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Der Eichelstein ist das Denkmal, welches die Soldaten dahier ihrem Drusus setzten ⁹⁹), als der- selbe bei seinem letzten Feldzuge in Deutschland starb. Er ist das älteste Bauwerk in Deutschland.
Dagegen ist der altarähnliche Stein im hiesigen Museum, welcher die Umschrift führt: „IN MEMORIAM DRVSI“ unächt, wie schon die Buchstaben zeigen ¹⁰).
Ob endlich die Wasserleitung bei Zahlbach, die ebenfalls dem Drusus zugeschrieben wird, aus dieser Zeit sei, kann bezweifelt werden; nach den Bausteinen der leg. XIIII, mit dem Bei- namen G. M. V., wird dieselbe erst in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts erbaut sein.
18. Aus der Zeit vor Augustus' Tod finden wir, dass Lucius Asprenas unter seinem Oheim Varus Legat in Obergermanien war; er führte auf die Nachricht der varianischen Niederlage so- gleich zwei Legionen zum Winterlager des untern Heeres, rettete das Heer, das dort stand, und verhinderte den Aufstand der schon wankenden Völker jener Gegend ¹⁰¹).
Von nun an wissen wir auch ziemlich genau, welche Legionen am Rhein standen; in Mainz waren zwei: die leg. XIIII gemina und die leg. XVI; die erste blieb bis zum Jahre 43, die an- dere bis 60 hier; ihre Grabsteine fallen in diese Zeit und sind die ältesten Inschriften dahier 1¹⁰²). Als Augustus nach der varianischen Niederlage seinen Enkel Germanicus an den Rhein sandte und die Heere daselbst verstärkte, standen unter diesem zwei Legaten: Aulus Cäcina am Unterrhein(Hauptstadt Köln), Gaius Silius am Oberrhein(Hauptstadt Mainz); beide nahmen an den Feldzügeu des Germanicus Theil(14—16). Als dieser von Tiberius zurückberufen wurde, blieb Silius noch sieben Jahre in Mainz. Wiewohl er keinen Krieg im jenseitigen Deutschland führen durfte, hatte er doch noch einige Gelegenheit sich auszuzeichnen. Die Treverer(Trier), welche unter Julius Florus, die Aedui(um Autun), die unter Julius Sacrovir einen Aufstand erregten, be- siegte und unterwarf er schnell ¹⁰). Ein paar Jahre nachher zurückgerufen erlag er wegen seiner Verdienste in Germanien und seiner frühern Freundschaft mit Germanicus dem Argwohn und Hass des grausamen Kaisers Tiberius; dieser Verfolgung entzog sich Silius(24) durch freiwilligen Tod 1⁰⁴).
Ihm folgte Lucius Cornelius Lentulus Gætulicus, ein Mann von grosser Milde, daher bei den Soldaten sehr beliebt. Sein Schwiegervater Lucius Apronius war zu gleicher Zeit Statthalter in Untergermanien. Als dieser gegen die Frisen, die sich wegen der Erpressungen des römischen Vorgesetzten Olennius empörten, zu Felde zog(28), nahm er auch die Vexillaren des obern Ger- maniens mit 105), woraus, was sich eigentlich von selbst versteht, hervorgeht, dass die beiden Ger- manien sich gegenseitig unterstützten. Auch Gætulicus entging den Verfolgungen der Majestäts-
99) Was die Stellen bei Suet. Claud. 1; Cassius, 55. 2; und Eutrop. 7. 8, klar beweisen. Der jetzige Name kommt nicht von aquila her, sondern entweder von der ehemaligen Gestalt, die einer Eichel nicht unähnlich sah, oder vom Worte zeigils, welches gross, hoch, bedeutet; die älteste Form gibt Huttich 1520; Lehne’s Abbildung, wie einige von N. Müller(Nass. Annal. III, Fig. 6 und 1) beruhen auf keinem Grunde.
100) Auch das ähnliche Denkmal, welches am Bocksthor im J. 1788 zerschlagen wurde, halte ich nicht für ächt, schon weil Huttich es nicht erwähnt, sondern es wird bald hernach dem Erbauer der Stadt errichtet worden sein, um dieselbe Zeit, als die Einwohner von Basel ihrem Gründer Munatius Plancus ein Denkmal setzten.(1528.)
101) Vell., II. 120. Ihm wird auch vorgeworfen, dass er die Güter und Erbschaften der mit Varus umge- kommenen Römer an sich gezogen habe.
102) Ich wollte hier eigentlich chronologisch diese Grabsteine einrücken, aber der Mangel an Raum verbietet es mir. Dieselben sind erwähnt in meinem Programme über die Legionen, welche in Obergermanien standen(1853).
103) Tacit. annal. III. 42 ff.
1 104) Seine Frau Sosia Galla, Freundin der Agrippina, wurde verbannt, ein Theil des Vermögens, nämlich die Geschenke, die Augustus ihm früher gegeben, weggenommen. War diese Sosia verwandt mit den Buch- händlern Sosii, bei denen Horatius seine Gedichte edirte, oder war sie wegen des Beinamens aus Gallien?
105) Tacit. annal. IV. 72. VFevillarii heissen die Soldaten, welche ausgedient hatten, aber noch nicht entlassen waren; sie waren frei von Diensten, ausser gegen den Feind.


