankläger nicht, doch rettete er sich durch offenes Auftreten. Als Abudius Ruso ¹0⁶), der unter ihm einer Legion vorstand, ihn anklagte, weil er des gestürzten Ministers Seianus Sohn sich zum Eidam bestimmt hatte(35), wurde Ruso verurtheilt und verbannt, denn Gætulicus schrieb an den Kaiser:Die Verschwägerung mit Seianus sei nicht von ihm aus eigenem Antrieb, son- dern auf Anrathen des Kaisers selbst gesucht worden; er hätte sich so wie Tiberius täuschen können, und nicht dürfe derselbe Irrthum, jenem ohne Schaden, Anderen zum Verderben gereichen. Seine Treue sei unverletzt und werde, wenn man nicht nachstelle, verbleiben; einen Nachfolger werde er nicht anders als eine Todesverkündigung annehmen. Sie beide sollten ein Bündniss machen, wornach der Kaiser die übrige Herrschaft besässe, er die Provinz behalte 107). Das Schreiben schien Manchem unglaubwürdig; doch war Gætulicus der einzige von Seianus' Verwand- ten, der ungekränkt und in Gunst verblieb. Wenn also auch Tiberius ihn schonte, Caligula that es nicht. Als dieser eine Reise nach Germanien unternahm, tödtete er den Geætulicus aus keinem andern Grunde, als weil er bei den Soldaten sehr beliebt war 10s).

19. Unmittelbar folgte als Statthalter Servius Sulpicius Galba, der nachmalige Kaiser. Gleich am andern Tage, als er zu den Legionen kam, verbot er den Soldaten bei einem feierlichen Schau- spiele 10) zu klatschen, damit sie ihre Hände im Kriegsmantel behielten, wesshalb die Soldaten sogleich spottweise die Aufforderung machten:Soldat, lerne kriegen; Galba ist's, nicht Gætulicus. Er war gleich streng gegen die jungen und alten Soldaten, jagte auch die Deutschen 11¹⁰) zurück. die in Gallien eingefallen waren, und zeigte seine Ausdauer in den Uebungen, indem er, mit Schild geschmückt, einen Marsch der Soldaten von 20,000 Schritten vor dem Wagen des Kaisers mitmachte. Als Caligula ermordet wurde(41), wollten Manche den Galba zum Kaiser erheben, aber er zog die Ruhe vor und wurde dadurch vom neuen Kaiser unter die Zahl der Freunde aufgenommen. Auch scheint er am Feldzug des Kaisers nach Britannien Theil genommen zu haben, da berichtet wird, dass dieser Feldzug wegen einer Krankheit Galba's verschoben wurde 11¹). Damals kam die leg. XIIII nuch Britannien und an ihre Stelle ist die leg. IIII Macedonica hier eingerückt, welche bis zum Jahr 70 dahier bplieb.

Als Galba kurz darauf nach Rom zurückgerufen wurde, überkam der Statthalter von Unter- germanien, Gaius Domitius Corbulo, auch das Commando über den Oberrhein. Dieser, ein strenger Mann, reizte durch seine Härte die Chauci(zwischen der Ems und der untern Elbe) und Frisen zu einem Aufstande, den er schnell unterdrückte, aber der Kaiser befahl die Besatzungen über den Rhein zurückzuziehen. Als Corbulo dies den Soldaten mittheilte, rief er nur:Glücklich die früheren Feldherren der Römer! Nun liess er einen Graben zwischen der Maas und dem Rhein in einer Länge von 23,000 Schritten(Vliet bei Leyden) von den Soldaten anlegen. Sofort wurde er zurückgerufen und erhielt die Ehrenzeichen des Triumphs 11²).

106) Fuchs I. 105 und 422, meint, dass die ala equitum Rusonis, welche auf einer dahier im J. 1731 gefundenen, nun in Mannheim befindlichen Inschrift(Lehne 278) vorkommt, nach diesem Ruso den Namen führe. Dies kann allerdings sein, wenn man annehmen will, dass Ruso, ehe er in Germanien eine Legion anführte, ein Freicorps unter seinem Namen geworben habe.

107) Tacit. annal. VI. 30.

108) Dio. 59, 22. Andere geben an, Gätulicus hätte an einer Verschwörung gegen den Kaiser Theil genommen; Suet. Claud. 19; Marini arval. tab. 7.

109) Also war damals schon ein Theater in Mainz.

110) Suet. Galba, 6. Unter den Deutschen sind die Chatten zu verstehen, welche er im J. 41 besiegte, nach Cassius 60, 8.

111) Suet. Galba, 7.

112) Taeit. annal. XI. 19 f. Unter Claudius: Regierung diente Vespasian in Germanien(Suet. Vesp. 4); es ist aber nicht bestimmt, ob in Unter- oder Obergermanien; ich meine, im unteren,